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Letztes Antiquariat in Linzer Innenstadt sperrt zu

LINZ. Buchhändler Walter Neugebauer schließt Ende Februar 2018 seine "Schatzkammer" am Graben und macht Platz für ein mehrgeschoßiges Wohn- und Bürobauprojekt – das Buchgeschäft am Taubenmarkt ist davon nicht betroffen.

Letztes Antiquariat in Linzer Innenstadt sperrt zu

11.000 alte Bücher sammelt und verkauft Neugebauer in seinem Antiquariat – aber nicht mehr lange. Bild: VOLKER WEIHBOLD

"700 Jahre Eferding", steht auf dem Titelblatt einer Zeitschrift im Antiquariat am Graben. Das Schriftstück gibt es schon eine ganze Weile, denn Eferding gilt als die drittälteste Stadt Österreichs und besteht seit dem Jahr 1222. Das ist nur einer von vielen "Schätzen", die Walter Neugebauer von der gleichnamigen Buchhandlung am Taubenmarkt in Linz verkauft.

Viel Geld springt für den Antiquar nicht heraus. Lediglich 15 Euro kostet die Eferdinger Jubiläumszeitschrift aus dem Jahr 1925. "Die Jagd nach den alten Büchern geht verloren, darum rechnet sich die Arbeit im Antiquariat langsam nicht mehr", sagt Neugebauer. Die Wehmut ist dem 64-Jährigen anzumerken. Ende Februar ist das Antiquariat im Hof hinter seinem Buchgeschäft Geschichte.

Zweigeschoßiges Geschäft

Nächstes Jahr sollen die Bagger anrücken. Anstelle der historischen Fundstelle sind an den Adressen Graben 27, 29 und 31 zwei Gebäude geplant. Fest steht, dass in die unteren zwei Ebenen des fünfgeschoßigen Baues am Graben ein Geschäft mit einer Fläche von 1300 Quadratmetern einziehen wird.

Darüber sowie in dem zweiten, achtgeschoßigen Gebäude werden Mietwohnungen und Büros entstehen. "Das sind insgesamt 32 Einheiten. Wir hoffen, dass wir im Herbst 2018 mit dem Bau beginnen können", sagt Martin Kladensky, Geschäftsführer der zuständigen Kladensky Holding, im OÖN-Gespräch. Für die Mieter seien zudem ein großer Innenhof und eine zweigeschoßige Tiefgarage angedacht.

Dem Bauvorhaben blickt Buchhändler Walter Neugebauer "mit einem weinenden und einem lachenden Auge" entgegen. "Ich liebe alte Bücher und habe sie unglaublich gerne aufgearbeitet", sagt er, ist sich aber auch des Aufwandes bewusst. "Es war harte Arbeit, alle Daten jedes Buches in den Computer einzugeben."

Buchhandlung nicht betroffen

Vom Online-Handel sind selbst Antiquare nicht verschont geblieben. "Im Internet verkauft nur jener gut, der das günstigste Buch hat. Deshalb gehen die Preise immer weiter runter", klagt der Linzer. Sein Geschäft am Taubenmarkt betrifft der Bau nicht. Dort hat Neugebauer auch keine Verkaufsprobleme: "Die Leute schätzen lokale Buchhändler", sagt er.

 

Die Geschichte der Buchhandlung Neugebauer

In der sechsten Generation führt Walter Neugebauer die Traditionsbuchhandlung auf dem Taubenmarkt. Sein Ur-Ur-Urgroßvater begann mit dem Buchhandel im Jahr 1798. Das Geschäft in Linz besteht seit 1935. Walter Neugebauer kann sich seit dem Jahr 1974 als Buchhändler bezeichnen. An den Ruhestand denkt der 64-Jährige „in den nächsten fünf Jahren“ nicht. Von seinem Antiquariat, das 1963 anstelle einer Schmiede geöffnet wurde, trennt er sich im Februar. Rund 11.000 alte Bücher bietet der passionierte Antiquar an. 60 Prozent seines Angebotes verkauft er im Internet. Jetzt, wo die Schließung bevorsteht, gibt es einen großen Abverkauf – online und im Geschäft. Wenn Neugebauers Antiquariat am Graben für immer verschwindet, bleibt in Linz nur noch ein vergleichbares in Urfahr übrig: das Antiquariat Steinberg in der Peuerbachstraße.

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Artikel Verena Gabriel 13. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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