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Wirtschaft

Netz überlastet, Verbindung gedrosselt: Verkaufen Anbieter Mogelpackungen?

Von Martin Roithner   16. Februar 2018 15:26 Uhr

Eine schlechte Internetverbindung bringt viele Nutzer an den Rand der Verzweiflung.

LINZ. Viele Nutzer kritisieren "irreführende" Angaben bei LTE-Leitungen. Die Mobilfunkanbieter weisen die Vorwürfe zurück.

Viel Diskussionsstoff hat der heutige OÖN-Bericht verursacht, wonach Rudolf Reitbauer aus Sankt Agatha Probleme mit seinem Internetzugang hatte. Bei A1 hatte er ein LTE-Paket bestellt, bei dem ihm der Anbieter eine maximale Downloadrate von 80 Mbit/Sekunde versprach. Es häuften sich Fälle, in denen es abends nur drei bis fünf Mbit/Sekunde waren – woraufhin Reitbauers Internetverbindung mehrmals streikte. 

Reitbauer ist mit seinem Problem nicht allein: Alexander Rizy aus Eferding kennt es auch. Beide kritisieren, dass Mobilfunkanbieter beim Netz-Standard LTE (Long Term Evolution) zu hohe Geschwindigkeiten angeben und damit Verbraucher in die Irre führen. „Das ist eine Mogelpackung“, sagt Rizy. Überlastete Netze und gedrosselte Verbindungen seien die Folge. 

Rizy berichtete den OÖN, dass er vor zweieinhalb Jahren bei T-Mobile Austria einen LTE-Anschluss mit 20 Mbit/Sekunde bestellt hatte. „Damals haben sie in unserer Siedlung große Plakatwerbungen gemacht, dass wir alle nun das schnellste Internet haben würden.“ Ähnlich wie bei Reitbauer tauchten auch bei Rizy nach einiger Zeit Schwierigkeiten auf. „Am Abend ist nichts mehr gegangen. Es war mühsam, eine normale Internetseite aufzumachen. Von Videos will ich gar nicht erst reden.“ Er kontaktierte T-Mobile. Man teilte ihm mit, dass die vorgegebenen Werte Maximalwerte seien. Wenn mehrere Nutzer auf die Leitung zugriffen, werde die Verbindung gedrosselt. Er könne versuchen, auf einen höheren Tarif umzu steigen, um Chancen auf eine bessere Verbindung zu haben. Das tat Rizy nicht. Er wechselte den Anbieter und stellte von LTE auf Festnetz-Internet um. Nun funktioniere die Verbindung wieder besser, wenn auch langsamer als bei einem „normalen LTE-Anschluss“. Nachsatz: „In meiner Siedlung haben es viele andere genauso gemacht. 

Die betroffenen Mobilfunkanbieter A1 und T-Mobile wehren sich gegen die Kritik. Sie verkauften keine Mogelpackungen. „LTE stößt irgendwann an seine physikalischen Grenzen. Es gibt nicht in jedem Haus oder in jeder Wohnung dieselben Voraussetzungen“, sagt Barbara Holzbauer, Pressesprecherin bei T-Mobile Austria. Eine Funkzelle ermögliche eine Auslastung von bis zu 300 Mbit/Sekunde. „Wenn nur einer zugreift, hat er die beste Verbindung. Wenn das 20 Leute zugleich machen, wird es schwieriger.“ Man arbeite aber laufend daran, die Kapazitäten zu erhöhen, sagt Holzbauer. Ähnlich sieht es A1-Sprecherin Livia Dandrea-Böhm. „Um die Prime-Time herum haben Nutzer in den seltensten Fällen die tollste Geschwindigkeit beim Streamen und Surfen.“ 

Gerichtsurteile in Deutschland 

Bei der Arbeiterkammer Oberösterreich heißt es, dass sich solche Fälle zuletzt gehäuft hätten. „In Deutschland hat es bereits Gerichtsurteile gegeben “, sagt Konsumentenschützer Lukas Engelputzeder. Das Oberlandesgericht Frankfurt etwa urteilte, dass die Werbung eines Mobilfunkers („bis zu 100 Mbit/Sekunde“) verboten sei – weil im Durchschnitt nur 45 Mbit/Sekunde erreicht wurden.

 
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