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Maria Clam-Martinic: „Furchtlos trat sie den Soldaten entgegen und lud sie ein“

KLAM. Eine Privatlesung vom Freund der Familie, Otto Schenk. Dieses Geschenk gab es zum 90er vor zehn Monaten. Zum Wiedersehen bei einer öffentlichen Lesung im Brauereigarten kam es aber nicht mehr. Maria Clam-Martinic starb wenige Stunden vor dem geplanten Auftritt.

„Furchtlos trat sie den Soldaten entgegen und lud sie ein“

Die Gräfin an ihrem 90. Geburtstag. Bild: eku

Die Gräfin. So nannten viele Bürger der kleinen Gemeinde Klam im Bezirk Perg liebevoll Maria „Mara“ Antonia von und zu Clam-Martinic. Am 1. September 1919 kam Mara in Wien als zweites Kind von Carl Abensperg und Traun (Besitzer von Gut und Schloss Petronell und Bisamberg sowie Schloss Traun) und Caroline, geborene Gräfin Nostitz, zur Welt.

Im November 1939 heiratete sie Georg Clam-Martinic, den Besitzer von Burg Clam. Noch während des Zweiten Weltkrieges brachte sie drei Kinder zur Welt – Eleonora (1963 bei einem Unfall ums Leben gekommen), Caroline und Heinrich (2006 verstorben). Nach dem Krieg schenkte sie drei weiteren Kindern das Licht der Welt: Johannes (er kam 1965 bei einem Unfall um) sowie den Zwillingen Netti und Georg.

„Sie war besonders sozial, half vielen Menschen in der Umgebung und war viele Jahre freiwillige Krankenpflegerin beim Malteser-Hospitaldienst in Wien“, sagt Georg Clam-Martinic über seine Mutter.

Dass nach dem Zweiten Weltkrieg die russischen Besatzer keine negativen Spuren in Klam hinterließen, sei auch seiner Mutter zu verdanken, ist Georg überzeugt. „Am Christi Himmelfahrtstag 1945 traf eine Einheit der russischen Besatzungsmacht in der Gemeinde ein. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder aus dem Krieg heimgekehrt. Also trat meine Mutter furchtlos den Soldaten im äußeren Burghof entgegen. Sie war die einzige Frau, da sich alle anderen aus Todesangst vor den Besatzern versteckt hatten. Sie empfing die russischen Offiziere und lud sie ein, in der Burg Quartier zu beziehen.“ Das, so ist Georg sicher, half mit, die Burg Clam, deren Bewohner und die Bevölkerung der Gemeinde vor größerem Unheil zu bewahren.

Bis zuletzt war „die Gräfin“ eine Freundin und Förderin der Clam-Konzerte. Dem Klang der Musik lauschte sie gerne von der hoch über dem Konzertgelände thronenden Burg. „Aber ihre größte Freude im Alter waren natürlich ihre sieben Enkel und sieben Urenkel.“

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Artikel Ein Nachruf von Eike-Clemens Kullmann 28. Juli 2010 - 00:04 Uhr
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