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Oberösterreich

Oberösterreich führt Maskenpflicht wieder ein und fordert Hilfe des Heeres an

Von Barbara Eidenberger und Robert Stammler  07. Juli 2020 00:04 Uhr

(Symbolbild)

LINZ. Das Heer soll dabei helfen, das Kontaktpersonen-Management trotz steigender Infektionszahlen effektiv betreiben zu können. Der nächste Schritt wird die Wiedereinführung der Maskenpflicht in Gastronomie und Geschäften.

Dass der Weg zum Corona-Test ein langer sein kann, schilderte der Theologe Markus Schlagnitweit gestern stellvertretend für viele Leser in den OÖN. Die Kritik an der Vorgehensweise des Landes nahm zuletzt massiv zu. Die Zahl der positiv Getesteten steigt, die Zweifel am Krisenmanagement ebenso.

Nun hat die Landesregierung reagiert und einerseits eine Änderung der Teststrategie, andererseits Hilfestellung durch das Bundesheer beim Kontaktpersonen-Management angekündigt. In der gestrigen Sitzung wurde beschlossen, zukünftig auch Kontaktpersonen von Infizierten zu testen, die keine Symptome haben. Außerdem sollen alle Mitschüler von Betroffenen getestet werden. Die Landesregierung kündigte zudem an, die Testaktivität in Alten- und Pflegeheimen zu verstärken.

Tests massiv erhöht

Die Zahl der Tests habe man in den vergangenen Tagen bereits massiv erhöht: Zwischen 1. und 5. Juli wurden täglich rund 1300 Tests durchgeführt. "Um das erhöhte Testaufkommen zu bewältigen, werden die Drive-ins des Roten Kreuzes von zwölf auf 16 sowie die derzeit 14 mobilen Teams aufgestockt", sagte Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP). Bezüglich der Finanzierung der zusätzlichen Tests warte man derzeit auf die Genehmigung des Bundes. Bis dahin trete das Land mit zehn Millionen Euro in Vorleistung. Damit wolle man Rechtssicherheit geben und keine Zeit durch die Abläufe verlieren, sagte Stelzer im OÖN-Gespräch. Dass man zu langsam oder nicht umfassend genug gehandelt habe, weist er zurück: "Wir haben schnellstmöglich und bestmöglich reagiert. Aber es passieren auch Fehler, das will ich gar nicht wegreden."

Nun ist man bemüht, sämtliche Kapazitäten aufzustocken. Beim Kontaktpersonen-Management sollen 30 Soldaten helfen, da die Kompetenzen des Bundesheeres umfassender seien als jene der Polizei. "Es hat sich gezeigt, dass Polizisten keine Fragen zum Gesundheitszustand stellen dürfen. Das wird erst in der nächsten Parlamentssitzung geändert", so Stelzer. Falls bei der Gesundheitshotline 1450, wo derzeit wieder rund 1000 Anrufe täglich einlangen, Engpässe auftreten, könnten auch dort Soldaten eingesetzt werden.

Neuerliche Maskenpflicht?

Intensiv diskutiert wurde zuletzt auch, wie gut das Management im Krisenstab des Landes funktioniert. Auf OÖN-Anfrage, wie viele Menschen bei den Gesundheitsbehörden (Bezirkshauptmannschaften und Magistrate) im Bundesland für das Kontaktpersonen-Management zuständig seien, hieß es aus dem Krisenstab, die Bezirksbehörden würden ihre Stäbe "je nach Bedarf" anpassen.

"Wir haben die Leute, die wir brauchen", versicherte Stelzer. Für heute ist eine Pressekonferenz geplant, darin werden wohl weitere Maßnahmen angekündigt. So dürfte eine neuerliche Maskenpflicht in Gastronomie und Geschäften kommen.

  • Video: In elf oberösterreichischen Bezirken gibt es bereits wieder CoV-Warnstufe gelb. Besonders betroffen ist Linz-Land, erste Gemeinden bereiten sich bereits wieder auf unruhigere Zeiten vor.
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Noch zwei Schulen geschlossen

Auch gestern wurden wieder Infektionsfälle an Schulen bekannt. So in der Volksschule Mehrnbach im Bezirk Ried, wo bereits zwei Lehrer und drei Schüler Covid-positiv sind. Diese Schule wurde gestern ebenso behördlich geschlossen wie die Neue Mittelschule (NMS) in Hofkirchen an der Trattnach (Bezirk Grieskirchen). Dort hatten sich ein Mitarbeiter der Schulverwaltung und eine Lehrkraft infiziert. Diese habe Kontakt zu "sehr vielen" anderen Personen gehabt, informierte das Land gestern Abend. Alle Hofkirchner NMS-Schüler mussten zum Coronatest.

  • Video: Oberösterreich hat zuletzt recht rasch wieder Schulen geschlossen. Die Schlachthöfe mit Infektionsfällen bleiben aber offen, wie soll das zusammenpassen? Günter Mayr aus der ORF-Wissenschaftsredaktion antwortet.

Polizei kontrolliert Quarantäne

Um Kontaktpersonen aufzuspüren, greift das Land auf die Unterstützung der Polizei zurück. Am vergangenen Wochenende geschah dies 86 Mal: 72 Anfragen kamen von der BH Wels-Land, zwölf von der BH Perg und je eine vom Welser Magistrat und der BH Urfahr-Umgebung. Außerdem kontrolliert die Polizei in Oberösterreich, ob sich die Menschen in Quarantäne auch an die Vorschriften halten.

Am Freitag wurden 109 Personen kontrolliert, drei waren nicht zuhause und hielten sich offensichtlich nicht an die Auflagen. Am Samstag waren von 108 Menschen vier nicht anwesend, am Sonntag (128 Kontrollen) waren zwei nicht zuhause. Sie wurden angezeigt.

Das lange Warten auf Antworten aus dem Krisenstab

Wie viele Testungen werden in Oberösterreich durchgeführt? Wie verteilen sich die positiv Getesteten auf die verschiedenen Altersgruppen? Wer entscheidet, wer getestet wird? Fragen wie diese beschäftigen die OÖN-Redaktion seit dem Ausbruch der Coronakrise, und wir ersuchen den Krisenstab des Landes um Antworten.

Doch das ist schwieriger, als es klingt. Direkte Gespräche mit den Mitgliedern des Krisenstabs sind nicht möglich, die Anfragen müssen schriftlich per E-Mail an den Pressedienst des Landes gestellt werden. Die Kollegen nehmen dann Kontakt mit dem Krisenstab auf und versuchen, die Fragen zu beantworten. Eine Prozedur, die Tage dauern kann und selbst dann nicht immer zum Erfolg führt.

"Daten haben wir nicht"

So hieß es etwa auf die Frage, wie sich die Altersstruktur der positiven Fälle darstellen würde, lediglich: "Diese Daten haben wir nicht." Auch die Frage nach den häufigsten Clusterbildungen blieb fünf Tage lang unbeantwortet.

Mehrere Nachfragen waren notwendig, um zu erfahren, dass Alois Hochedlinger, Leiter der Direktion Inneres und Kommunales, weiter den Krisenstab leitet. Seit März sei der Krisenstab täglich – auch am Wochenende – im Einsatz.

 

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