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Der schreckliche Gehorsam eines Taugenichts

Uraufführung des Theaterstücks "Eichmann" von Rainer Lewandowski in der Bruckmühle Pregarten.

Der schreckliche Gehorsam eines Taugenichts

Franz Froschauer ist Otto Adolf Eichmann. Bild: Bruckmühle Pregarten

Ein Prozess, selbst jener gegen den kaltblütigen Nazi-Beamten und Juden-Vernichtungslogistiker Otto Adolf Eichmann, darf kein großes Tingeltangel sein. Er verlangt Sachlichkeit, Stille und mehr Kummer als Zorn. Diesen Prinzipien, die von der Philosophin Hannah Arendt 1961 als Beobachterin des Eichmann-Prozesses in Jerusalem eingefordert worden waren, folgte die Uraufführung des Stücks "Eichmann" am Donnerstag in der Bruckmühle in Pregarten. Heute (19.30 Uhr) ist das Auftragswerk von Rainer Lewandowski (Autor und Intendant am E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg) in den Linzer Kammerspielen zu sehen.

Dass der Abend seine Wirkung aus Bedächtigkeit ziehen kann, liegt an der Schauspielkunst von Franz Froschauer, am Chor "PregarTon" und an Regisseur Georg Mittendrein. Der unbezähmbare Theater-Recke Mittendrein, seit zwei Jahren Bruckmühle-Chef, hat sich trotz geringer finanzieller Mittel auf dieses Uraufführungs-Wagnis eingelassen. Möglicherweise befeuert er mit diesem Mut seine Kulturhaus-Kollegen im ganzen Bundesland.

Das Publikum ist Zeuge und stiller Eichmann-Verhörer Avner Werner Less in einem. 275 Stunden haben Eichmann und Less miteinander gesprochen. In Pregarten reichen 80 Minuten, die vielleicht um zehn zu lang sind, um Eichmann als einen heruntergekommenen Sohn aus guter, nach Linz zugereister Familie zu entlarven – als Nutznießer des SS-Steigbügels, als Komplexbeladenen gegenüber Gebildeten, als einen, der auch die bestialische Mordaufgabe ohne Selbstreflexion so präzise durchführte, wie jede andere, die ihm gestellt worden wäre.

Eichmann berichtet von seiner Jugend in Linz; davon, dass er auch mit einem jüdischen Buben befreundet gewesen wäre, von seinem schulischen und beruflichen Scheitern. Zwischen seinen Sätzen vertieft, ironisiert und kommentiert der hinter einem dunklen Vorhang aufgestellte Pregartner Chor die einfältigen Rechtfertigungsversuche. Das Horst-Wessel-Lied donnert mehrmals durch den Saal, ohne den Abend zum Betroffenheitstheater zu verkleinern.

Während Eichmann schwadroniert, sich in Kleinigkeiten verheddert und Schlechtigkeit mit Pflichtbewusstsein vertauscht, tritt ein Chorist nach dem anderen nach vorne und schildert Einzelschicksale aus der Tötungsmaschinerie. Sie alle umzingeln ihn, und es verknotet sich ein Netz aus Fakten, aus dem sich Eichmann nicht mehr herausreden kann.

Franz Froschauer entkommt der Verführung, einen Dämon auf die Bühne zu setzen. Er ringt, er bettelt, er apostrophiert die Banalität des Bösen. Langer Applaus.

"Eichmann" von Rainer Lewandowski, Regie: Georg Mittendrein, Bruckmühle Pregarten, 26. Februar. Weiterer Termin: 28. 2., Kammerspiele Linz (19.30 Uhr).

OÖN Bewertung:

 

Otto Adolf Eichmann

Otto Adolf Eichmann

Er kommt 1906 in Solingen (D) zur Welt, übersiedelt mit seinen Eltern und fünf Geschwistern nach Linz, er verlässt die HTL ohne Abschluss, arbeitet als Bergmann und Verkäufer in den Unternehmen seines Vaters. 1932 tritt er der NSDAP bei, wird Mitglied der SS und übersiedelt nach Berlin. Mit bürokratischer Akribie leitet er fortan die Deportation von Juden in Vernichtungslager. Er nimmt an der Wannsee-Konferenz (1942) teil, die den organisierten Massenmord an den Juden beschließt. Nach Kriegsende flieht er nach Argentinien, 1960 wird er festgenommen und 1961 in Israel zum Tode verurteilt.

 

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Artikel Peter Grubmüller 28. Februar 2015 - 00:04 Uhr
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