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Gesundheit

Von wegen "O du fröhliche" - Psychische Krisen im Advent

14. Dezember 2016 00:04 Uhr

Von wegen "O du fröhliche" – Psychische Krisen im Advent
Gerade älteren Menschen wird die Einsamkeit jetzt oft sehr bewusst.

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit kämpfen viele mit psychischen Problemen – die Ursachen und "Erste Hilfe".

Einsamkeit, verdrängte Konflikte und oft auch der Druck, so glücklich zu sein, wie (scheinbar) der Rest der Welt: "Es gibt viele Gründe, warum Menschen in der Weihnachtszeit besonders häufig mit psychischen Problemen zu kämpfen haben", sagt Psychiater Werner Schöny, Vorstandsvorsitzender von pro mente Oberösterreich im Rahmen einer Pressekonferenz der Krisenhilfe OÖ. Darum sei es gerade in diesen Wochen wichtig, Betroffenen zu zeigen, wo und wie sie Hilfe bekommen – siehe dazu Stichwort rechts.

Dass die Wochen vor Weihnachten für die Menschen psychisch belastend sind, bestätigt auch Monika Czamler, Leiterin der Krisenhilfe OÖ. "Wir verzeichnen an manchen Tagen – meist an den Wochenenden und an Montagen – etwa 50 Prozent mehr Anrufer als in anderen Saisonen", erzählt sie.

Auffallend auch: "Am Heiligen Abend ist es meistens sehr ruhig – da reißen sich noch alle zusammen. Am 25. Dezember steigen die Anrufe bei unserer Krisenhotline dann sprunghaft an, denn da haben wohl viele keine Energie mehr, die Konflikte zu unterdrücken."

Besonders belastend sei die Weihnachtszeit auch für alleinstehende Menschen, denen gerade jetzt besonders schmerzlich bewusst wird, wie einsam sie wirklich sind. "Weihnachten ist ja traditionell ein Familienfest. Aber was tun Menschen, die keine Familie haben?", so Schöny. Auf der anderen Seite steige jetzt aber auch der Druck, glücklich zu sein. "Alles glitzert und glänzt, alle rund um mich herum haben wunderbare Tage. Das kann bei Betroffenen die Stimmung noch zusätzlich verschlechtern", sagt der Experte.

Hilfe in Zeiten wie diesen

Sein Rezept gegen einen leichten "Weihnachtsblues"? "Oft hilft es, seine Einstellung zu überdenken und sich von dem Hype nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen", so Schöny. "Sagen Sie einfach: OK, Weihnachten ist heuer nicht so toll. Im Grunde ist es nur ein Tag wie jeder andere – und denken Sie lieber darüber nach, wie Sie Ihrem Leben eine neue Richtung geben können."

In der Depression, aber auch in Belastungssituationen sei es zudem hilfreich, täglich mindestens eine halbe Stunde in die frische Luft zu gehen, Kontakte bewusst zu fördern und zu pflegen, sich mit Freunden und Familie für Weihnachtsvorbereitungen, wie zum Beispiel Kekse backen, zu treffen", rät Czamler. "Wenn es nicht mehr möglich ist, diese Tipps zu befolgen und sich eine Krise anbahnt, sollte man so rasch wie möglich die Krisenhilfe OÖ kontaktieren."

Man könne auch präventiv sehr viel für die eigene psychische Gesundheit tun. pro mente hat dazu "10 Schritte zur psychischen Gesundheit" entwickelt. Sie lauten: Sich selbst annehmen; Darüber reden; Aktiv bleiben; Neues lernen; Mit Freunden in Kontakt bleiben; Etwas Kreatives tun; Sich beteiligen; Um Hilfe fragen; Sich entspannen; Sich nicht aufgeben. "Berücksichtigt man diese zehn Punkte, so ist man der psychischen Gesundheit sicherlich schon einen riesigen Schritt näher, weil sie die Resilienz, also die eigene Widerstandsfähigkeit, fördern", so Schöny. (had)

Hilfe unter 0732/2177

Mit Beginn 2016 wurde die psychosoziale Krisenhilfe in Oberösterreich neu organisiert. pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge OÖ und die Notfallseelsorge haben sich unter dem Namen „Krisenhilfe OÖ“ zusammengeschlossen. Diese bietet rasche und professionelle Unterstützung bei allen psychischen Krisen. Das Angebot umfasst telefonische Beratung (rund um die Uhr unter der Nummer 0 73 2/21 77), persönliche Krisenbegleitung und sogar Hausbesuche.

 

 

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