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Society & Mode

Arnold Schwarzenegger: Ein vielseitiger Leinwandheld wird 75

Von Bernhard Lichtenberger  30. Juli 2022 07:40 Uhr

Arnold Schwarzenegger: Der Mann, dem Österreich zu klein wurde.

Arnold Schwarzenegger, der personifizierte amerikanische Traum aus der Steiermark, wird am Samstag 75 Jahre alt. Ein Blick auf einen starken Mann mit kleinen Schwächen.

So weit, so gut, doch das Dumme ist nur, ich hab’ Schwarzeneggers Hirn und vom Einstein die Figur", heißt es im Lied "An der Copacabana", das die Erste Allgemeine Verunsicherung 1987 veröffentlichte – ein Stereotyp, das den am 30. Juli 1947 in Thal bei Graz geborenen Arnold begleitet, seit er mit eiserner Disziplin und unumstößlicher Konsequenz begann, seinen Körper zu formen. Den frühen Hantelschupfern und Gewichthebern haftete der Nimbus an, zu viel in die Muskel- und zu wenig in die Geistesbildung zu investieren. Der Neid ist eben ein Hund, und wenn er das Bein hebt, besudelt er eben auch eine Steirische Eiche. Doch der Mann, dem Österreich zu klein wurde, weil er größer dachte, belehrte die Spötter eines Besseren. In seinem Sehnsuchtsland strebte er nach dem Glück, nach dem amerikanischen Traum, in dem Unmögliches nicht vorzukommen hatte.

Arnold und sein um ein Jahr älterer Bruder Meinhard wuchsen unter der harten Hand ihres Vaters, des Gendarmerieposten-Kommandanten Gustav, und in der Herzenswärme von Mutter Aurelia auf. Sie war es auch, die gegen den entrüsteten Gustav den Weg des jüngeren Buben in die Welt des Bodybuildings verteidigte. 1961 nahm ihn der amtierende Mister Austria Kurt Marnul in der Athletik Union im Liebenauer Stadion unter seine Fittiche: "Am ersten Tag, an dem Arnold trainierte, sagte er: ,Ich werde Mister Universum.‘" Fünf Jahre später posierte er sich zum angekündigten Titel – dem vier weitere und sieben "Mister Olympia"-Titel folgten.

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Kurz darauf zog es Schwarzenegger in das Land, das seine zweite Heimat werden sollte. "Von meiner Ankunft 1968 in Los Angeles gibt es ein Foto. Ich bin 21 Jahre alt, trage eine zerknitterte braune Hose, klobige Schuhe und ein billiges Hemd. Ich habe eine abgewetzte Plastiktüte mit ein paar Sachen in der Hand und warte an der Gepäckausgabe auf meine Sporttasche, in der sich mein restlicher Besitz befindet. Ich sehe aus wie ein Flüchtling, ich kann nur ein paar Sätze Englisch und habe kein Geld – aber auf meinem Gesicht liegt ein breites Grinsen." So brachte er seine Wesensart in seiner 2012 erschienenen Autobiografie "Total Recall – Die wahre Geschichte meines Lebens" selbst auf den Punkt.

Sein Körper öffnet dem ehrgeizigen Sportler, der am Muscle Beach unter freiem Himmel auf der Fitnesswelle surft, die Tore in die Hollywood-Studios. 1969 debütierte er auf der Leinwand in "Hercules in New York" – im Abspann als Arnold Strong geführt und synchronisiert, da sein Englisch zu steirisch gefärbt war. Arnold wollte seinen Akzent loswerden und die fremde Sprache bei einem Spezialisten, den sie "Doktor Doolittle von Hollywood" nannten, perfektionieren. Der kommentierte das Ansinnen trocken: "Dieser Akzent ist dein Kapital!" Eines, das ihn unverwechselbar machte.

Smarter Geschäftsmann

Für seine ironische Selbstdarstellung im Bodybuilder-Streifen "Stay Hungry" (1976) bekam er einen Golden Globe als bester Newcomer. Und er blieb hungrig. "Conan der Barbar" (1980) war der erste große Schritt in die Topliga der Kassenmagneten. Nebenbei war er smart genug, seinen geformten Körper als Fitness-Animateur durch Bücher und Videos zu vermarkten und ins Bau- und Immobiliengeschäft zu investieren. Sein Studium der Volks- und Betriebswirtschaft schloss er 1980 an der Universität Wisconsin mit dem Bachelor-Titel ab.

Regisseur James Cameron holte ihn 1984 für die formidable Science-Fiction-Saga "Terminator" vor die Kamera. Der emotionsbefreite Killer-Cyborg aus der Zukunft, der den Mund für rund 70 Wörter in 17 Sätzen zu öffnen hatte, wurde zu Schwarzeneggers Leibrolle. Überraschend wechselte er mit "Twins" an der Seite von Danny DeVito ins komische Fach, von dem ihm abgeraten wurde. Arnies Rechnung ging auf, der Nachfolger "Kindergarten Cop" machte den "Äktschn"-Helden und Einzeiler-Mimen ("I’ll be back", "Hasta la vista, baby!") endgültig familientauglich.

Unter der Präsidentschaft von George Bush sen. zog sich der körperbewusste Leinwandheld die Vorturnerpatschen der Nation an, um das Volk von der Dualität "Gesunder Körper, gesunder Geist" zu überzeugen. 2003 betrat der österreichisch-amerikanische Doppelstaatsbürger die politische Bühne. Der Republikaner Schwarzenegger bekleidete von 2003 bis 2011 das Amt des Gouverneurs von Kalifornien, der sich an Budgetkrisen die Zähne ausbiss, aber mit seiner Klimagesetzgebung grüne Muskeln zeigte.

Hirn mit Muskeln
"Stay hungry": Das Lebensmotto des körperbewussten Leinwandhelden.

Unehelicher Ableger

Als etwas zu hungrig erwies sich der Körperbewusste in Liebesdingen. Die Ehe mit der zum demokratischen Kennedy-Clan gehörenden Journalistin Maria Shriver, aus der vier Kinder hervorgingen, scheiterte, als ruchbar wurde, dass Arnie seine Gene auch an einen unehelichen Ableger weitergegeben hatte – Sohn Joseph (24), einer Liaison mit Haushälterin Mildred Baena entsprungen.

Unbeirrt folgt der Vielseitige auch abseits von Film und politischer Macht einer Maxime: "Die Welt ist das, was du daraus machst." Und Schwarzenegger macht viel. Er ist Leitfigur der Special Olympics, der sportlichen Bewegung für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung, engagiert sich als globaler Klimaaktivist mit einem jährlichen Gipfel in Wien, hob Kinder- und Jugend-Initiativen aus der Taufe und bedient sich emotional der sozialen Medien, um über Videos Menschen wie Donald Trump oder Wladimir Putin ihre Unmenschlichkeit vor Augen zu führen.

Die besten Wünsche zum 75er – und beglücken Sie uns noch oft mit Ihrem Klassiker: "I’ll be back!"

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Bernhard Lichtenberger

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