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Vom Kalkofen zur Industriezone: Erste Betriebe siedelten sich vor 65 Jahren an

WELS. Ausgebucht, nichts geht mehr: Das Industriegebiet südlich und nördlich der großzügig angelegten Boschstraße in der Pernau ist (fast) bis auf den letzten Quadratmeter genützt.

Vom Kalkofen zur Industriezone: Erste Betriebe siedelten sich vor 65 Jahren an

Bild: stadtarchiv wels

Mit 54 Hektar ist das Areal nicht einmal halb so groß wie der Welser Flugplatz im Norden der Stadt.

Auf diesen Flächen verdient die Stadt viel Geld, sind doch hier die Welser Aushängeschilder aus Industrie und Gewerbe beheimatet: National und international erfolgreiche Betriebe wie TGW, Kellner & Kunze, VAM, Ewe, Felbermayr...

Das Areal hat eine lange Tradition. „Die Papiermühle war die zweitälteste nördlich der Alpen, sie wurde 1553 errichtet“, erzählt Stadtarchivleiter Günter Kalliauer. Seit 1978 ist sie Geschichte. Von den vielen Mühlen am Mühlbach arbeitet nur noch die Roth-Mühle an der Schafwiesenstraße.

Schlechter Boden

1896 geht der Welser Kalkofen in Betrieb, den Baumeister Robert Kunz errichten ließ. 42 Jahre später wird die Zufahrtsstraße nach ihm benannt. Den Straßennamen gibt es noch, der Ofen hatte 1940 ausgedient und wurde zugunsten einer Siedlung abgetragen. Weiter östlich ist die Schafwiesen landwirtschaftlich kaum genützt: Zu wenig Ertrag liefern die Schotterböden an der Traun mit ihren dünnen Humusschichten. Die Nazis planen militärische Einrichtungen, die aber nur durch Barackenbauten sichtbar werden.

Nach 1945 bekommen Besatzer und öffentliche Hand Verfügungsgewalt über die Flächen. Mit dem Geld aus dem US-Wiederaufbau-Fonds (ERP-Mittel) wird Ende der 1940er-Jahre der Grundstein für das heutige Industriegebiet gelegt.

Als eine der ersten potenten Firmen siedelt der Anlagenbauer Rumpel AG (heute VAM) an. Dem Beispiel folgen weitere Innenstadtbetriebe, wie AGRO, Strebelwerk, Verkehrsbetrieb Sab, Isar-Chemie (heute H.B. Fuller) oder die Rahmenfabrik Nöttling & Fasser. „Ewe-Küchen und Kellner & Kunz errichten im Industriegebiet ebenfalls ihre neuen Werke“, weiß Historiker Kalliauer. 1978 öffnet der Schlachthof Handlbauer seine Pforten, auch die Strumpffabrik Edoo, TGW und Felbermayr lassen sich dort nieder.

Seit mehr als 20 Jahren ist das Areal völlig ausgelastet. In Oberhart nahe dem Terminal stehen Flächen zur Verfügung. Weil das Betriebsbaugebiet beim Flugplatz derzeit nicht realisiert wird, genehmigt der Gemeinderat nun Betriebsflächen in Wimpassing nördlich der Innkreisautobahn.

Schießstätte und Klärwerk

Nach 1955 war in der Schießstättenstraße eine mechanische Kläranlage in Betrieb, die nach dem Bau der biologischen in Kappern (1985) stillgelegt wurde. Nun ist dort der Wirtschaftshof der Stadt etabliert. Gegenüber baute die Lawog vor 60 Jahren zweigeschoßige Wohnhäuser als Ersatz für die Baracken-Siedlung. Die namensgebende Schießstätte wurde 1916 für das Militär errichtet und war auch von 1939 bis 1945 in Verwendung. Das 1915 errichtete „Kaiserschützen-Denkmal“ steht seit 1971 im Park Bosch-/Ghega-/Negrellistraße. Eine Aufnahme war gestern in unserem Rätsel „Erkennen Sie Wels?“ zu sehen.

Über die Traun nach Schleißheim übersetzten die Welser bis 1961 mit einer Überfuhr von Eduard Wespl. Der Damm zur Traun wurde mit dem Bau des Kraftwerkes Marchtrenk (Inbetriebnahme Juni 1980) verbreitert und erhöht.

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Artikel Friedrich M. Müller 11. Oktober 2012 - 00:04 Uhr
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