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OÖN-Filmkritik

"Marie Curie – Elemente des Lebens": Ein Film, der Marie Curies Kern nicht ganz erfasst

Von Nora Bruckmüller  08. August 2020 00:04 Uhr

Ein Film, der Marie Curies Kern nicht ganz erfasst
Marie und Pierre Curie (Rosamunde Pike und Sam Riley)

Eine Kino-Biografie mit starkem Schauspiel, aber unruhigem Stil.

Über Marie Curie (1867–1934) weiß man, dass sie mit ihrer Erforschung der Radioaktivität die Welt verändert hat. Bezahlt hat sie das mit dem Tod. Langsam zerstörte das unsichtbare "Gift" ihren Körper.

Im Film "Marie Curie – Elemente des Lebens" gelingt es Regisseurin Marjane Satrapi mit Rosamunde Pike ("Gone Girl") in der Hauptrolle, auch den Charakter Madame Curies zu beleuchten.

Dazu lässt einen die iranische Filmemacherin ("Persepolis") ins Paris der Jahrhundertwende reisen. Von dessen Opulenz ist wenig zu sehen und zu spüren, während Curie studiert und ihren Kollegen und späteren Mann Pierre Curie (1859–1906) kennenlernt. Ihn spielt Sam Riley ("Das finstere Tal"). Mit Pierre entdeckte Marie die Elemente Polonium und Radium, das Paar hatte zwei Töchter. Pike und Riley funktionieren als Marie und Pierre ideal. Weil sie im Duo harmonieren und explodieren können. Die Kämpfe, die Marie im honorigen Machobetrieb der Wissenschaft und als Antithese zur Frauenkarriere damals (Gattin, Mutter) austragen musste, spiegeln sich in diesem intimen Beziehungsporträt. Je näher sie zum Kern ihrer Entdeckungen vordringt, umso stärker rennt Pierre gegen den Schutzpanzer, den Marie aufgebaut hat. "Die Arrogante" traut nur sich selbst.

Satrapi gelingt es, den Machtkampf einer letztlich innigen Liebe auf den Punkt zu skizzieren. Der Inhalt setzt auch schöne Akzente in der Form. Das oft floskelhaft verwendete "Licht der Erkenntnis" taucht immer wieder – grün bis golden – in düsteren Laborszenen und dunklen Kapiteln auf. Dennoch löst der Film eine zentrale Aufgabe nicht: Es gibt keinen übergeordneten, erzählerischen Bogen, was das Leben Curies betrifft. Man bräuchte ihn aber, um ein ganzheitliches Verständnis entwickeln zu können.

Auch bleibt Satrapi ihrem Stil treu, sich vor der Vorlage ihres Werks zu verneigen – der Graphic Novel ("Radioactive"). So blicken comichafte, statische Spielszenen in die Zukunft. Man sieht den Abwurf der Atombomben sowie den Erfolg der Strahlentherapie.

Gute und verheerende Folgen purzeln aus dem erzählerischen Rahmen und erzeugen Unruhe. Stärker hätte dieses Allgemeinwissen gewirkt, wenn man es belassen hätte, wo es von sich aus arbeiten könnte – im Kopf.

Marie Curie – Elemente des Lebens: GB, 110 Min.,

OÖN Bewertung:

Der Trailer zum Film:

Marie Curie 

Die Physikerin und Chemikerin Marie Sklodowska Curie (1867–1934) wuchs im polnischen Teil Russlands auf. Ab 1897: Erforschung der Radioaktivität, später Entdeckung von Polonium und Radium.

Ein Film, der Marie Curies Kern nicht ganz erfasst
Marie und Pierre Curie

Mutter zweier Töchter, zwei Nobelpreise (Physik 1903, mit Pierre; 1911 Chemie). 1908: Erste Professorin der Sorbonne. Erster Weltkrieg: Entwicklung eines mobilen Front-Röntgenwagens.

Artikel von

Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

Nora Bruckmüller
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