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Kultur

Der Mann, der die Toten sprechen lässt

Von Lukas Luger  20. Februar 2019 00:04 Uhr

Der Mann, der die Toten sprechen lässt
Mit seinem neuen Roman stieg Simon Beckett direkt auf Platz eins der österreichischen Bestsellerliste ein.

Bestsellerautor Simon Beckett im Interview über seinen neuen Thriller "Die ewigen Toten".

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten britischen Thriller-Autoren. Seine Bücher wie "Die Chemie des Todes" oder "Kalte Asche" um den forensischen Anthropologen Hunter werden weltweit gelesen. Im jetzt erschienenen sechsten Teil, "Die ewigen Toten", ermittelt Hunter in einem verlassenen Spital mit furchtbarer Vergangenheit.

 

OÖN: In wenigen Tagen bekommen Sie den "Ripper Award" für Kriminalliteratur verliehen. Eine Ehrung, die Ihnen viel bedeutet, oder nur eine weitere Trophäe für den Wohnzimmerschrank?

Simon Beckett: Derartige Ehrungen bedeuten mir viel und sind stets ein Motivationsschub. Es ist toll, wenn man gewinnt, aber ich bin auch schon zu alt und zu lange in diesem Geschäft tätig, um noch auf irgendwelche Preise zu spekulieren. Schön, wenn es aber klappt.

Beim Vorgänger "Totenfang" hatten Sie die finale Szene, in der die Serienmörderin Grace Strachan wieder auftaucht, lange im Kopf und konstruierten den Plot rund um diesen Schlussakt. Benutzten Sie für "Die ewigen Toten" eine ähnliche Technik?

Ohne die Spannung zu verderben: Ja, ich wusste seit langem, wie ich "Die ewigen Toten" enden lassen wollte. Was ich hingegen nicht wusste, war, wie ich dahin gelange. Das war eine wilde Reise, das kann ich Ihnen versichern (lacht).

Ohne zu viel zu verraten: Grace Strachan spielt auch in "Die ewigen Toten" eine wichtige Rolle. Zum ersten Mal lief David Hunter ihr bereits in "Kalte Asche" über den Weg. Was fasziniert Sie an dieser Figur so, dass Sie ihr ein Comeback verschafften?

Aus Autorensicht war Grace "unfinished business", ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt. Ich wollte die losen Enden von "Kalte Asche" verknüpfen – und Grace war dafür essenziell. Das Spannende an Grace? Das hübsche Erscheinungsbild und ihr dunkles Innenleben divergieren komplett. Sie ist ein gebrochener Charakter. Aber sie ist nicht zwangsläufig ein bösartiger. Bis zu einem gewissen Grad ist sie sogar selbst ein Opfer. Diese Komplexität fasziniert mich.

"Die ewigen Toten" spielt in dem verlassenen Spital St. Jude in einem Londoner Vorort. Haben Sie so Ihre Angst vor Krankenhäusern literarisch verarbeitet?

Sagen wir so: Ich habe einen gesunden Respekt vor Krankenhäusern (lacht). Mir war klar, dass ein verlassenes Spital Potenzial als Handlungsort besitzt. In Großbritannien gibt es unzählige verwaiste Spitäler aus den 70ern, man sieht sie überall. Diese Orte begeistern mich, weil sie ihren ursprünglichen Zweck – das Heilen – verloren haben und zu seelenlosen Wohnblöcken umgebaut werden. Das empfinde ich als bedauernswert.

Nach sechs Büchern ist Ihr Hauptdarsteller, der forensische Anthropologe David Hunter, eine fixe Größe. Sein Charakter ist ausgeformt, seine Eigenheiten sind Millionen von Lesern bekannt. Schränkt dies Ihre kreative Freiheit als Autor ein?

Einfacher wird es nicht. Mein Zugang zum Schreiben hat sich aber leicht verändert. Ich versuche bewusst, entspannter an die Aufgabe heranzugehen. Das klappt ganz gut, die Bücher sind schneller fertig und gehen mir leichter von der Hand als zu Beginn meiner Karriere. David Hunter kenne ich in der Tat in- und auswendig. Der Trick liegt darin, die Frische nicht zu verlieren und die Leser mit Twists und Wendungen stets neu zu überraschen. Aber ich will auch mich selbst überraschen. Ich folge beim Schreiben keinem Masterplan, nur ein paar grobe Entwicklungslinien skizziere ich vorab. Jedes Buch muss für sich stehen und darf nicht nur als Teil 67 oder so einer Serie funktionieren. Das wäre langweilig. Für mich und die Leser.

Wünschen Sie sich, Sie hätten Hunter extrovertierter angelegt? In "Die ewigen Toten" gerät er mit einem schnöseligen jungen Kollegen aneinander. Als Leser hofft man, Hunter möge dem arroganten Unsympathler eine Ohrfeige verpassen …

(Lacht) Ja, es wäre einfacher, hätte er schlagfertigen Konter parat oder könnte eine Tür eintreten. Aber so ist er nicht. Und darum mögen ihn so viele Leser. Nehmen Sie das angesprochene Beispiel: Jeder kennt solche furchtbaren Kollegen, die man in die Hölle wünscht. Aber wer haut seinem Kollegen denn in der Realität wirklich eine runter? In Wahrheit sitzt man später zu Hause und ärgert sich, dass man sich so viel gefallen lassen hat. So wie es David tut.

Wie steht’s um die geplante TV-Adaption der Hunter-Romane?

Verraten darf ich noch nichts. Aber es wird bald News zu vermelden geben. Nur so viel: Es wird kein Kinofilm, sondern eine TV-Serie.

Buchkritik: Simon Beckett „Die ewigen Toten“

Es war ein schöner Sommer für David Hunter. Seine Beziehung läuft gut, beruflich ist der forensische Anthropologe gefragt. Doch dann taucht in einem stillgelegten Spital eine mumifizierte Leiche auf. Und nicht nur das: In einem fensterlosen Geheimzimmer findet Hunter zwei weitere Leichen …

So gruslig wie in „Die ewigen Toten“ ging es bei Simon Beckett selten zu. Geschickt spielt er im sechsten Hunter-Roman mit Horror-Versatzstücken, ohne aber die Stärken der Serie – exakte Charakterzeichnung und clever konstruierten Spannungsaufbau – zu vernachlässigen. Auch das Comeback der charismatischen Serienkillerin Grace Strachan fügt sich pfiffig und elegant in den komplexen Plot ein.

Simon Beckett: „Die ewigen Toten“, Rowohlt, 480 Seiten, 23,60 Euro

 

 

Artikel von

Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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