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Wir Oberösterreicher

Die Zeit der Erbfolgekriege

Von Von Roman Sandgruber   15. Januar 2011 00:04 Uhr

Geschichte-Serie Die Zeit der Erbfolgekriege

Von den Erbfolgekriegen des 18. Jahrhunderts war immer wieder auch Oberösterreich betroffen. Es ging um die territoriale Zugehörigkeit unseres Landes oder von Landesteilen zu Bayern oder Österreich.

Im Spanischen Erbfolgekrieg war Oberösterreich Kriegsschauplatz, weil sich Bayerns Kurfürst mit Frankreich gegen Österreich, England und die Niederlande gestellt hatte. Anfang 1704 drangen die Bayern über Peuerbach bis Eferding vor. Sie mussten sich nach wenigen Tagen wieder zurückziehen. Erst der Sieg der kaiserlichen Truppen bei Höchstädt (13. August 1704) entlastete Oberösterreich. 1705 starb Kaiser Leopold I. Sein Nachfolger Joseph I. ließ Bayern besetzen und löste dort einen Aufstand aus. „Lieber bayerisch sterben, als in des Kaisers Unfug verderben“, war Bayerns Parole.

Die Bewegung breitete sich vom Rott- und Vilstal in das spätere Innviertel aus, von wo auch die Anführer stammten: Johann Georg Meindl, ein Wirtssohn und Student aus Altheim, und Georg Sebastian Plinsanger, ein Gerichtsschreiber aus Thurnstein. Sie forderten nicht nur Freiheit vom Kaiser, sondern von allen Obrigkeiten und allen Abgaben. Die Bayern eroberten Burghausen, Braunau und Schärding zurück. 1706 unterlagen sie den kaiserlichen Truppen. Joseph I. konnte bereits damals vorübergehend den größten Teil des heutigen Innviertels an Oberösterreich anschließen. 1714, im Frieden von Rastatt, musste alles wieder an Bayern zurückgegeben werden.

Um weibliche Erbfolge

Kaiser Karl VI., der nur zwei Töchter hatte, hatte sich in der Pragmatischen Sanktion vom 19. April 1713 die weibliche Erbfolge zusichern lassen, die staatsrechtlich nicht vorgesehen war. Das Land Oberösterreich stimmte als eines der ersten bereits am 19. April 1720 zu. Als Karl 1740 starb, verweigerten Preußen und Bayern die Anerkennung.

Bayerns Kurfürst Karl Albrecht, der das habsburgische Erbe und die Kaiserkrone für sich reklamierte, hatte schon seit 1732 die Rechtsgrundlagen seiner Ansprüche dokumentieren lassen. Auch Preußens König Friedrich II. stellte Erbansprüche. Die Oberösterreicher waren neutral. Für die Untertanen war es unerheblich, wer sie ausbeutete. Und der Adel orientierte sich am eigenen Vorteil und suchte sich nach allen Seiten abzusichern.

Um Krone und Erbe

Der Österreichische Erbfolgekrieg begann im Dezember 1740 mit Preußens Einmarsch in Schlesien. Von bayerischer Seite wusste man, dass Oberösterreich das wichtigste Zielgebiet war, auch wenn die Begehrlichkeiten nach mehr gingen: nach der Kaiserkrone und dem gesamten habsburgischen Erbe.

Habsburg erkannte die drohende Gefahr aus Bayern, auch wenn Maria Theresia mit dem dortigen Kurfürsten kein Regent vom Format des Preußenkönigs Friedrich II. gegenüberstand. Aber von der Größe und Bevölkerungszahl war Bayern kaum kleiner als das damalige Preußen. Und Bayern hatte die Unterstützung Frankreichs.

Man zählte auf Befehl Maria Theresias, was Oberösterreich militärisch aufbringen konnte. Das ergab nicht allzu viel: 51 Kanonen, 207 Böller und sogenannte Doppelhaken, 1241 gezogene Röhren und 4910 Flinten. Man rechnete mit rund 10.000 Waffenfähigen im Land. Diesem Aufgebot wurde die Sicherung der Grenze übertragen.

Am 10. September 1741 überbrachte ein bayerischer Hoftrompeter in Linz die Forderungen und kündigte den Einmarsch nach Oberösterreich an. Maria Theresia leistete vorerst keinen Widerstand. Man hatte sich auf die Ennsgrenze zurückgezogen. Oberösterreichs Stände schickten den über Peuerbach, Waizenkirchen, Hartheim und am Donauweg anrückenden bayerischen und französischen Truppen Emissäre entgegen.

Am 14. September wurde Linz besetzt. Der bayerische Kurfürst zog am 15. September feierlich in die Stadt ein, wobei „die Menschenmassen freudig zusammenliefen“. Der begleitende französische Gesandte berichtete, der Kurfürst sei in Linz so freundlich empfangen worden, wie es wohl auch in München geschehen wäre.

Karl Albrecht forderte von den Ständen die Erbhuldigung. Er komme „in seine eigenen Lande als Freund, wahrer Erb-Herr und Landes-Fürst“. In seinem Tagebuch vermerkte er stolz: „Die Deputierten der Landstände kamen zu mir, um meine Befehle zu erwarten, und die ganze Bevölkerung schien sehr zufrieden, mich als Herrscher anzuerkennen.“

Der Kurfürst tat alles, um die Landesbewohner nicht zu verärgern. Aber seine französischen Hilfstruppen brandschatzten und requirierten. Sie kritisierten, er tue alles, um beliebt zu sein, wo er doch alles tun müsse, um gefürchtet zu werden.

Am 20. September wurden die Landräte und der Landschreiber auf den neuen Landesherrn aus Bayern vereidigt. Am 2. Oktober huldigten ihm Oberösterreichs Stände, obwohl Maria Theresia dies verboten und für ungültig erklärt hatte. Sie rechtfertigten sich später, dass sie dies auf dem Postweg zu spät erfahren hätten und vom bayerischen Kurfürsten gezwungen worden wären. Dieser rückte nach Böhmen vor, um dort die Krone zu erwerben. Am 24. Jänner 1742 wurde er auch zum deutschen Kaiser gewählt.

Mit einem neuen Heer konnte Feldmarschall Khevenhüller in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 1741 nach Oberösterreich vorstoßen. Am 1. Jänner 1742 wurden die bayerischen und französischen Truppen in Linz eingeschlossen. Theresianische Truppen eroberten ganz Oberösterreich zuzück, stießen nach Bayern vor, besetzten Ried und Schärding und schlugen ein bayerisches Entsatzheer an der Rott vernichtend.

Die in Linz eingeschlossenen rund 10.000 bayerischen und französischen Soldaten ergaben sich am 23. Jänner 1742 nach Artilleriebeschuss und einem Sturm auf die Vorstädte, bei dem 189 Häuser abbrannten.

Gegen die Stände wurde eine Untersuchung eingeleitet. Jene, die dem bayerischen Kurfürsten gehuldigt und mit den Bayern zusammengearbeitet hatten, sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Doch 1745 wurden schließlich auch jene Adeligen, von denen Maria Theresia am meisten enttäuscht war, pardoniert. Schlimmer erging es einfachen Untertanen, die sich auf die Seite der Bayern geschlagen hatten.

Maria Theresia nahm am 25. Juni in Linz die Erbhuldigung der Stände entgegen. Sie erfolgte nach demselben Muster wie die Erbhuldigungen für Karl VI. und Karl Albrecht. Die Vergnügungen waren ähnlich wie bei Karl VI., zwar mit deutlich weniger Jagden, dafür aber mit mehr Komödien, Bällen, Schokoladen- und Kaffeekränzchen sowie feinen Diners.

Innviertel blieb endgültig

Die theresianischen Truppen hatten vorübergehend ganz Bayern besetzt. Auch die dortigen Stände mussten Maria Theresia huldigen. Im Herbst 1744 konnte Karl Albrecht zwar nach Bayern zurückkehren, starb aber bereits am 20. Jänner 1745. Im Frieden von Füssen am 22. April 1745 erhielten die Wittelsbacher zwar Bayern zurück, mussten aber auf alle Ansprüche auf Österreich verzichten und sich verpflichten, Franz Stephan, den Gemahl Maria Theresias, zum Kaiser zu wählen.

Der Krieg mit Preußen ging bis 1748 weiter und flammte im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wieder auf. Es ging um Schlesien, um die Vorherrschaft im Reich, in Europa und der ganzen Welt. Schließlich brachte ein weiterer Bayerischer Erbfolgekrieg 1778/1779 Oberösterreich endgültig das Innviertel ein.

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