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Nachlese

Chat mit Bildungsministerin Claudia Schmied

Von nachrichten.at   06. September 2013 14:00 Uhr

Claudia Schmied
Bildungsministerin Claudia Schmied und nachrichten.at-Redakteur Norbert König-Felleitner

Bildungsministerin Claudia Schmied beantwortete am Freitag im OÖN-Chat die Fragen der Leser. Hier das Chat-Protokoll:

Gast8320: Sehr geehrte Frau Minister: Mal ehrlich, glauben Sie wirklich, dass die ÖVP nach der Wahl ihre Meinung zur Gemeinsamen Schule ändert? Sollte sich die SPÖ nicht nach alternativen Koalitionsvarianten umsehen, um dem Dauerstau bei der Bildungsreform zu entko
ClaudiaSchmied: Entscheidend ist ein deutlicher Wahlsieg der SPÖ. Je größer der Abstand zur ÖVP ist, umso größer ist auch die Durchsetzungsmacht SPÖ-Themen im Regierungsprogramm zu verankern. Ich stimme Ihnen zu, dass nach den vielen Schritten der letzten Jahre jetzt große Entscheidungen folgen müssen.

Gast8891: Warum lassen Sie zu, dass Männer beim Test für das Medizinstudium an der Universität WIEN anderen Bedingungen unterliegen als Frauen, mit anderen Worten, dass diese leichtere Tests haben als Männer?
ClaudiaSchmied: Ich bitte um Verständnis, dieses Thema ressortiert zu Minister Töchterle.

Gast8891: Frau Minister, warum wollen Sie alle Kinder gleich machen: Warum sollen sich Hauptschüler in einer Gesamtschule quälen, damit sie beim Stoff mitkommen, und warum sollen sich die Gymnasiasten fadisieren, weil sie dort nicht gefordert (und gefördert!) werde
ClaudiaSchmied: Das Grundprinzip der gemeinsamen Schule, die in vielen Ländern schon Wirklichkeit ist, ist die Förderung jedes einzelnen Kindes nach seinen Interessen, Begabungen und Talenten. Es ist wichtig, dass die Kinder mehr Zeit zur Entwicklung haben und die Schwerpunktsetzung dann im Alter von 14-15 Jahren erfolgt. Da erfolgt dann die Wahl zwischen Gymnasium, Berufsbildung oder berufspraktischer Tätigkeit.

Gast731: Sie sind doch auch für das Kultusamt zuständig: Haben Sie auch ein Auge darauf, dass die Religionsbücher der Moslems keine indirekten Hasspredigten enthalten?
ClaudiaSchmied: Wir haben in Österreich das Prinzip, Kirche und Staat voneinander getrennt zu betrachten. Religionsinhalte werden von den Religionsgemeinschaften bestimmt. Über die Fachinspektoren erfolgt die Qualitätssicherung.

Gast2603: Beamten Gewerkschafter Fritz Neugebauer bezeichnete den Entwurf für ein neues Lehrerdienstrecht als "Schmarn". Kann mit einer derartigen Einstellung ein Konsens erreicht werden ?
ClaudiaSchmied: Diese Aussage ist weder wertschätzend, noch respektiert sie die rund zwei jährige Arbeit unserer Spitzenbeamten an diesem Thema. Auch die vielen Stunden, die Beamte und in vielen Fällen auch drei Ministerinnen dem Thema intensiv gewidmet haben, werden durch diese Haltung abgewertet. Ich hoffe sehr, dass die künftige Regierung und das Parlament im Herbst das neue Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende LehrerInnen beschließen werden.

anneliese: Sie haben weder ein Lehrerdienstrecht, noch die Gesamtschule durchgebracht. Beides ist Ihnen sehr wichtig, betonen sie stets. Sind Sie damit als Ministerin nicht gescheitert?
ClaudiaSchmied: Nein. Wir haben in dieser Legislaturperiode 62 Projekte durchgesetzt: Verpflichtendes kostenfreies Kindergartenjahr, kleinere Klassen, Bildungsstandards, Lehre und Matura, neue Matura, neue Mittelschule, Schulinvestitionsprogramm, schulische Tagesbetreuung, Nachholen von Bildungsabschlüssen etc. Wir sind in einer Koalitionsregierung und da braucht es immer auch die Zustimmung des Regierungspartners. Ich hoffe, die SPÖ ist in der nächsten Regierung stark genug, die drei Großprojekte Dienst- und Besoldungsrecht, gemeinsame Schule und Ganztagsschule mit echter Wahlfreiheit für die Eltern, durchzusetzen.

Gast8320: Lehrer haben in der Öffentlichkeit nicht gerade gut da, dabei ist ihr Job meiner Meinung nach einer der wichtigsten überhaupt. Wie könnte man das ändern?
ClaudiaSchmied: Aus meiner Sicht, ist es hoch an der Zeit, das Dauerthema Dienstrecht zu einem Abschluss zu bringen. Das verbessert mit Sicherheit auch die öffentliche Meinung zum Lehrberuf. Der nächste wichtige Schritt ist die neue PädagogInnen-Bildung. Auch ist es wichtig, dass die LehrerInnen selbstbewusst auftreten. Die Leadership-Academy in Alpbach, die Vernetzung der jetzt schon rund 1000 Standorte der neuen Mittelschule und das Elternnetzwerk leisten hier wichtige Dienste.

Gast2603: Frank Stronach fordert ,dass sich Direktoren künftig ihr Personal selbst einstellen können. Was halten sie von diesem Vorschlag?
ClaudiaSchmied: Im zuletzt beschlossenen Verwaltungspaket haben wir die Möglichkeit eröffnet, dass die DirektorInnen hier jedenfalls ein Mitspracherecht bekommen können, sofern dies in den Landesgesetzen ermöglicht wird. Das Land OÖ ist hier Vorreiter. Mit der Mitsprache wächst die Mitverantwortung für die Personalentwicklung am Schulstandort, daher wird diese Maßnahme von mir begrüßt.

Gast5113: Wie empfinden Sie die x-ten Verhandlungsrunden zum Lehrerdienstrecht? Verliert man da nicht irgendwann die Motivation?
ClaudiaSchmied: In der Tat verlangt dieser Marathonbewerb Ausdauer und Geduld. Beides haben wir drei Ministerinnen bewiesen. Es ist wichtig, dass der Regierungsentwurf jetzt in Begutachtung ist. Rund 50 Institutionen sind eingeladen, Stellung zu nehmen. Nach einer Phase der Bewertung sollte aus meiner Sicht, die Beschlussfassung durch Ministerrat und Parlament noch in diesem Herbst erfolgen, damit die Lehramtsstudierenden wissen, was sie in Zukunft erwartet. Das Angebot der Regierung als JungakademikerIn monatlich 2400-3100 Euro (je nach Arbeitsintensität des Faches) zu verdienen, ist attraktiv und hält auch einem Wirtschaftsvergleich stand.

Gast5113: Wie gehen Sie mit dem "Konkurrenzkampf" zwischen Schule und Lehre um? Wie wollen Sie Schüler für die Schule motivieren?
ClaudiaSchmied: Das Wichtigste ist, dass junge Menschen ihre Interessen und Neigungen entdecken. Antoine de Saint-Exupery hat das einmal so wunderbar formuliert: "In jedem von uns steckt ein kleiner Mozart." Das heißt, jeder von uns kann etwas besonders gut. Wir müssen es auch in unserer gesellschaftlichen Haltung schaffen, die Lehrausbildung positiver zu bewerten. Gerade in der beruflichen Bildung ist Österreich schon heute Weltspitze. Unsere Jugendlichen schneiden bei Welt- und Europameisterschaften besonders gut ab. Erfolgreiche Unternehmer haben oft als Basis für ihren unternehmerischen Erfolg eine fundierte Berufsausbildung. Mit dem Projekt Lehre und Matura wollen wir weitere Möglichkeiten für die jungen Menschen eröffnen.

Benjamin: Was halten Sie von der Idee, dass Junglehrer ihr erstes Dienstjahr als Zweitlehrer in den Klassen verbringen? Würde den Junglehrern, den Altlehrern und vor allem den Kindern gut tun!
ClaudiaSchmied: Das Arbeiten im Tandem bewährt sich schon jetzt in der Praxis sehr gut. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen vom ZweilehrerInnenprinzip in der neuen Mittelschule. Für die Zukunft haben wir geplant, dass junge LehrerInnen in ihrem ersten "Schuljahr" von MentorInnen begleitet werden. MentorInnen sind für diese Aufgabe speziell ausgebildete LehrerInnen mit Erfahrung. Mitunter werden sie auch zu zweit in der Klasse unterrichten.

Gast3627: "Viele Köche verderben den Brei" warum wird in der Bildungsfrage nicht einfach auf Experten gehört? Wissen die nicht was das Beste ist?
ClaudiaSchmied: Gerade in der Bildungspolitik gibt es ganz besonders viele ExpertInnen. Auch viele selbsternannte. Letztlich trage ich als Ministerin auf Basis der vom Parlament getroffenen Gesetze im Rahmen meiner Kompetenzen auch die Verantwortung. Bei neuen Projekten werden selbstverständlich PraktikerInnen, Schulpartner etc. miteinbezogen.

Gast2232: Es scheint schließlich ein offenes Geheimnis zu sein, dass das Interesse an der Bildungspolitik im Zeichen der Ökonomie steht - was sagen Sie dazu?
ClaudiaSchmied: Wenn ich über Bildungspolitik spreche, dann erwähne ich immer Bildung und Ausbildung, da speziell auch im EU-Kontext meist das Thema Ausbildung betont wird. Wir leben in einer Zeit, die sehr vieles unter ökonomischem Nutzen bewertet. Bildung ist aber viel mehr. Da geht es auch um Werte, Haltungen, Kulturfragen, Wissen etc. In der bildungspolitischen Diskussion bin ich allerdings sehr froh, VertreterInnen der Wirtschaft als Bildungspartner zu gewinnen. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes hat zuletzt auch herausgearbeitet, wie wichtig die Verknüpfung von Allgemeinbildung und berufsspezifischem Wissen in Österreich ist.

 

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