Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Dienstag, 23. April 2019, 18:27 Uhr

Linz: 16°C Ort wählen »
 
Dienstag, 23. April 2019, 18:27 Uhr mehr Wetter »
Sport  > Wintersport  > Ski Alpin

"Ich muss das letzte Hemd riskieren"

WENGEN. Vincent Kriechmayr hat bei der Ski-Wahl hoch gepokert und alles gewonnen. Der 27-jährige Gramastettner kassierte für seinen Abfahrtstriumph in Wengen 40.000 Euro.

"Ich muss das letzte Hemd riskieren"

Applaus für Sieger Vincent Kriechmayr (Mitte): Beat Feuz (links) und Aleksander Aamodt Kilde (re.) landeten hinter dem Oberösterreicher auf Rang zwei und drei. Bild: APA

Wenn ein Österreicher das wichtigste Ski-Rennen in der Schweiz gewinnt, dann herrscht naturgemäß Katzenjammer bei den Eidgenossen. So geschehen am Samstag in Wengen, wo sich Vincent Kriechmayr zum König vom Lauberhorn krönte. "Wegen verflixter 14 Hundertstel – Ösi Kriechmayr vermiest Beat Feuz die Party. Er erwischt das Ziel-S ein Mü besser", schrieb das Schweizer Boulevardblatt "Blick" nach dem Husarenritt des 27-jährigen Gramastettners, der nach seinem vierten Weltcup-Triumph in die Klassiker-Annalen eingeht.

"Er ist der beste Techniker"

2:28,36 Minuten – das war die imposante Bestzeit, die "Vince" auf die mit 4,48 Kilometern längste Abfahrt im Ski-Zirkus knallte.

Der entthronte Titelverteidiger, Weltmeister Feuz, sparte anschließend nicht mit Komplimenten: "Ich hatte Kriechmayr schon die ganze Saison ganz oben auf dem Zettel. Er ist der beste Techniker unter uns Abfahrern." Und ein echtes "Renn-Tier". Ein Kraftpaket. Ein Konditionswunder mit hoher Risikobereitschaft.

Wer geglaubt hatte, dass der Oberösterreicher aus der Energie-AG-Sportfamilie auf seine "Fischer-Rakete" aus der Kombi-Abfahrt am Freitag (Erster) zurückgreifen würde, sah sich getäuscht. Kriechmayr ging "all in" und wurde hochkarätig belohnt. Mit dem Sieg und einem Preisgeld in der Höhe von 40.000 Euro.

Die Leiden des Führenden

"Ich habe ein ganz anderes Skimodell genommen, weil ich wusste, dass der obere Streckenteil entscheidend sein würde. Und wer nicht riskiert, kann nicht gewinnen. Ich freue mich irrsinnig, das ist eine große Genugtuung, weil ich schon viele Rennen ganz unter verloren habe", betonte Kriechmayr, für den das Mitfiebern auf dem Stuhl des Führenden im Ziel noch härter als das Rennen selbst zu sein schien.

Gratulationen nahm er erst an, als alle im Ziel waren. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Zuvor hatte "Vince", der mit der Nummer sieben an den Start gegangen war, richtig leiden müssen. Nicht nur beim Norweger Aleksander Aamodt-Kilde, der mit der "17" auf dem Trikot noch auf Platz drei raste. Sondern auch bei vielen Piloten, zu denen das berüchtigte Lauberhorn nicht so gnädig war.

"Aaaah" und "Sch..." entfuhr es Kriechmayr mehrmals. Fischer-Stallkollege und Freund Max Franz kam ebenso zu Sturz wie der an der Hüfte lädierte Doppel-Olympiasieger Matthias Mayer. Am schlimmsten erwischte es aber Emanuele Buzzi, der nach seinem überraschenden sechsten Rang eigentlich allen Grund zur Freude gehabt hätte, sich aber vor Schmerzen unter einer Plane im Ziel wand. Dorthin war er völlig entkräftet geschlittert. Buzzi zog sich einen Schienbeinkopfbruch zu, die ihm angehängte Infusionsflasche hatte zunächst noch Schlimmeres befürchten lassen.

Unbelohnter Marathonmann

Das Lauberhorn schreibt leider nicht nur erfreuliche Geschichten. Otmar Striedinger ist zwar unverletzt, aber ziemlich frustriert abgereist. Ein mittelmäßiger 21. Platz steht in der Ergebnisliste. Dass er die Marathon-Abfahrt binnen kürzester Zeit zweimal bestritten hat, weil er beim ersten Mal nach Buzzis Unfall kurz vor dem Finish abgewunken worden war, ist nicht vermerkt.

"Danke an meinen Konditionstrainer – aber zweimal Wengen ist einmal zu viel", gestand der 27-jährige Villacher – nach Luft schnappend. Kriechmayrs Mitgefühl haben die Gescheiterten, "Vince" weiß aber auch, dass nur die Mutigsten ganz oben stehen. "Mir ist klar geworden, runterfahren alleine funktioniert bei mir nicht. Ich muss das letzte Hemd riskieren." Am kommenden Samstag wird Kriechmayr das wieder tun. In Kitzbühel. (alex)

Mehr über Wengen-Champion Vincent Kriechmayr lesen Sie hier.

 

Vincent Kriechmayr (27)

 

Geboren: 1. Oktober 1991 in Linz
Wohnort: Gramastetten
Größe/Gewicht: 1,86 m/93 kg Familienstand: ledig
Verein: TVN Sparkasse Wels
Ski: Fischer
Schuhe: Fischer
Hobbys: Fußball, Eishockey, Tennis, Touren gehen, Freunde treffen
Homepage: www.vincentkriechmayr.eu
Größte Erfolge:
Weltcup: Neun Stockerlplätze, darunter vier Siege (1. 12. 2017: Super-G Beaver Creek;
14. 3. 2018: Abfahrt Åre;
15. 3. 2018: Super-G Åre;
19. 1. 2019: Abfahrt Wengen)
Weltmeisterschaften: St. Moritz 2017: 5. Super-G; 8. Kombination; 19. Abfahrt
Olympische Winterspiele: Pyeongchang 2018: Kombination ausgeschieden; 7. Abfahrt; 6. Super-G
Junioren-Weltmeisterschaften: Crans Montana 2016: Riesentorlauf-Silber
Weltcup-Debüt: 19. 12. 2010: RTL Alta Badia

 

Kommentare anzeigen »
Artikel 21. Januar 2019 - 00:04 Uhr
Mehr Ski Alpin

Ein 14-jähriges Ausnahmetalent und ein Routinier als Almtalcup-Gesamtsieger

GRÜNAU IM ALMTAL. Die Rennsaison ist vorüber – zum Abschluss gab es noch eine große Siegerehrung

Hirscher deutete bei "Romy-Gala" Karriere-Fortsetzung an

WIEN. Österreichs Ski-Star Marcel Hirscher hat am Samstag im Rahmen der "Romy-Gala" die Fortsetzung seiner ...

"Es war keine leichte Entscheidung": Das sagt Pum zu seinem Rücktritt

WIEN/FREISTADT. Noch-ÖSV-Sportdirektor Hans Pum spricht im Interview über die Hintergründe seines ...

Nach 42 Jahren ist Schluss: Hans Pum hört beim ÖSV auf

Der Mühlviertler Hans Pum wird Ende Juli als ÖSV-Sportdirektor aufhören.

Hannes Reichelt ist erstmals Vater

Ski-Star Hannes Reichelt und seine Frau Larissa wurden am Montag erstmals Eltern.
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS