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Pornografisches Material von ÖSV-Läuferinnen? Werdenigg sagte im Kahr-Prozess aus

Von OÖN-Sport/APA   10. Januar 2019 16:35 Uhr

Nicola Spiess
Nicola Werdenigg

BLUDENZ/WIEN. Die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg, Olympia-Abfahrtsvierte von 1976, berichtete in ihrer Zeugen-Einvernahme von einer "exzessiven sexuellen Stimmung" im Skiteam der 1970er-Jahre.

Karl Kahr habe nicht die Eignung besessen, Trainer eines Damen-Skiteams zu sein und sei deshalb abgelöst worden. "Er hat seine Macht eingesetzt und missbraucht", sagte Werdenigg. 

(Update: Kahr verlor den Prozess in erster Distanz)

Der Missbrauch habe nicht nur, aber auch sexuell stattgefunden. Auch bei den Männern sei ein System erzeugt worden, das 1977 sogar einen Athleten in den Suizid getrieben habe, sagte Werdenigg. Manche Skiläuferinnen hätten ihre Karrieren beendet, als Kahr ein Naheverhältnis zu Annemarie Moser-Pröll aufgebaut und sie bevorzugt habe. Dass zwischen den beiden ein sexuelles Verhältnis bestanden habe, stand für Werdenigg aufgrund ihrer eigenen Wahrnehmung fest, die sich im Wesentlichen auf Erzählungen stützte. Moser-Pröll hatte das im April bereits energisch zurückgewiesen.

Im Männer-Skiteam ist es laut Werdenigg so weit gegangen, dass ein Masseur junge Frauen unter Vorwänden in Hotels gelockt habe, wo pornografische Fotos und Filme produziert worden seien. Das entstandene Material sei dann im Skiteam verteilt worden. Ein Mal hätten Aufnahmen auch in Kahrs Haus stattgefunden. In Sachen sexuellem Missbrauch durch Kahr wusste sie nach eigenen Angaben "aus direkter Quelle von drei Fällen, gerüchteweise von mehr". Sie unterstrich die Aussage des Ex-Journalisten, wonach Kahr die Entjungferung junger Rennläuferinnen "als sein Recht" betrachtet habe.

Zudem hätten Kahr und Sailer immer wieder für Alkohol-Exzesse gesorgt, Kahr sei "ein bis zwei Mal pro Woche" verkatert zum Training erschienen, so die Ex-Rennläuferin. Auch Moser-Pröll sei zuweilen betrunken gewesen. "Alkohol lag in der Luft", beschrieb Werdenigg die damalige Szenerie. Aufgrund des Gesprächs in ihrer Wohnung im Dezember 2017 sei die WhatsApp-Nachricht des Angeklagten an Moser-Pröll "nachvollziehbar". Er habe die gemachten Erzählungen wohl in diesem Sinne - dass Kahr und Sailer junge Frauen missbraucht hätten - verstanden.

 

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