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Im Rudersport gehen die Wogen hoch

OÖ-Präsident sieht Österreich neun Monate vor der Heim-WM auf dem falschen Kurs.

Im Rudersport gehen die Wogen hoch

Bekommt Julian Schöberl (rechts/hier mit Bernhard Sieber) schon bald einen neuen Partner im Boot? Bild: APA

Drei Boote zu den Olympischen Spielen 2020 nach Tokio bringen, so lautet die erklärte Zielsetzung von Österreichs Ruder-Verband (ÖRV). Eine Zielsetzung, die aber seit der WM entrückt scheint. Im bulgarischen Plowdiw holte Magdalena Lobnig im September zwar Bronze, ansonsten schaffte aber kein weiteres Boot einen Platz unter den besten zehn. Zu wenig, findet Horst Anselm. Oberösterreichs Ruder-Präsident sieht das Nationalteam vom anvisierten Kurs abgekommen, weshalb er auch eine sportliche Evaluierung in die Tagesordnung der am Freitag stattfindenden ÖRV-Sitzung hineinreklamierte. "Es reicht mir! Es muss eine Änderung her", denkt Anselm sogar über eine mögliche Ablöse von Nationaltrainer Carsten Hassing nach.

Klare Forderung Anselms

Ein Hauptanliegen Anselms ist der leichte Doppelzweier, welcher neben Lobnig und dem schweren Herren-Vierer als heißester Anwärter für ein Tokio-Ticket gilt. Dieser wurde heuer mit dem Urfahraner Julian Schöberl besetzt. An seiner Seite startete der Wiener Bernhard Sieber in die Saison, ehe er von dessen Bruder Paul abgelöst wurde. Mit Letzterem schaute für Schöberl WM-Rang elf heraus, was zu wenig wäre, um bei der Heim-WM 2019 in Ottensheim einen Olympia-Quotenplatz zu holen. Laut Anselm sind dies aber nicht die schnellstmöglichen Besetzungen des Doppelzweiers gewesen. Gerade erst die am Wochenende in Wien abgehaltenen Sichtungsrennen hätten untermauert, dass nach Schöberl der Ottensheimer Rainer Kepplinger der Schnellste ist. Anselm fordert deshalb, dass diese rein oberösterreichische Paarung endlich ihre Chance bekommt. "Wenn der ÖRV dem nicht nachkommt, werde ich in Absprache mit Landessportdirektor Gerhard Rumetshofer entsprechende Entscheidungen herbeiführen", will Anselm die OÖ-Besatzung notfalls mithilfe der oberösterreichischen Sportpolitik durchsetzen. Schöberl/Kepplinger sollen dann im Weltcup gegen ein vom ÖRV besetztes Boot antreten. "Das System des ÖRV hat offenbar nicht gefruchtet, darum bin ich dafür, dass wir jetzt einmal unseres probieren."

Wenig anfangen kann Horst Nussbaumer mit der Kritik. "Im Herbst 2016 haben wir eine Strategie beschlossen, und damals hat es nicht geheißen, dass die WM 2018 ein besonderer Meilenstein für unsere Zielvorgabe wäre", sagt der ÖRV-Präsident. Teil jener Strategie ist es auch, die Plätze im Zweier bis etwa zum Frühjahr 2020 offenzuhalten. "Da haben wir aus der letzten Olympiade gelernt, als wir uns zu früh festgelegt haben, was damals auch Anselm nicht gepasst hatte", sagt der gebürtige Gmundner. Den bereits in der Vergangenheit mitschwingenden Vorwurf, dass die Siebers von ÖRV-Seite bevorzugt würden, bezeichnet Nussbaumer als "völlig haltlos". Dass Anselm ein reines OÖ-Boot bei der Heim-WM haben will, verstehe er zwar, "aber im ÖRV sind wir am Herausfiltern der schnellsten Kombination interessiert." Womit zumindest eines feststehen dürfte: hitzige Debatten bei der Vorstandssitzung.

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Artikel Reinhold Pühringer 07. November 2018 - 00:04 Uhr
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