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Linz

Haus der Menschenrechte: "Wir haben Platz für Menschen aus Moria"

Von René Laglstorfer  25. September 2020 00:04 Uhr

Haus der Menschenrechte: "Wir haben Platz für Menschen aus Moria"
Die Geflüchtete Nouchka Madimba (l., heute Altenfachbetreuerin) mit Sarah Kotopulos

LINZ. 700 Plätze für Geflüchtete stehen in ganz Oberösterreich leer, sagt die Linzerin Sarah Kotopulos von SOS-Menschenrechte.

"Ich wurde schon als kleines Kind von meinen Eltern getrennt und später mit 13 Jahren auf die Straße gesetzt", erzählt Aisha S.* Die junge Frau aus Nigeria ist eine von 19 Kindern und Jugendlichen, die unbegleitet nach Europa geflohen sind und im Linzer Haus der Menschenrechte ein neues Zuhause in Sicherheit und Geborgenheit gefunden haben.

"Viele Kinder bei uns haben Unglaubliches auf ihrer Flucht erlebt", sagt die Linzer Sozialarbeiterin Brigitte Stummer, die eine Wohngemeinschaft für unbegleitet geflüchtete Minderjährige im Haus der Menschenrechte leitet.

Ein fremder Mann hatte die damals obdachlose Aisha von Nigeria nach Libyen gebracht, wo sie in einem völlig überfüllten Flüchtlingslager als Sexsklavin zur Prostitution gezwungen wurde. "Als Gegenleistung für Sex bieten Schlepper geflüchteten Frauen ermäßigte Preise oder kürzere Wartezeiten für Fahrten über das Mittelmeer an", sagt Sarah Kotopulos, Geschäftsführerin von SOS-Menschenrechte. Aisha gelang in einem überfüllten Schlauchboot die Überfahrt nach Italien. "Ich hatte die ganze Zeit Angst um mein Leben."

"Er drohte, mich zu töten"

Angekommen in einem Lager in Italien, dachte sie, dass sie in der Europäischen Union nun endlich in Sicherheit sei. "Doch auch dort wurde ich immer wieder vergewaltigt und von einem Mann zur Prostitution gezwungen. Er drohte, mich zu töten, sollte ich zur Polizei gehen", sagt Aisha. Mit letzter Kraft gelang es der damals 16-Jährigen, ihrem Peiniger zu entkommen und weiter nach Österreich zu flüchten.

Im Linzer Haus der Menschrechte hat Aisha gelernt, mit ihrem Trauma umzugehen und wieder Lebensmut aufzubringen. Derzeit absolviert die 18-Jährige, die rasch Deutsch gelernt hat, einen Vorbereitungskurs zur Altenbetreuerin, weil sie der Gesellschaft wieder etwas zurückgeben will. "Je länger diese Kinder und Jugendlichen keine Hilfe bekommen, desto schwieriger wird es, ihr chronisches Trauma zu verarbeiten", sagt Kotopulos.

Zwölf freie Plätze in Linz

Aktuell hat das Haus der Menschenrechte freie Wohnplätze für zwei unbegleitete Mädchen sowie für zehn Erwachsene mit oder ohne Kinder, in ganz Oberösterreich seien es rund 700 freie Plätze. "Wenn mein Nachbarhaus brennt, dann schaue ich nicht zu. Wir haben Platz für Menschen aus Moria", sagen Stummer und Kotopulos.

*Name von der Redaktion geändert

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René Laglstorfer

Redakteur Land und Leute

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