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Oberösterreich

"Ich bin kein wütender Mensch, aber jetzt hat es mir gereicht"

Von Gerhild Niedoba  01. Juli 2020 00:04 Uhr

Georg Doppler
Georg Doppler mit einer seiner 40 Kühe

Mit seinem "Wut-Video" macht der Waizenkirchner Landwirt Georg Doppler seinem Ärger über "Kuh-Videos" Luft.

WAIZENKIRCHEN. Wie ein Lauffeuer verbreiten sich derzeit in sozialen Medien Videos von Menschen, die Kühe mutwillig erschrecken. In einem "Wut-Video" hat Georg Doppler, Landwirt aus Waizenkirchen, nun seinem Ärger darüber Luft gemacht. Als "Wut-Bauer" sieht sich der 47-Jährige aber nicht, wie er im OÖN-Interview sagt.

OÖN: Herr Doppler, sind Sie ein "Wut-Bauer"?

Georg Doppler: Nein, ich bin von Haus aus kein wütender Mensch. Aber jetzt hat es mir gereicht. In diesem Fall ist es wichtig, genauso schnell und kurz wie in diesen TikTok-Videos (Anm. TikTok ist ein Portal für sehr kurze Videoclips; Anm.) pointiert zu reagieren. Sonst klicken es die User sofort weg, und die Nachricht kommt nicht an. Und da hab ich meiner Wut eben freien Lauf gelassen.

Ihr Video richtet sich an alle "gehirnamputierten Vollpfosten", wie Sie sagen. Was wollen Sie ihnen mit Ihrer Nachricht sagen?

Dass wir es in unserer Gesellschaft schaffen müssen, wieder Eigenverantwortung zu übernehmen. Alles ist mittlerweile reglementiert. Die Jungen dürfen nichts mehr und können sich nicht mehr beweisen. Aber im Internet, da kriegen sie Zustimmung, wer es am meisten übertreibt, kriegt die meisten Klicks. In diesem Fall geht das auf Kosten von Mensch und Tier. Doch anstatt von Klicks und Likes brauchen wir wieder mehr Gefühl und Wertschätzung.

Fühlen Sie sich als Landwirt ausreichend wertgeschätzt?

Nein. Unser Hof steht seit mehr als 700 Jahren auf demselben Fleckerl. So geht es vielen Bauern: Die Landwirtschaft an sich war jahrzehntelang gut, jetzt wird vieles plötzlich hinterfragt und uns angekreidet. Egal ob Klimaproblematik oder Wolfrisse: An allem haben wir schuld und sollen – bei stark sinkenden Einkommen – dafür Verantwortung tragen.

Das heißt, das Video ist eigentlich für die breite Masse gedacht?

Mit dem Video ist es mir gut gelungen, auch die Leute zu erreichen, die überhaupt nichts mit Landwirtschaft zu tun haben. Wir leben im Überfluss. Wer weiß denn noch, wo die Lebensmittel herkommen und wie viel Mühe das ist, so etwas herzustellen? Mein Ziel der Botschaft war es, zu verbinden. Und auch, dass die Leute wieder mehr Gespür für unsere Lebensmittel bekommen, anstatt immer gleich zum Billigsten zu greifen. Denn eines ist klar: Ich will trotz allem lösungsorientiert sein.

 

Artikel von

Gerhild Niedoba

Redakteurin Land und Leute

Gerhild Niedoba
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