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Reisen

Vom Spießer zum Abenteurer

Von Bernhard Lichtenberger 15. September 2019 16:00 Uhr

Vom Spießer zum Abenteurer
Selfie-Pause in Mosambik

Rolf Lange ist auf seiner BMW dem alten Leben davongefahren – 65.266 Kilometer weit, in 505 Tagen durch 42 Länder auf fünf Kontinenten. In Ohlsdorf erzählt er am 19. 9. davon.

Er war gut im Geschäft, werkte erfolgreich in der Kommunikationsbranche, zuletzt als Geschäftsführer einer großen Werbeagentur. Bis der Münchener mit einem Mal seinen Alltag abschüttelte, den Beruf an den Nagel hängte, die Wohnung aufgab und sein Hab und Gut verkaufte oder verschenkte.

Ein Spießer sei er bis dahin gewesen, der es sich in seiner Komfortzone gemütlich eingerichtet und nicht allzu sehr aus seiner Heimat hinausgetraut hatte. Bis sich ein Gedanke einnistete: "Mensch, da muss doch mehr sein im Leben." Erst mit 33 Jahren machte der Münchener 2010 den Motorrad-Führerschein und cruiste mit seinem in San Francisco lebenden Freund Joe, dem er seit Kindheitstagen verbunden ist, zwei Wochen lang durch den Westen der USA.

Vom Spießer zum Abenteurer
Sechs Monate waren Rolf Lange und sein Kindheitsfreund Joe von München bis nach Malaysia unterwegs.

Diesem zeitlich begrenzten Trip, der die Lust auf mehr weckte, folgte eine Erkenntnis: Die beste Reise ist die, von der man nicht weiß, wann sie endet. "Reichlich naiv" schwangen sich Rolf und Joe am 19. Juli 2015 auf die Sättel ihrer Maschinen und rollten gen Osten, durch den Iran, Kirgistan, Tibet, Myanmar, bis hinunter nach Malaysia. Für drei Wochen wurde Neuseeland unter die Räder genommen, dann für drei Monate Südamerika, wo sich die Freunde trennten, weil Joe aus persönlichen Gründen abbrechen musste. Allein erkundete der Münchener Afrika zwischen Kapstadt und Nairobi.

Zu den innigsten Erlebnissen seiner Tour zählt Lange die Begegnungen mit Menschen. In der Steppe Tansanias kreuzte sich sein Weg mit dem von Godfrey. Der Massai lud ihn für eine Woche in sein dachloses, nur mit Wellblech notdürftig gedecktes Haus ein. "Ich durfte das Leben einer afrikanischen Familie kennenlernen, und er hat mir die Minen gezeigt, wo unter katastrophalen Bedingungen der Edelstein Tansanit abgebaut wird. Am letzten Tag hat er für mich groß aufgetischt und gesagt: ,Wenn du mit einem Massai unter seinem Dach gegessen hast, gehörst du zu seiner Familie’. Über WhatsApp habe ich heute noch regelmäßig Kontakt zu ihm."

Vom Spießer zum Abenteurer
Camping in Kirgistan

Unterwegs vermisste er kaum etwas, "weil man sich schnell daran gewöhnt, nichts zu haben" – am ehesten gehen profane Dinge ab, die mit Heimat verbunden werden, "wie eine Brezn oder ein Leberkas". Heute, wieder zurück im Berufsleben, fehlt ihm die Stille, die er etwa beim Zelten auf einem abgeschiedenen Fleck irgendwo in Afrika erlebt hat, "wo eine innere Ruhe einkehrt". Mitgenommen hat er Eigenschaften, die es braucht, um sich auf so ein Abenteuer einzulassen: Mut, Neugier, Zuversicht, Gelassenheit, Vertrauen, Offenheit. Dazu gehört auch die Zeit, die es braucht, um Unerwartetes zuzulassen.

Buchtipp: Rolf Lange "Weltenreise. Mit dem Motorrad ins Abenteuer und zurück", National Geographic, 192 Seiten, 25,70 Euro

Rolf Lange

Person: Der 1977 geborene Münchener ist Abenteurer, Reiseblogger, Fotograf und Vortragsredner, Geschäftsführer einer Digitalagentur, seit 2010 passionierter Motorradfahrer.

Termin: Mit dem Multivisions-vortrag „Die große Ausfahrt“ gastiert Lange am 19. September, 19.30 Uhr, im MEZZO Ohlsdorf. Kartenreservierung zum Vorverkaufspreis (15 Euro) unter musik-hillinger.com

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