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Reisen

„Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand“

Von Von Rüdiger Ratzenböck   22. Januar 2011 00:04 Uhr

„Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand“
Spektakulär versinkt die Sonne am Horizont, während sich das Wattenmeer bereits weit zurückgezogen hat.

DEUTSCHLAND. Wer Ruhe und Erholung sucht, der sollte sich auf Helgoland umschauen. Wenn dort die lärmenden Tagesgäste weg sind, macht sich beinahe unerträgliche Stille breit.

Wenn man vom Oberland aus das Treiben beobachtet, wie die Schiffspassagiere in sogenannte Börteboote umgeladen werden, war es im Nachhinein gesehen eine weise Entscheidung, den „Halunderjet“, das Katamaran-Schnellboot, von Hamburg über Cuxhaven nach Helgoland genommen zu haben. Im Gegensatz zur regulären Fähre kann das Schnellboot nämlich direkt an den Landungsbrücken festmachen. Alle anderen Verkehrsmittel zu Wasser müssen aufgrund der unzureichenden Wassertiefe im Hafenbecken weiter draußen ankern.

Die kleinen Nussschalen schaukeln bedenklich, und die „Ahs“ und „Ohs“ der Ausgebooteten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, ob es sich dabei um Angst- oder Freudenschreie handelt. Eher tendiert man zu Ersterem, wenn man die Instabilität der Börteboote in Betracht zieht. Die kreidebleichen Gesichter der Ankömmlinge, wenn sie wieder festen Boden unter den Füßen haben, bestätigen diese Annahme.

„Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand. Dat sünd die Farven vun’t hillige Land“, (Grün ist das Land, rot ist die Kante, weiß ist der Sand. Das sind die Farben von Helgoland.)

Lieblich und unzugänglich

Treffender kann die Beschreibung dieser Hochseeinsel nicht ausfallen. Es sind in der Tat diese Kontraste, die ins Auge stechen: liebliche, saftig grüne Wiesen, auf denen Schafherden weiden, eine steil abfallende, unzugängliche Felsküste im Norden aus leuchtend rotem Buntsandstein sowie blendend weiße Sandstrände. Grün-weiß-rot sind also nicht nur die Nationalfarben Italiens, sondern nicht zuletzt auch die Farben der Helgoländer Flagge.

Helgoland, Deutschlands am weitesten, nämlich rund 40 Kilometer vom Festland entfernte Insel, in der Nordsee auf offener See gelegen, besteht aus einer rund einem Quadratkilometer großen Hauptinsel und einer „Düne“ genannten Nebeninsel. Auf der Hauptinsel verlieren sich rund 1150 Einwohner. Die Düne ist unbewohnt, dafür gibt es dort einen kleinen Flugplatz, Strände mit dazugehörigen bunten Strandkörben, Ferien-Bungalows und ein Dünen-Restaurant.

Spaziergang mit Robben

Wer in der Nebensaison unterwegs ist, muss sich den traumhaften Sandstrand also lediglich mit den dort faul in der Sonne liegenden, dafür überhaupt nicht schüchternen Seehunden und Robben teilen, die jederzeit gerne für ein Foto posieren, ferner mit jeder Menge Möwen und fürchterlich lästigen Austernfischern, die es in jeder Sekunde auf die mitgebrachte Jause abgesehen haben.

Die Hauptinsel gliedert sich in Ober-, Unter- und Mittelland. Das Erste, was ins Auge sticht, wenn man im Unterland helgoländischen Boden betritt, sind die bunten Hummerbuden, die sofort und unweigerlich an Bienenstöcke erinnern.

Es sind dies die ehemaligen Wohn- und Werkstätten der Helgoländer Fischer, die heutzutage meist zu touristischen Zwecken benutzt werden und nun Museen oder Restaurants beherbergen. Weiters nicht zu übersehen ist im Oberland der mächtige Leuchtturm, der die ganze Insel überragt und außerdem das gleißendste Licht von ganz Deutschland besitzt: Noch 42 Seemeilen weiter, bei den Ostfriesischen Inseln, ist sein Lichtstrahl auszumachen.

Per Fahrstuhl zum Gipfel

Helgoland nennt nicht nur ein Ober- und Unterland, sondern auch die höchste Erhebung des Landkreises Pinneberg sein Eigen. Wem das Erklimmen derselben zu mühsam ist, für den gibt es allen Ernstes einen Fahrstuhl, der Ober- und Unterland verbindet. „Sportliche“ besteigen den gleichnamigen „Berg“ zu Fuß, befinden sich dann auf 61,3 Metern über dem Meer (das dafür aber genau) und dürfen auch ein Gipfelkreuzerlebnis mit nach Hause nehmen.

Wer eine Auszeit braucht und Ruhe und Muße vom hektischen Alltag sucht, der ist in Helgoland bestens aufgehoben. Wenn die Tagesausflügler ihre Duty-free-Einkäufe erledigt und mit dem letzten Boot des Tages das Weite gesucht haben, legt sich gnadenlose Stille über die Insel auf offener See. Helgoland ist autofrei, von den lautlosen Elektromobilen abgesehen, die die Transportaufgaben erledigen. Selbst die Helgoländer Polizei bekam erst im Jahr 2007 ein eigenes Fahrzeug.

„Gesprengtes“ Land

Kurios ist die Entstehungsgeschichte von Mittelland. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg von den Briten als Bombenabwurf-Übungsziel missbraucht, versuchten selbige im Jahr 1947 mit der bis heute größten nicht-nuklearen Sprengung der Geschichte, das weitläufige Bunkersystem auf der Insel auszuschalten, und nahmen dabei in Kauf, die komplette Insel im Meer zu versenken.

Helgoland gibt es immer noch, doch zeugen etliche Bombenkrater im Oberland und das weggesprengte Scherzerl der Südspitze, heute Mittelland genannt, von den vergeblichen Anstrengungen, die seinerzeit getätigt wurden. Erst im Jahre 1952 wurde Helgoland an Deutschland zurückgegeben, und die auf Sylt asylierte Bevölkerung durfte zurückkehren. Ironie der Geschichte: Das einzige Gebäude auf Mittelland ist nun die Krankenstation, die aus der Ferne eher wie ein Feldlazarett aussieht.

Es lohnt sich, auf einem Rundweg die Insel zu erkunden (Verirren ausgeschlossen!). Der Lummenfelsen an der imposanten Steilküste im Norden wird von Abertausenden Seevögeln, darunter Trottellummen (ja, die heißen wirklich so!), Dreizehenmöwen, Basstölpel und Eissturmvögel, bevölkert und ist ein Paradies für Ornithologen.

Im Juni, wenn die Jungen flügge werden, bietet sich dem Beobachter ein faszinierendes Schauspiel: Der noch flugunfähige Vogel-Nachwuchs hechtet sich waghalsig vom Felsen senkrecht ins Meer – also eine Art Initiationsritus, der meistens gut ausgeht.

Weiter geht’s zum Wahrzeichen von Helgoland, der Langen Anna – eine imposante freistehende Felsnadel, die senkrecht in den Himmel ragt und durch ihre eindeutige Form wohl bei Vertretern beider Geschlechter dieselbe Assoziation hervorrufen dürfte. Eigentlich völlig unverständlich, warum der Felsen einen weiblichen Vornamen trägt …

Wenn dann die Sonne spektakulär untergegangen ist und die Wellen des Meeres an die Küste klatschen … Moment, wo ist eigentlich das Meer hin? Nicht mehr da … zu sehen nur mehr der feuchte, schlammige Meeresboden des Wattenmeeres! Egal, denn ist es Zeit, Knieper essen zu gehen. Für alle Nichteingeweihten: Das sind die Scheren des Taschenkrebses, die jedem Helgoland-Reisenden mit einem Glas Eiergrog wärmstens zu empfehlen sind. Wer sich nicht blamieren möchte, lasse sich die Technik des Knieper-Essens vorher erklären, die Helgoländer helfen einem dabei gerne weiter!

Informationen:

Anreise per Schiff: Im Sommer (April – Oktober) täglich von Hamburg oder Cuxhaven aus per Katamaran (Ausbooten entfällt), www.frs.de , www.helgoline.de  In den Wintermonaten bietet die Reederei Cassen Eils Überfuhren von Cuxhaven aus an. www.helgolandreisen.de

Per Flugzeug: Mehrmals wöchentlich von Hamburg mit Air Hamburg (www.air-hamburg.de ) und täglich von Bremerhaven mit der Ostfriesischen Lufttransport GmbH (www.olt.de )

Übernachtung: Alle Arten von Unterkünften, vom Wellness-Hotel bis zu B&B-Pensionen, sind auf www.helgoland.de/uebernachten/gastgeberverzeichnis.html  zu finden. Besondere Empfehlung: B&B Haus „Stadt Dresden“, Frau Martens, Ü/F ab 18.- p.P., Tel. +49/(0)4725/490, www.helgolandpension.de

Interessant ist auch das Kurmittelhaus (www.kurmittelhaus-helgoland.de ), das in der emissions- und abgasfreien Helgoländer Luft Kuren gegen Atemwegserkrankungen anbietet.

 

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