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Wirtschaft

Digitalos: Dieser Preis vernetzt Oberösterreichs Wirtschaft

Von Martin Roithner  und  Ulrike Rubasch 10. August 2019 00:04 Uhr

LINZ. Am 22. Oktober vergeben die OÖN und ihre Partner erstmals den Digitalos. Jury-Vorsitzender Florian Gschwandtner über die Chancen der Digitalisierung.

Intelligente Roboter, fliegende Taxis und Patienten, die mithilfe virtueller Realität gesund werden: Oberösterreichs Wirtschaft ist reich an Unternehmen, die sich in der digitalen Welt auszeichnen. Die OÖN berichten regelmäßig über diese Erfolgsgeschichten.

Nun wollen wir auch die Menschen dahinter vor den Vorhang holen. Deshalb veranstalten die OÖNachrichten gemeinsam mit der Tabakfabrik und der Sparkasse Oberösterreich am Dienstag, 22. Oktober, die Premiere des Digitalos – ein Preis, der Oberösterreichs Wirtschaft vernetzt.

Vorsitzender der Jury beim Digitalos ist Florian Gschwandtner. Im Interview spricht der Runtastic-Gründer über Chancen und Stolpersteine der Digitalisierung, Europas Aufholbedarf gegenüber den USA und China sowie Oberösterreichs Rolle in der digitalen Welt.

OÖN: Warum braucht es einen Preis wie den Digitalos?

Es ist gut, auf die Digitalisierung aufmerksam zu machen und auch jene Personen oder Unternehmen, die damit besonders gut umgehen, in den Vordergrund zu stellen. Es geht darum, Bewusstsein zu schaffen und den Mut und die Kreativität dieser Menschen zu fördern. Es ist cool, dass es so einen Preis gibt, um zu zeigen, was hier möglich ist.

Warum sollten sich Unternehmen beim Digitalos bewerben?

Sie sollten sich bewerben, weil sie überzeugt sind, digital einen guten Job zu machen. Die Firmen sollten stolz auf sich sein.

Wie haben Sie bisher persönlich die Digitalisierung erlebt? Und wie wird sie weitergehen?

Ich habe sie von den Anfängen an miterlebt, weil ich in diesem Bereich studiert habe. Damals gab es in Hagenberg das europaweit erste Studium zum Thema Mobile Computing. Das war einer der großen Startpunkte der Digitalisierung. Das mobile Endgerät und die Verfügbarkeit von Daten haben das Leben der Menschen verändert. Trotzdem ist es erst der Start. Mit 5G und der Möglichkeit, immer mehr Geräte miteinander zu vernetzen, werden neue Anwendungen entstehen. Eines ist nahezu fix: Die Digitalisierung wird jede Branche massiv beeinflussen. Jeder, der das ignoriert, bekommt Probleme.

Trotzdem gibt es noch immer viele, die der Digitalisierung skeptisch gegenüberstehen. Warum?

Das digitale Denken ist kein Muss. Und alles, was Menschen nicht machen müssen, hindert sie daran, Neues zu erkunden. Veränderung ist oft mit Schmerz und mehr Energie verbunden. Das tun nicht alle gern. Es gibt eine Good-Enough-Line: Wenn es auch ohne Digitales gut genug ist, dann ändert man nichts. Das Problem: Wenn man dann einmal etwas ändern möchte, ist es zu spät.

Hat Europa nicht schön langsam den Status eines „Museums der Welt“ statt einer Boom-Region? Haben uns USA und Asien punkto Digitalisierung nicht längst abgehängt?

Ja. Aber nur weil man abgehängt ist, heißt das nicht, dass man aufgibt. Und es ist nicht ganz so, dass wir so weit hintennach sind. Wir dürfen nie unsere Grundwerte in Europa vergessen: Wir sind fleißige Menschen, die auf Werte achtgeben. Somit haben wir gute Chancen, da und dort etwas nachzuholen und uns neu zu erfinden. Natürlich haben wir in Europa den Nachteil vieler Sprachen und Kulturen und nicht einen Markt mit mehreren Hundert Millionen oder mehr als einer Milliarde Menschen. Aber wir haben auch Chancen.

Wo hat Europa Aufholbedarf?

Bei der künstlichen Intelligenz wird sich in den nächsten Jahren erst zeigen, in welche Richtung es gehen wird. Aber die Summen, die in den USA und in China investiert werden, werden in Europa bei Weitem nicht erreicht. Da haben wir einen Nachteil. Bei der Digitalisierung liegen wir im guten Mittelfeld.

In welchen Branchen wird uns die Digitalisierung noch gehörig überraschen?

In sehr vielen, vor allem in jenen, in denen wir jetzt noch kaum damit rechnen. Dazu gehören die Landwirtschaft, aber auch der Transport mit Flugtaxis oder autonomes Fahren. Smartes Zuhause, intelligent vernetzte Produkte – da wird noch ganz viel passieren.

Sie investieren selbst in Start-ups. Wie steht Oberösterreich da?

Oberösterreich steht sehr gut da. Wir haben eine tolle Ausbildung mit den Fachhochschulen, auch die Linzer Kepler-Universität macht einen guten Job. Und wir haben tolle Start-ups wie Tractive, Hello Again, Presono oder Andmetics. In Oberösterreich entstehen viele gute und erfolgreiche Geschichten in der Branche. Das liegt sicherlich zum einen am guten Bildungssystem, zum anderen auch daran, dass die Oberösterreicher zusammenhalten und sich gern vernetzen.

Zur Person

Florian Gschwandtner (36) hat 2009 mit drei Studienkollegen die Fitness-App Runtastic gegründet. Das Paschinger
Unternehmen wurde 2015 für 220 Millionen Euro an den deutschen Sportartikelkonzern Adidas verkauft.

Gschwandtner hat sich Ende 2018 von Runtastic zurückgezogen. Seither investiert der gebürtige Steyrer in Start-ups. Im Vorjahr ist sein Buch „So läuft Start-up“ erschienen.

Die sechs wichtigsten Fragen zum Digitalos

Warum sollten wir uns für den Digitalos bewerben?
Im Wettbewerb um Kunden und Fachkräfte gewinnt Markenbildung in Unternehmen stärker an Bedeutung. Der Digitalos trägt mit Sicherheit dazu bei. Zudem besteht die Möglichkeit, sein Unternehmen oder Produkt einer
breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wie können wir uns bewerben?
Die Bewerbung beim Digitalos ist ausschließlich online möglich. Das Einreichformular finden Sie ab sofort im Internet unter www.digitalos.at

Wie läuft das Bewerbungsverfahren?
Wenn Sie beweisen wollen, dass Sie ein würdiger Preisträger für den Digitalos sind, sollten Sie auch mit digitalen Medien gut umgehen können. Senden Sie uns ein Video, in dem Sie uns mit drei bis fünf Argumenten überzeugen. Übermitteln Sie uns zudem sieben bis zehn Lieblingsfotos, die Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Produkte am besten repräsentieren. Alle Informationen dazu finden Sie online.

Wann ist Einsendeschluss?
Bewerbungen sind bis einschließlich Sonntag, 1. September, möglich.

Wie erfolgt die Auswahl?
Aus den Bewerbungen treffen die OÖNachrichten sowie ihre Partner eine Vorauswahl. Aus dieser Nominiertenliste wählt die Jury unter Vorsitz von Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner die Sieger. In der Sparte „Digitale Person“ erfolgt die Kür durch die Leser der OÖNachrichten, die online für ihren Favoriten stimmen können.

Wann erfahren wir, ob wir gewonnen haben?
Die digitalen Vorreiter des Landes holen wird bei der Gala am 22. Oktober in der Linzer Tabakfabrik auf die Bühne.

Die Kategorien

Digitale Start-Ups
In dieser Kategorie werden junge Unternehmen gesucht, die eine einzigartige Idee haben, über ein rasch skalierbares Geschäftsmodell verfügen und attraktiv für Investoren sind. Damit heben sie sich von anderen Firmen ab.

Digitale Person
Bekannt auf YouTube, Instagram oder Facebook: In dieser Sparte zeichnen die OÖN Personen aus, die im Netz viele Menschen erreichen. Es ist die einzige Kategorie, die unsere Leser bestimmen. Wählen Sie online Ihren Favoriten!

Digitale Transformation
Unternehmen, die ein analoges in ein digitales Geschäftsmodell gewandelt haben, kommen hier auf ihre Kosten. Gesucht werden Firmen, die sich von anderen abheben und ein sicheres Zukunftskonzept entwickelt haben.

Science/KI/Projekte
Unter diesen Schlagwörtern werden alle Projekte in Organisationen und Unternehmen von Wirtschaft und Wissenschaft vereint. Hier werden Ideen ausgezeichnet, die wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Digitaler Pionier
In dieser Sparte wird eine Person geehrt, welche die Digitalisierung in Oberösterreich mit außerordentlichen Leistungen wesentlich geprägt hat. Diese Auszeichnung bestimmt die Jury, die aus zwölf Mitgliedern besteht.

Starke Partner

Sparkasse Oberösterreich

Michael Rockenschaub, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberösterreich, ist vom Digitalos begeistert: „Wir wollen die digitalen Vordenker in Oberösterreich unterstützen.“

Tabakfabrik Linz

„Hausherr“ der Preisverleihung ist Chris Müller. Er ist wesentlich dafür verantwortlich, dass sich die Tabakfabrik von der früheren „Tschickbude“ zu einem Zentrum für Start-ups und kreative Köpfe entwickelt.

Land Oberösterreich

Auch das Land Oberösterreich engagiert sich als Unterstützer für den Digitalos. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner hat die Digitalisierung als einen Eckpfeiler in seiner Strategie festgelegt.

Johannes Kepler Universität

Die Linzer Kepler-Universität gilt als Ursprung für viele zündende Ideen der Digitalisierung. Rektor
Meinhard Lukas hofft beim Digitalos auf zahlreiche Bewerber, die mit der JKU in Verbindung stehen.

Google

Auch der US-Konzern ist mit seiner Österreich-Tochter als Partner des Digitalos mit an Bord. Christine Antlanger-Winter, Chefin der heimischen Niederlassung, wird auch bei den Digital Days dabei sein.

Wiener Städtische

In der Digitalos-Jury sitzt auch Günther Erhartmaier, Landesdirektor der Wiener Städtischen: „Die Digitalisierung ist für uns ebenso wie für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts entscheidend.“

 

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