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Ski Alpin

Aus dem OÖN-Archiv: 5000 Menschen nahmen Abschied von Ulli Maier

Von OÖNachrichten vom 4. Februar 1994   29. Januar 2014 00:04 Uhr

Originalbericht aus den OÖNachrichten vom 4. Februar 1994:

5000 Menschen säumen den Weg, auf dem Ulli Maiers Leichnam durch ihren Heimatort Rauris zum Friedhof geführt wird. Tiefe Ergriffenheit ist in den Gesichtern. "Sie hat uns doch versprochen, daß sie nie alles riskieren wird, und sie hat sich immer so sicher gefühlt, wenn sie auf den Skiern gestanden ist", läßt Balthasar Maier, der Vater der tödlich verunglückten Skirennläuferin, den Tränen freien Lauf. Nur die kleine Melanie, Ulli Maiers 4jährige Tochter, ist nicht dabei. Sie glaubt, daß die Mama im Himmel ist und bald zurückkommen wird. Ihr die Wahrheit zu sagen, bringt niemand fertig.

Österreich nimmt Abschied von einer großen Sportlerin und von einem liebenswerten Menschen. "Wir haben ihr zu Lebzeiten bei ihren Siegen applaudiert. Da sind wir es ihr auch schuldig, daß wir sie auf ihrem letzten Weg begleiten", meint eine junge Rauriserin, die wie so viele im Skidreß gekommen ist.

Mit der Einsegnung im Elternhaus, in dem die Tote seit Montag aufgebahrt gewesen war, hat die Trauerfeier begonnen. Nach einem Rosenkranz setzt sich der Zug in Bewegung, angeführt von den Eltern, dem Verlobten der einzigen Mutti des Weltcupzirkus und ihren Schwestern Dagmar und Heidi. 160 Kränze bilden den Schmuck, darunter Gebinde von Arnold Schwarzenegger und vom Garmischer Organisationskomitee. Einen Kranz haben 30 jugoslawische Fremdarbeiter gestiftet.

Endlos scheint der Trauerzug zu sein. Die Menschen wirken nachdenklich und schweigsam. Viele weinen, als der Sarg an ihnen vorübergetragen wird. Ullis Lebensgefährte Hubert Schweighofer trägt ein Bukett mit roten Rosen. Sein Kopf ist gesenkt, die Hände zittern. Mühsam ringt er um Fassung. Voran geht Anita Wachter, in der Hand das Kissen mit den zwei Gold- und einer Silbermedaille, die Ulli Maier in ihrer so erfolgreichen Laufbahn gewonnen hat.

Skitrainer des ÖSV tragen den mit weißen Rosen geschmückten Sarg zur Kirche. "Meiner liebsten Mutti, Dein Liebling Melanie" steht auf einer der Schleifen zu lesen, die den Sarg zieren. Ein letzter Gruß, stellvertretend für das Töchterchen, das Ulli so geliebt hat. "Hab Dank für die schönen Stunden!"

Bei der Seelenmesse in der Ortskirche ehrt ÖSV-Präsident Schröcksnadel die Verstorbene in bewegten Worten. "Du hattest viele Talente, mit denen du viel erreicht hast. Du hast für ganz Österreich großes Ansehen erworben", sagt Schröcksnadel. Die letzten Grüße ihrer Teamkolleginnen überbringt Monika Maierhofer: "Du hast uns gezeigt, wenn man wirklich etwas will, dann kann man es auch erreichen. Wir sollten uns freuen, daß wir dich als Mensch gehabt haben. Pfüat di, Ulli!"

Es ist ein sonniger Tag in der 3000-Seelen-Gemeinde am Fuß des Sonnblicks. Und doch ist der Moment tiefster Trauer gekommen, als Pfarrer Höritzauer nun am offenen Grab die Einsegnung vornimmt. Langsam gleitet der schmucke Eichensarg in die Erde. Noch einmal ergreift ÖSV-Präsident Schröcksnadel das Wort. "Wenn Sie wissen, daß so viele Menschen mit Ihnen fühlen, mag das für Sie vielleicht ein Trost sein", spricht er der leidgeprüften Familie Mut zu. Und Vater Balthasar Maier findet letzte liebevolle Worte: "Hab Dank für die vielen schönen Stunden, die wir mit dir haben erleben dürfen!"

In einem Ehrengrab der Gemeinde Rauris auf dem Ortsfriedhof wurde Ulli Maier beigesetzt - mit dem Strauß roter Rosen, den ihr ihr Verlobter Hubert Schweighofer als letzten Gruß mitgegeben hat. -kri-

Sinn oder Unsinn? Abfahrt in der Krise

Der alpine Abfahrtssport steckt nach dem tragischen Unfall von Ulli Maier auf der High-Speed-Schneise von Garmisch-Partenkirchen in einer tiefen Sinnkrise. Balthasar Maier, der seine Tochter gern zu den Rennen begleitete, fand gestern in Rauris noch einmal kritische Worte: "Die Strecken werden immer schneller, die Sicherheitsvorkehrungen halten damit nicht Schritt." Es werde zwar viel Geld investiert, dennoch gebe es immer wieder gefährliche Lücken.

Die Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen sei eine der schwierigsten Strecken überhaupt, meinte Maier. An der Stelle, die seiner Tochter zum Verhängnis wurde, seien in den letzten Jahren auch schon andere Rennläufer in erhebliche Schwierigkeiten geraten.

Balthasar Maier war der erste Trainer seiner Tochter, die schon mit drei Jahren über die Rauriser Pisten wedelte. "Wir haben immer um sie gezittert, aber es war ihr Wunsch, Rennen zu fahren", erinnert sich der Vater.

Ein unersetzlicher Verlust ist der Tod Ulli Maiers auch für die skibegeisterte Jugend in ihrem Heimatort Rauris. Bürgermeister Robert Reiter nannte die zweifache Weltmeisterin einen "Menschen, der sich immer um die jungen Leute gekümmert hat". Ulli Maier sei für das ganze Tal ein echtes Idol gewesen. "Viele fragen jetzt nach dem Wie und Warum, aber darauf gibt es halt keine Antwort."

Ortspfarrer Höritzauer forderte alle auf, den Kopf nicht hängen zu lassen, und erinnerte Ullis Kameraden an bevorstehende Aufgaben. "Euer Ziel sind die Olympischen Spiele, ich wünsche euch viel Kraft." Höritzauer schilderte die Tote als fröhliche, aber zugleich nachdenkliche junge Frau. Er habe die kleine Melanie getauft und sich mit ihren Eltern schon vor längerer Zeit über die kirchliche Trauung unterhalten. Vor zwei Wochen sei dann der 24. September fixiert worden. "Jetzt können wir es leider nicht mehr erleben."

Sailer, Innauer unter den Trauergästen

Zahlreiche Ehrengäste gaben gestern Ulli Maier in Rauris das letzte Geleit. Der internationale Skisport war durch FIS-Präsident Marc Hodler vertreten, das ÖOC durch seinen Präsidenten Leo Wallner. Dahinter schritten Maiers Sportkameraden vom Damen- und Herrenteam des ÖSV und ehemalige Weltklassesportler wie Toni Sailer, Werner Grissmann, Harti Weirather und Toni Innauer. Die Politik war durch den Salzburger Landeshauptmann Katschthaler und Sportlandesrat Raus vertreten. Dem Trauerzug voran gingen Mitglieder von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Schulklassen.

Frauensport: Fonds trägt Ullis Namen

Zum Gedenken an den tragischen Tod von Ulli Maier wird auf Initiative von Sportminister Michael Ausserwinkler das bisherige Frauensportmodell in einen "Ulli Maier Fonds" umgewandelt. Das war das Ergebnis einer Vorstandssitzung der Österreichischen Sporthilfe. Sportlerinnen, die zur Weltklasse zählen, sollen demnächst finanzielle Hilfestellung bekommen, betonte Ausserwinkler.

Das Projekt ist für heuer mit knapp drei Millionen Schilling dotiert und wird von ÖOC, Sportministerium, Sporthilfe und Bundeswirtschaftskammer getragen. Vorgesehen ist eine einjährige Förderungsdauer in Höhe von 5000 Schilling monatlich, sofern die Athletin in dieser Zeit Spitzensport ausübt.

Gedenkfeier auch in der Sierra Nevada

Auch in der Sierra Nevada in Spanien, dem Schauplatz der alpinen Skiweltmeisterschaften 1995 und gegenwärtigen Austragungsort von Damen-Weltcuprennen, waren alle in Gedanken mit Ulli Maier verbunden. Mit einer Gedenkfeier auf dem Dorfplatz nahm die dort weilende internationale Elite Abschied. "Ulli, wir werden dich vermissen, du wirst uns fehlen", sagte die deutsche Aktivensprecherin Miriam Vogt, die zusammen mit der Kanadierin Kate Pace und der Schweizerin Vreni Schneider zu den versammelten Mannschaften und Trainern sprach. "Wie hoch darf der Preis sein?" fragte die Starnbergerin. Vreni Schneider weinte: "Es ist sehr schwer für uns alle. Aber wir müssen weitermachen."

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