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EURO 2021

Foda: "Es gibt nichts Schöneres, als in Wembley gegen Italien zu spielen"

Von Harald Bartl  26. Juni 2021 00:04 Uhr

Foda: "Es gibt nichts Schöneres, als in Wembley gegen Italien zu spielen"
Franco Foda

EURO-Achtelfinale: Der ÖFB-Teamchef hat sich auch auf ein Elferschießen vorbereitet – Poker bei der taktischen Ausrichtung

Es ist ein Stück österreichische Fußball-Geschichte, die heute (21 Uhr, ORF 1 und im Liveticker auf nachrichten.at) im EM-Achtelfinale gegen Italien im Londoner Wembley-Stadion geschrieben wird.

Die ÖFB-Teamkicker werden erst rund zwei Stunden vor Spielbeginn den "heiligen" Rasen erstmals betreten. Gestern verzichtete man nach der Landung am Nachmittag darauf, noch einen Abstecher in das leere Stadion zu machen. Ein Abschlusstraining hatte die UEFA zwecks Schonung des Platzes ja verboten.

Es wird wohl auch jenen Spielern, die schon fast alles im europäischen Fußball gesehen haben, der Mund offen bleiben. Nichts ist mit Wembley und dieser typisch britischen Atmosphäre vergleichbar. Zumindest das Wetter (19 Grad Celsius und windig) entsprach gestern allen gängigen Klischees.

Auf dem Platz wird der Druck für Gegner Italien viel größer sein. Alles oder nichts lautet die Devise. Ein schlechtes Abschneiden in diesem Spiel würde die gesamte italienische Euphorie zerstören. Ein Aus im Achtelfinale käme einem Vorrunden-Aus gleich.

Foda: "Es gibt nichts Schöneres, als in Wembley gegen Italien zu spielen"
Er ist fit. Martin Hinteregger hat das Abschlusstraining mitgemacht.

Italienische "Spione" in Seefeld

Vielleicht ist die ÖFB-Auswahl deshalb noch nie so genau beobachtet worden wie in den vergangenen Tagen. Nicht nur italienische Medien hatten Beobachter in das gut einsehbare österreichische Trainingscamp in Seefeld geschickt, um das eine oder andere Geheimnis zu erfahren. Das Ergebnis: Man geht davon aus, dass Österreich diesmal wieder mit einer Dreier-Abwehrkette mit David Alaba agieren wird.

Was dabei weniger einkalkuliert wird: Unabhängig vom Training erfahren auch die Spieler erst heute, wie ganz genau gespielt wird. Eine Dreierkette als Reaktion auf das italienische 4-3-3 würde tatsächlich zu Fodas grundsätzlicher Gedankenwelt passen.

Alaba würde in das Abwehrzentrum rücken, Marko Arnautovic zu Beginn eventuell für einen zusätzlichen Defensivspieler auf die Bank gesetzt werden. Dagegen würde sprechen, dass gegen die Ukraine im 4-2-3-1 fast alles richtig gemacht wurde.

Der ÖFB-Teamchef reagiert auf solche Taktik-Spielchen nur mit einem Lächeln. "Taktische Adaptierungen im Spiel mit und gegen den Ball sind möglich, bei der Aufstellung kann ich nur sagen, dass es nicht zu viele Änderungen geben wird." Dass die Italiener ihren Kapitän und Abwehrchef Giorgio Chiellini schonen und auf die Bank setzen werden, hat für Foda keine große Bedeutung. "Sie haben genug Alternativen in der Abwehr, die dort spielen können. Insofern ist das für Italien kein großer Unterschied." Foda selbst wird mit Ausnahme von Valentino Lazaro alle Spieler zur Verfügung haben. Martin Hinteregger und Florian Grillitsch konnten das gestrige Abschlusstraining in Seefeld mitmachen. Auf ein Training in einem anderen Londoner Stadion wurde verzichtet.

Ärger über Planänderung

Die späte Absage der UEFA für das Training in Wembley ärgerte Foda. "Der Platz war vor zwei, drei Tagen in genau dem gleichen Zustand. Wären wir früher informiert worden, hätten wir auch schon am Donnerstag das Training nicht erst am Abend angesetzt. Das sind so Kleinigkeiten. Wir mussten die ganze Planung ändern." Auch für eine mögliche Verlängerung und ein Elfmeterschießen hat Foda die Mannschaft ganz bewusst trainieren lassen. "So richtig kann man den Ernstfall zwar nicht üben. Die Belastung ist im Spiel einfach anders als im Training. Aber wir sind auf alles vorbereitet." Das gilt genauso für ein mögliches Viertelfinale. Foda: "Wir haben Scouts bei Belgien gegen Portugal. Das würden wir nicht machen, wenn wir nicht an den Sieg glauben würden."

K.O.-Spiele des österreichischen Nationalteams

67 Jahre ist das jüngste K.o.-Spiel des ÖFB-Teams her: Bei der WM 1954 in der Schweiz verlor Österreich gegen den späteren Weltmeister Deutschland im Halbfinale mit 1:6. Auf dem Weg dorthin wurde im Viertelfinale der Gastgeber 7:5 bezwungen – es ist das bis heute torreichste WM-Spiel. Im Spiel um Platz drei siegte Österreich gegen Uruguay mit 3:1.

5 K.o.-Spiele bestritt Österreich bei Endrunden: Vor den zwei bei der WM 1954 waren es bei der WM 1934 in Italien drei gewesen. Die damalige Endrunde mit acht Teams begann schon mit dem Achtelfinale. Österreich gewann gegen Frankreich nach Verlängerung mit 3:2. Im Viertelfinale wurde Ungarn mit 2:1 bezwungen. Endstation war im Halbfinale – durch das 0:1 gegen Gastgeber Italien. Das Spiel um Platz drei verlor das ÖFB-Team gegen Deutschland mit 2:3.

4 Mal überstand Österreichs Nationalteam mit der aktuellen Europameisterschaft bei insgesamt zehn WM- oder EM-Teilnahmen die Vorrunde. Erst zum zweiten Mal nach 1954 war ein K.o.-Spiel die Folge. Bei der WM 1978 in Argentinien und bei der WM 1982 in Spanien ging es jeweils nach der Gruppenphase mit Finalrunden weiter. Der einzige Sieg dabei war das legendäre 3:2 gegen Deutschland 1978 in Cordoba. Nach den Niederlagen gegen die Niederlande (1:6) und Italien (0:1) war dieser schon bedeutungslos. 1982 schied das ÖFB-Team durch das 0:1 gegen Frankreich und das 2:2 gegen Nordirland aus.

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Harald Bartl

stellvertretender Ressortleiter Sport

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