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Mühlviertel

Corona-Sperre: Bauer pumpte Gülle über die Grenze

Von Thomas Fellhofer  13. Mai 2020 07:06 Uhr

Gülle-Grenzverkehr
Heck an Heck wurde Gülle über die Staatsgrenze gepumpt.

NEUSTIFT/GOTTSDORF. Von der Sperre kleiner Übergänge waren Bauern beiderseits der Grenze betroffen

„Es stinkt zum Himmel“, weiß Landwirt Hubert Pilsl aus Gottsdorf in Bayern. Gemeint ist die totale Sperre kleiner Grenzübertrittsstellen, die seit heute teilweise wieder aufgehoben sind. 80 Hektar Land bewirtschaftet der Bayer für seinen Milchviehbetrieb (die Passauer Neue Presse berichtete). 50 Hektar davon befinden sich aber im Mühlviertel im Bereich Haitzendorf oder der Ortschaft Dorf.

Diese Grundstücke erreichte er grenzüberschreitend ohne Probleme über einen Land- und Forstweg, der am Grenzstein 47 vorbei nach Österreich führte – bisher zumindest. Die Marktgemeinde Untergriesbach leistete bei der Umsetzung der Corona-Verordnungen ganze Arbeit: Es wurden entsprechende Tafeln und Verkehrszeichen aufgestellt, eine Schranke angebracht und der Kleinübergang mit Betonrohren unpassierbar gemacht. Auch die Übergänge in Neustift und Oberkappel wurden dichtgemacht.

Der umtriebige Bauer befasste zwecks Gülle-Transport auf seine Wiesen die politischen und behördlichen Instanzen, und die Causa „kleiner Gülle-Grenzverkehr Gottsdorf“ landete laut PNP gar in Berlin. Bis heute war ein Passieren des Überganges Haitzendorf jedoch nicht möglich.

Keiner war zuständig

Pilsl bot an, die Sperren bei jeder Fahrt wegzuräumen und gleich wieder aufzustellen, aber er fand kein Gehör – niemand war zuständig. Dies ärgerte den findigen Bauern natürlich, zumal die Gülleausbringung auf seinem Hof dringend anstand. Auf bayerischer Seite war dies kein Problem, aber wie den wertvollen Dünger auf die österreichischen Flächen bringen? Offiziell wäre dies nur über den Grenzübergang Hanging bei Wegscheid möglich gewesen – einfache Fahrtstrecke zu seinen Wiesen: 45 statt vier Kilometer.

Also beauftragte der findige Ökonom einen Lohnunternehmer mit Sattelzug und großem Güllefass. Dieses wurde auf dem Pilslhof in Bayern befüllt und rückwärts zum 47er-Grenzstein geschoben. Pilsl selbst fuhr mit seinem Traktor und seinem Güllefass über Hanging und schob seinerseits rückwärts zum 47er-Stein. Nun wurde vermittels großer Pumpe die Gülle von Fass zu Fass von Bayern ins Mühlviertel gepumpt. Dort brachte sie Hubert Pilsl auf den eigenen Feldern aus.

Zwar wurde nämlicher Pumpvorgang sowohl von bayerischen als auch von den österreichischen Ordnungshütern beobachtet, deren Eingreifen war aber wegen der Korrektheit der Aktion nicht vonnöten. Pilsl ist froh, dass er seit heute zumindest den kleinen Übergang im Wald wieder nutzen darf. Denn wären die Grenzen bis zum ersten Grasschnitt geschlossen geblieben, hätte er sich ein Silo mieten müssen.

Grenzen öffnen wieder

Schon heute wurde zusätzlich zu dem Grenzübergang Hanging/Wegscheid auch jener in Breitenberg/Hinteranger geöffnet (7 bis 20 Uhr). Die Grenzübergänge in Haitzendorf-Gottsdorf, Hinterschiffl-Kohlstadt, Weigetschlag und Schwarzenberg-Lackenhäuser werden seit heute von 7 bis 20 Uhr für Land- und Forstwirte geöffnet. Wie berichtet sollen alle Übergänge zu Deutschland per 15 Juni wieder passierbar sein.

Artikel von

Thomas Fellhofer

Lokalredakteur Mühlviertel

Thomas Fellhofer
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