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Oberösterreich

Widerstandskämpferin im Alter von 89 Jahren verstorben

ST. VALENTIN. Im Zweiten Weltkrieg hatte Anna Strasser KZ-Häftlingen heimlich Lebensmittel zugesteckt. Diese Woche starb sie im Alter von 89 Jahren – nur zehn Tage, nachdem der Platz beim St. Valentiner KZ-Mahnmal nach ihr benannt worden war.

Anna Strasser

Die letzte Zeit ihres Lebens verbrachte Anna Strasser im Altenheim St. Peter/Au. Bild: Malinar

Zivilcourage, soziales Engagement und eine große Portion Gottvertrauen: Das ist es, was Anna Strasser auszeichnete. Ihre Lebensgeschichte ist eine Geschichte des Helfens bis ins hohe Alter. „Sie hat Krankenbesuche gemacht und sie hat Leute besucht, die einsam waren“, sagt Arnold Mottas vom Stadtamt St. Valentin, „solange sie gehen hat können, hat sie geholfen, unauffällig und in großer Bescheidenheit.“

Strasser ist Ehrenbürgerin

Für ihre privaten Hilfseinsätze im Zweiten Weltkrieg, mit denen sie sich selbst immer wieder in Lebensgefahr gebracht hatte, wurde Anna Strasser erstmals im Jahr 1999 ausgezeichnet. Die Stadtgemeinde St. Valentin verlieh ihr die Ehrenbürgerschaft. Heuer am 7. Mai wurde der Platz beim KZ-Mahnmal Herzograd nach ihr benannt. Ohne ihr Beisein allerdings. Dazu war die 89-Jährige gesundheitlich nicht mehr in der Lage.

Strassers sozialer Widerstandskampf im Zweiten Weltkrieg: Ab 1939 war sie bei der Lagerhausgenossenschaft in Mauthausen beschäftigt. Ihr Büro lag unweit des Bahnhofs, wo KZ-Häftlinge eine Rampe bauen mussten. Ihre Mittagspause nutzte die großherzige Frau dazu, um nahe der Rampe Lebensmittel und Dinge wie Zwirn, Nadeln und Knöpfe fallen zu lassen. „Die Häftlinge kannten mich schon und gingen vorsichtig ans Werk, um an die Sachen heranzukommen“, schreibt sie in ihren Erinnerungen, die sie 1982 verfasst hat.

1942 wurde sie ins St. Valentiner Nibelungenwerk dienstverpflichtet. Hier – in der Heimatgemeinde – kümmerte sie sich auch darum, dass Medikamente ins Lager Windberg geschmuggelt wurden. Dort waren viele jüdische Familien aus Ungarn untergebracht. Im Herbst 1944 wurde die damals 23-Jährige von der Gestapo verhaftet. Die Zeit im Gefängnis verbrachte sie zum Teil an Ketten gefesselt. Wegen Hochverrats verurteilt, sollte sie ins Konzentrationslager Ravensbrück gebracht werden. Kurz vor dem Ziel wurde der Transport jedoch umgeleitet. Sie kam in das „Arbeitserziehungslager für asoziale Elemente“ in Oberlanzersdorf, wo sie schwer an Typhus erkrankte. Sie überlebte mit Hilfe eines Arztes, der selbst im Widerstand tätig war.

Anna Strasser wurde 1921 als zwölftes Kind einer Kaufmannsfamilie geboren. Ihr Vater, der mit Besorgnis das Aufkommen der Nazis in Deutschland verfolgte, starb sechs Wochen vor Hitlers Einmarsch. „Zuerst waren wir sehr traurig über seinen Tod“, schrieb Strasser, „aber als Hitler kam, wussten wir, dass Gott ihn zur rechten Zeit abberufen hatte.“

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Artikel Ein Nachruf von Kurt Daucher 22. Mai 2010 - 00:04 Uhr
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