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Witwe mit raffiniertem Witz

Die letzte Premiere der Saison an der Wiener Volksoper galt am Samstag Lehárs Meisterwerk „Die lustige Witwe“, die in Marco Arturo Marellis Inszenierung eine ganz andere, aber um nichts weniger packende Wirkung erzielte.

Witwe mit raffiniertem Witz

Alexandra Reinprecht als „Hanna Glawari“ in der Operette „Die lustige Witwe“ Bild: APA

Bei seiner ersten Operettenregie hat Marelli ganz auf große Oper gesetzt, ein Bühnenbild entworfen, das nicht nur vom Jugendstil bis Art Déco beeinflusst war, sondern auch mit ganz wenigen Versatzstücken schnell Räume und so auch bei aller Größe Intimität schaffen konnte.

Es gelang so eine ungemein elegante „Witwe“, die aber – und das war vielleicht das Wichtigste – die tradierten Klischees weitgehend aussparte. Nicht dass am Text gerüttelt wurde, oder gar das ganze Werk auf den Kopf gestellt worden wäre – nein, ganz im Gegenteil, man erlebte das Stück pur in seiner ganzen Meisterschaft, gespickt mit viel, aber sehr raffiniert eingesetztem Witz. Keine platte Comedy, sondern ebenso eleganter und damit dann doch sehr wienerischer Humor. Die Idee, den Graf Danilo mit einem sehr jungen Sänger – Daniel Schmutzhard – zu besetzen, ging voll auf.

Kein Heesters- oder Serafin-Image eines in die sehr späten Jahre gekommenen Lebemanns, der in vollen Zügen genossen hat und doch unfähig zur Liebe ist, sondern das Porträt eines jungen, fast schüchternen Mannes, der unmittelbar nach dem Militärdienst als Diplomat heillos überfordert ist und zwar lieben möchte, dies aber nie gelernt hat.

Hormone sortieren

So bekommt auch das „Lippen schweigen“-Duett eine ganz andere Dimension, fast als würde die spätpubertäre Verklemmtheit mit einem Schlag gewichen sein. Dazu kam, dass Schmutzhard sehr natürlich und subtil agierte und seine Partie so gut wie schon lange kein Danilo musikalisch interpretierte. Da war auf einmal zu merken, dass diese Rolle nicht die des alternden, vielleicht gerade noch singfähigen Charmeurs ist, sondern die eines jungen, agilen, lebenshungrigen und doch verklemmten Dandys, der seine Hormone erst einmal richtig sortieren muss.

Aber auch Alexandra Reinprecht wusste als Hanna Glawari mit viel Elan und kultiviertem Gesang aufzuwarten, wenngleich auch diese Rolle eine substanzielle Veränderung erfahren hat. Marellis Witwe war nicht die große Dame der Gesellschaft, war nicht eine pompöse, selbstsichere Erscheinung, sondern hatte etwas von der gleichen Schüchternheit Danilos.

Und so erlebte man von Anfang an zwei Personen, die einander lieben und zueinander wollen, dies aber nicht artikulieren können. Elegant, stimmlich gut, aber nicht in allen Lagen wirklich sicher war Mehrzad Montazeri als Rosillon. Apart und temperamentvoll, aber auch stimmlich nicht ganz optimal wirkte Sophie Marilley als Valencienne. Die Nebenrollen waren mit Publikumslieblingen wie Kurt Schreibmayr und Franz Suhrada sowie einem sehr engagierten jungen Ensemble blendend besetzt. Als Njegus imponierte Hausherr Robert Meyer, der aber auch dieser Rolle eine ganz neue, vom simplen Blödeln weit entfernte Dimension verlieh und zum Schluss sogar das Orchester ziemlich fest in der Hand hielt und ein Dacapo selbst dirigierte.

Sonst stand das Orchester an diesem Abend unter der Leitung von Henrik Nánási, der es sehr kultiviert und dennoch mit viel Esprit und zündenden Tempi musizieren ließ und dennoch so manche klangverliebte Stelle genau auszubalancieren wusste. Der Chor war tadellos studiert, das Wiener Staatsballett in einer brillanten Choreographie von Renato Zanella superb. Eine etwas andere, aber dennoch höchst gelungene „Lustige Witwe“, die auch dem Publikum – dem Premierenjubel nach – gefallen hat.

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Artikel Michael Wruss 23. Mai 2011 - 00:04 Uhr
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