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Kultur

Warum ein Haarband Oberösterreichs Goldhaubenfrauen in zwei Lager teilt

Von Julia Evers   12. Januar 2019 00:04 Uhr

Warum ein Haarband Oberösterreichs Goldhaubenfrauen in zwei Lager teilt
Die Mädchenhaube

Die einen sehen im Goldband die Öffnung, die anderen das Ende der Goldhaubengruppen.

"Wir müssen was tun, um Nachwuchs zu bekommen!" Für Marianne Mostler, die Obfrau der Goldhaubengruppe in Vorderweißenbach war das Ziel klar – auch jene Frauen, die sich für den aufwendigen traditionellen Kopfschmuck noch zu jung fühlen, sollten eine Möglichkeit haben, sich in die Gruppe zu integrieren. Die Lösung für dieses Dilemma sah Mostler ebenfalls: ein Goldband.

Eigentlich als Kopfschmuck für Trachtenhochzeiten verwendet, wandelte Vorderweißenbach wie auch andere Goldhaubengruppen dieses Band ab – es wurde im Stil der Goldhaube gestickt, in den gleichen Mustern. Seitdem es erlaubt ist, auch mit diesen kunstvollen Bändern im Haar mit den Goldhauben mitzugehen, hat sich in Vorderweißenbach einiges getan: "Ich habe auf einen Schlag 52 neue Mitglieder bekommen – das soll mir mal eine andere Gruppe nachmachen", sagt Mostler. Zwischen 14 und 52 Jahren sind diese neuen Mitglieder alt – "da kriegen Sie keine Goldhaube drauf", sagt Mostler, "vielleicht später einmal."

Warum ein Haarband Oberösterreichs Goldhaubenfrauen in zwei Lager teilt
Eine klassische Goldhaube

"Massive Widerstände"

Womit Mostler sich auch konfrontiert sah, war "das große Missfallen verschiedenster Bezirksobfrauen. Es gab massive Widerstände." Rosi Baumgardinger, Bezirksobfrau der Goldhauben- und Kopftuchgruppen Vöcklabruck, ist eine jener, die dem Goldband auf erwachsenen Frauenköpfen nichts abgewinnen können: "Ich finde das ist modisches Beiwerk. Die Goldhaube ist das Nonplusultra – eine Festtracht in Oberösterreich, die nicht leicht zu überbieten ist."

Nur für junge Mädchen erlaubt sie das Goldband. "Damit sie länger mitgehen. Meistens wollen sie, wenn sie in die höheren Schulen gehen, keine Häubchen mehr tragen." Auch sie bemerkte regen Ansturm auf die Goldbänder.

Landesobfrau Martina Pühringer wollte zwischen den beiden Lagern vermitteln. Nach mehr als einem Jahr Diskussion sagt sie jetzt: "Es wird jetzt so sein, dass es das in einigen Bezirken geben wird, und in anderen wird es das nicht geben – das auf eine Linie zu bringen, haben wir nicht geschafft. Wir sind eine lose Gemeinschaft, wir haben keine Statuten oder Ähnliches."

Warum ein Haarband Oberösterreichs Goldhaubenfrauen in zwei Lager teilt
Jetzt gibt es zusätzlich das Goldband.

Auf ein paar Regeln hat man sich dennoch einigen können: Mindestens zehn Zentimeter breit muss das Goldband für Erwachsene sein, genauso bestickt wie eine Goldhaube, getragen wird es zum langen Seidenkleid mit zusammengebundenen Haaren. Aber: "Wenn eine Goldhaubenfrau das Band mit offenen Haaren trägt, wird auch keiner hingehen und sagen: ,Du darfst nicht mitgehen.‘"

Das Band wird seinen Platz finden und die Goldhaube nicht verdrängen, ist Pühringer überzeugt. Sie fühlt sich an eine Diskussion vor 15 Jahren erinnert, als es darum ging, ob zu Fronleichnam auch Damen in Tracht mitgehen dürften. "Dann geht ja keiner mehr mit der Goldhaube – das ist die große Angst!"

Erneuerung der Tradition

Mostler sieht die Diskussion hoffnungsvoll: "Man muss sich nur trauen. Tradition schließt Erneuerung nicht aus – und wer sagt, dass nicht in 20, 30 Jahren, wenn unsereiner schon vom Himmel runterguckt, das Band ebenso Tradition ist?"

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