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Musik

„Ich habe genau so viel Spaß gehabt wie Keith Richards“

Von Reinhold Gruber   12. Oktober 2013 00:04 Uhr

„Ich habe genau so viel Spaß gehabt wie Keith Richards“
Bukowski schrieb Kurzgeschichten aus einem bunten Leben.

Nach 67 Lebensjahren hat man einiges zu erzählen. Boris Bukowski beweist dies in seiner anderen Biografie.

Mit Hits wie „Kokain“, „Trag meine Liebe wie einen Mantel“ und „Fandango“ hat sich der Steirer seinen Platz in der österreichischen Musikgeschichte gesichert. Jetzt folgt mit „Unter bunten Hunden“ seine Buch-Premiere, eine Art Biografie, reichlich gefüllt mit Anekdoten und Geschichten. Der Auslöser dafür: „Ich habe in meinem Leben so viele lustige Sachen erlebt, dass ich sie anderen nicht vorenthalten wollte“, sagt Bukowski im OÖN-Gespräch. Dabei bedient er nicht die eigene Eitelkeit.

Vor 15 Jahren schon habe er einige Anekdoten aus seinem Leben aufgeschrieben. Die blieben liegen. Vor einem Jahr erinnerte er sich daran, ging sie noch einmal durch, schrieb weitere Erinnerungen auf. Daraus wurde nun das Buch. Sein erstes.

So sehr „Unter bunten Hunden“ mit seinem Leben zu tun hat – „es ist alles wahr, und ich nehme nichts zurück“ –, so wenig will Bukowski das Buch als Biografie verstanden wissen. „Wer bin ich schon, dass sich jemand für die Stationen meines Lebens interessiert?“ Aber: „Ich habe genau so viel Spaß gehabt wie Keith Richards.“ Bukowski schaut deutlich besser aus als der Rolling-Stones-Gitarrist und quittiert diese Feststellung mit einem Danke und einem Lachen.

„Unter bunten Hunden“ gibt einen Einblick in das Leben sowie in die Gedankenwelten des Schlagzeugers, Sängers, Songwriters und Musikproduzenten, der die Juristerei zwar fertig studiert, aber nie praktiziert hat. Die Musik blieb stets sein zentrales Anliegen, sie hat ihn nie verlassen. Und dies, obwohl er Österreicher ist. „Die meisten Österreicher schätzen einen ihrer Musiker erst, wenn er ihnen beweist, dass seine Musik ihn überlebt.“

Bukowski hadert nicht damit. „Wenn ich den Erfolg, den ich hatte, in jedem anderen Land gehabt hätte, wäre ich wohlhabend. Aber trotzdem finde ich mich vom Schicksal nicht schlecht behandelt. Das allergrößte Privileg, das man als Musiker hat, ist, dass man das machen darf, was man am liebsten tut.“ Dessen ist sich der 67-Jährige bewusst. „Ich habe einen tollen Beruf, habe eine Freude daran und konnte immer davon leben.“

Dass die Jahrzehnte der „Austro-Pop-Abwatscherei“, die ihn maßlos geärgert hat, nun vorbei zu sein scheinen, freut ihn. Nicht mehr nur als Austro-Pop-Fossil gesehen zu werden, sei auch beruhigend. Umgekehrt habe diese Situation ihn mit zum Schreiben bewogen. Das heißt: Ohne die Erfahrung, plötzlich als österreichischer Musiker aus der Generation der Erfolgreichen medial gemieden zu werden, hätte es „Unter bunten Hunden“ vielleicht nicht gegeben.

Bukowski ist übrigens selbst sein schärfster Kritiker. „Es kann schon passieren, dass ein Blatt drei Wochen lang leer bleibt, weil ich mir sage, dass das, was mir einfällt, nicht gut genug ist, nicht wert ist, niedergeschrieben zu werden.“ Er müsse sich da von EAV-Texter Tom Spitzer einiges abschauen. „Der Tom schreibt und schreibt und hat dann viel zum Wegschmeißen.“

Woher dieser Hang zum Perfektionisten? „Wahrscheinlich habe ich zu wenig Selbstwertgefühl.“

Es ist diese Ehrlichkeit, die „Unter bunten Hunden“ lesenswert macht. Es sind die vielen kleinen Geschichten, die zum Schmunzeln anregen. Es sind die beschriebenen Menschen, die Begegnungen und die Erinnerungen an Situationen mit Kollegen, die Teil seines Lebens sind und die es möglich machen, ein Gefühl für den Menschen Bukowski zu entwickeln. Und es sind die nachdenklichen Momente, die Grund genug sein könnten, tief zu schürfen, die aber leichter zu ertragen sind, wenn man ihnen mit einem Lächeln begegnen kann. Wie die Geschichte über seinen an Alzheimer verstorbenen Bruder Dieter. Mit ihm hat er gelernt. „Wenn ich lächle, fühlt er sich angenommen, nicht kritisiert und kann zurücklächeln.“

„Unter bunten Hunden“, Boris Bukowski, Edition Megafon, 203 Seiten, 19,80 Euro

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