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"Wandern ist Pilgern zu den Menschen"

Von Alfons Krieglsteiner (Text) und Volker Weihbold (Fotos)   27. Oktober 2017 00:04 Uhr

Zwei „Seelenverwandte“: Abt Reinhold und Schwester Rosa im angeregten Gespräch unterwegs im Kürnberger Wald.

WILHERING. Mit Abt Reinhold Dessl und Elisabethinen-Schwester Rosa Steiner vom Stift Wilhering zum Kürnberg: Lehrstunden über die Spiritualität des Wanderns.

Arbeiten, Beten und Lesen fordert die Ordensregel der Zisterzienser. Und "nahe bei den Menschen sein". Reinhold Dessl pflegt diese Nähe auf ganz persönliche Art: Auf seiner "Lauf-Strecke" durchs Donautal hinauf zum Kürnberg.

"Wandern ist ein Pilgern zu den Menschen", sagt der 55-jährige Abt des Zisterzienserstiftes Wilhering. Offenherzig und locker wirkt er, voll jugendlichem Charme. In der Begegnung mit anderen könne man sich selbst erfahren – und Gott begegnen: auf der "Donaurunde", die Reinhold Dessl bei jedem Wetter in Angriff nimmt.

Für manche Wilheringer ist sie längst die "Abt-Dessl-Runde". Er ist ein vertrauter Anblick, wenn er im Lauf-Dress an ihnen vorbeikommt und sich für jeden Zeit zum Gespräch nimmt.

Ein herzliches "Grüß Gott!"

Geh mit Gott, aber geh! Diesmal in Begleitung von Schwester Rosa Steiner (67) von den Elisabethinen. "Durch die Sinne zum Sinn finden", das ist ihre Philosophie des Wanderns. Sinn finden, das will sie aber auch den Kindern vermitteln, die sie durch das Linzer Ordensspital führt. Sie zeigt ihnen Rettungseinfahrt, Akutaufnahme und den Hubschrauber-Landeplatz: "Manchmal lasse ich sogar ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht in der Garage fahren, da sind sie jedes Mal begeistert."

Die "Abt-Dessl-Runde" nimmt Schwester Rosa im langen Ordenshabit in Angriff, der die Turnschuhe dezent verdeckt. Wir starten bei der Stiftspforte gegenüber dem Meierhof, der bis 2019 in ein Besucherempfangszentrum umgewidmet wird, nehmen den Weg entlang der alten Baumallee. Im Stiftspark steht die legendäre Eibe, die zur Gründerzeit des Stiftes vor 870 Jahren gepflanzt worden sein soll. Die Blockstein-Einfassung reflektiert das matte Licht der Sonne, die von grauen Wolken verhüllt wird. Dahinter die geometrisch geformten Gebäudekomplexe der Stiftsgärtnerei, die an die efko-Genossenschaft verpachtet worden ist.

Über Maisfelder geht es Richtung Donau: Das gemächlich flutende Wasser des Stromes flankiert ein Mischwald, der seine gelbgrün gefärbten Blätter wie einen herbstlichen Teppich über den Treppelweg gestreut hat. Die Erde hat den Regen eingesaugt, der Boden ist aufgequollen. Spaziergänger kommen entgegen, heißen den Abt mit einem herzlichen "Grüß Gott!" willkommen.

Pöstlingberg im Nebel

An der Fähre Ottensheim "steht die Zeit still", sagt Abt Reinhold. Hier können Ausflügler so schön die Ruhe am Fluss genießen, wenn sie auf die Wiederkehr der Rollfähre warten. Er selber benutzt sie mehrmals die Woche, um in seine Seelsorgegemeinden zu kommen.

Einmal schneller, dann wieder langsamer geht es voran – um besser ins Gespräch zu kommen und die Natur zu betrachten. "Gott ist nicht mit der Natur gleichzusetzen", sagt Abt Reinhold. "Aber er umfängt sie als seine Schöpfung." Was wir erreichen wollen? Nur die nächste Wegkreuzung, an der zwei Seitenpfade beginnen. Über die Bundesstraße geht es weiter nach Unterhöf, dann auf breitem Forstweg in den Kürnberger Wald. Kindskopfgroße Steine liegen am Wegrand, Moose bedecken in ausgefransten Flecken den Boden.

Weiter oben liegt der Gipfel mit den Erdwällen aus der Keltenzeit. So weit zieht es uns bei dem schlechten Wetter aber nicht. Auf halbem Weg kehren wir um, den Pöstlingberg im Blick, dessen Konturen sich schemenhaft im Nebelmeer andeuten.

Wir schauen hinaus in die weite Ebene mit den sanft ansteigenden Bodenwellen: Ein Gefühl von Zugehörigkeit und Heimat liegt darin. Dann gehen wir durch die Ortschaft Höf zurück zum Stift.

Nach der Wandersmüh’ darf man schon einmal mit einem Glaserl Wein anstoßen.

Engel, Fasten und Stille

Dort erwarten uns Engel: 800 Darstellungen in Skulpturen und Malereien, für die die Stiftskirche berühmt ist. Ihre Verehrung hat einen historischen Hintergrund: "Als die Kirche nach dem Brand 1733 trotz kriegsbedingter Unterbrechung schließlich fertig gestellt werden konnte, hat sie der damalige Abt den Schutzengeln geweiht", sagt Reinhold Dessl.

Die Engelsverehrung ist ungebrochen: Jeden ersten Sonntag im September wird in der Abtei ein Schutzengelfest gefeiert. Und jeder Erstklassler des Stiftsgymnasiums bemalt nach dem Eröffnungsgottesdienst seine eigene kleine Engelsfigur aus Holz. 125 sind es heuer, aufgereiht um die große Engelsfigur im Kreuzgang.

"Oft erkennt man ja auch nach einer Wanderung, dass man mit einem Engel unterwegs war", sagt Abt Reinhold. Einem in Menschengestalt: "Solche ,Engel‘ haben wir heute nötiger denn je." Gerade die Orden: "Wir brauchen Menschen, die sich nach verbindlicher religiöser Gemeinschaft sehnen." Das Stift bemüht sich um sie, bietet Kloster auf Zeit an, und Klostertage für die Schüler des Stiftsgymnasiums. Zusätzlich gibt es "für Junge und Ältere" das Angebot eines freiwilligen Ordensjahres.

"Engel, Fasten und Stille liegen im Trend unserer Zeit", sagt Abt Dessl. "Deshalb könnte ich ständig über Stille reden!" Klingt paradox, ist aber humorvoll gemeint. Und Humor hat etwas mit "Humus", also "Erde", zu tun. Auch "humilitas" (= Demut) kommt von derselben Wortwurzel. Wer Humor hat, ist geerdet. Er kann über sich selber lachen. Das befreit.

Reinhold Dessl

Reinhold Dessl wurde 1962 in Linz geboren, sein Taufname ist Johann. Mit vier Geschwistern ist er in Zwettl/Rodl aufgewachsen. Er besuchte das Stiftsgymnasium Wilhering und trat nach der Matura 1980 in das Noviziat ein. „Ich bin das bisher letzte Konventsmitglied, das unser Gymnasium hervorgebracht hat“, sagt er. 1988 wurde er zum Priester geweiht und 1990 zum Doktor der Theologie promoviert. Er ist auch Seelsorger in Gramastetten, Eidenberg, Neußerling und Untergeng. Als Jüngster der Patres wurde er am 25. April 2013 zum 74. Abt des Stiftes Wilhering gewählt. Heute zählt der Konvent 22 Mitbrüder. Seit heuer ist Dessl auch Vorsitzender der Regionalkonferenz der oö. Männerorden.

Rosa Steiner

Die 67-jährige Elisabethinen-Schwester ist auf einem Bauernhof in Pabneukirchen (Bez. Perg) aufgewachsen, auch ihre Schwester Bernadette hat das Ordensleben gewählt. Rosa Steiner gehört den Elisabethinen seit 1980 an: „Damals waren wir 80, heute sind wir noch 37“. Als eine von drei „Ratsschwestern“ unterstützt sie die Äbtissin, leitet den Kloster-Shop und führt Besucher durch das Ordensspital. Abt Reinhold hat sie auf einem Kurs für Ordensleute, die in religiösen Gemeinschaften Verantwortung tragen, kennengelernt. Seither verbindet sie eine Seelenverwandtschaft. Und Mühlviertler sind beide auch.

Die Route

Die OÖNachrichten haben mit Reinhold Dessl und Rosa Steiner die „traditionelle“ Lauf-Strecke des Wilheringer Abtes erkundet. Sie führt vom Stiftshof entlang der Gärtnerei zum Donau-Treppelweg bis zur Rollfähre Wilhering. Dann geht es durch die Ortschaft Unterhöf hinein in den Kürnberger Wald und retour über Höf zum Stift. Die Wegzeit beträgt ca. zwei Stunden.

Über den Prinzensteig

Die Landschaft um Wilhering kann man auch beim Wandern auf dem Prinzensteig erleben. Start bei der Donaufähre, dann auf dem Treppelweg vorbei am Stift, über den schmalen Prinzensteig zum Freinberg und durch das „Zaubertal“ bis zum Linzer Hauptplatz.

Die Perle des Rokoko

Stift Wilhering wurde 1146 gegründet. Berühmt ist die Abtei für ihre Stiftskirche, eine der bedeutendsten Rokoko-Kirchen Österreichs, und den 1840 angelegten Biedermeiergarten. Zum Stift gehören 14 Pfarren und das Stiftsgymnasium. Die Mönche sind als Seelsorger, Lehrer und in der Betreuung der Gäste tätig.
Infos: abteibuero@stiftwilhering.at, Tel. 07226-2311-12.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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