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Fußball Österreich

Rapid-Präsident Krammer: "Rote Linie überschritten"

Von nachrichten.at/apa   05. Februar 2018 16:49 Uhr

Rapid-Präsident Michael Krammer

WIEN. Am Tag nach den Randalen im 325. Wiener Fußball-Derby hat bei Rapid die Aufarbeitung der Geschehnisse im Allianz Stadion begonnen.

Wie Präsident Michael Krammer am Montag auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz berichtete, wurden bei einer ersten Sichtung der Videoaufzeichnungen vorerst elf Übeltäter ausgemacht, die Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatten.

Die Identität jener Personen soll in den kommenden Tagen festgestellt werden. Bei den beiden "Flitzern" ist dies bereits gelungen - auf sie warten ebenso wie auf die Werfer zwei Jahre Stadionverbot sowie Regressforderungen von Rapid aufgrund der zu erwartenden saftigen Strafe seitens der Bundesliga.

In punkto Regressforderungen, die erstmalig in der Vereinsgeschichte zur Anwendung kommen, will sich Krammer ein Beispiel am 1. FC Köln, Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf nehmen. "Dort hat das funktioniert", sagte der Niederösterreicher.

"Werden alles tun, um Stadionverbote durchzuführen"

Der Clubchef zeigte sich von der Notwendigkeit überzeugt, Exempel zu statuieren. "Die rote Linie wurde überschritten. Wir werden alles dafür tun, um Stadionverbote und Regress durchzuführen."

Parallel dazu werden weitere Bereiche auf den Prüfstand gestellt. "Wir fragen uns auch, ob wir in der Fan-Arbeit alles richtig gemacht haben. Vieles spricht dafür, dass die Dinge gut gelaufen sind", erklärte Krammer und verwies auf steigende Zuschauer- und Mitglieder-Zahlen sowie die "einzigartige Stimmung" im Allianz Stadion.

Dennoch solle ein neues Fanprojekt aufgesetzt werden, "mit internationaler Beratung von Vereinen, die mit solchen Situationen umgehen können", meinte Krammer und nannte in diesem Zusammenhang den FC Basel und Schalke 04. Damit solle ermöglicht werden, dass man "Emotionen und gute Stimmung ausleben, aber Dinge wie gestern möglichst hintanhalten" könne, erzählte der Rapid-Boss.

Selbst wenn diese Vorhaben greifen sollten, seien Vorkommnisse wie am Sonntag nie zu 100 Prozent auszuschließen. "Dieser Illusion gebe ich mich nicht hin", sagte Krammer.

Auf echten Konfrontationskurs mit der aktiven Fanszene wird die Clubführung weiterhin nicht gehen. "Die beiden Dinge - Sanktionierung und Fortsetzung des Dialogs - sind alternativlos", betonte Krammer.

Gerade im Zusammenhang mit der zuletzt gewachsenen Zahl an organisierten Fans steht Rapid vor großen Herausforderungen. "Da gibt es neue Gruppierungen, die offensichtlich mit dem Einhalten der Regeln ihre Probleme haben", gestand Krammer, ergänzte aber, er sehe die Verursacher der Sonntag-Randale weder bei der aktiven Fanszene noch bei Personen aus dem Ausland, die am Sonntag im "Block West" zu Gast waren.

Außerdem bat Krammer, von Pauschalverurteilungen der Rapid-Anhänger abzusehen. "99 Prozent unserer Fans sind daran interessiert, dass Rapid erfolgreich Fußball spielt und wir eine einzigartige Stimmung im Stadion haben."

Der Rapid-Präsident warb gegenüber den anwesenden Journalisten auch um Verständnis für unpassende Aussagen von Rapid-Seite unmittelbar nach dem Derby-Schlusspfiff. "Ich bitte Sie inständig, wenn Spieler und Trainer nach so einem Spiel vollgepumpt mit Adrenalin und Emotionen nicht unbedingt die hochwertigsten moralischen Antworten geben, darüber hinwegzusehen. Die Aufgabe der Trainer ist es zuerst, die Mannschaft weiterzuentwickeln, und jene der Spieler in erster Linie, Fußball zu spielen."

Weniger Nachsicht ließ Krammer mit den Sicherheitskräften erkennen, die zuließen, dass zwei Männer im Finish auf den Platz stürmten und einen vielversprechenden Austria-Angriff verhinderten. Dass die beiden nicht von Securitys verfolgt wurden, sei ein Fehler der Sicherheitsfirma gewesen, so Krammer.

Der 57-Jährige lieferte aber auch eine Erklärung dafür, warum das Duo unbehelligt auf den Rasen gelangen konnte. "In der Endphase eines Spiels werden die Sicherheitskräfte in jenem Bereich zusammengezogen, wo das größte Gefahrenpotenzial droht, und das war auf dieser Seite des Stadions eher aus der Ecke der Gästefans zu erwarten. Daher sind die Securitys dort zusammengezogen worden, und es war diesen beiden Personen möglich, runterzuspringen und reinzulaufen."

Video: Strafen für Rapid-Fans

Am Montag schrieb Austra-Spieler Raphael Holzhauser auf Facebook: "Ich als Spieler möchte mich wie jeder andere in seinem Beruf sicher fühlen und erwarte entsprechende Maßnahmen von den Vereinen und der Bundesliga. Ich habe gestern durch mein Weiterspielen ein Zeichen für Fairness gesetzt und habe mir einmal mehr nicht den Spaß am Spiel nehmen lassen. Ich kämpfe für die Austria und mein Team und bedanke mich bei allen Fans die diese Art von Gewalt nicht tolerieren. DERBY ist Hass Emotionen und alles was dazu gehört aber sobald Gewalt im Spiel ist sollten wir uns alle distanzieren."

Lob für Holzhauser gab es von Trainer Thorsten Fink. "Er hat sich vorbildlich verhalten. Es ist schade, dass die Fans so reagieren, dass es in Österreich noch so ist, dass man mit Schirmen geschützt werden muss." Der Deutsche wies auch darauf hin, dass zwei nicht vom "Block West" gestartete "Flitzer" im Finish einen aussichtsreichen Austria-Angriff unterbanden. Laut Eisner bestand in dieser Situation allerdings keine Gefahr, deshalb musste nicht abgebrochen werden.

Rapid-Coach Djuricin gab danach zu Protokoll, er verurteile die Vorfälle "enorm", wehrte sich aber gegen Pauschalverurteilungen. "Unsere Fans sind toll, es gibt aber immer einzelne, die auszucken und einen Schwachsinn machen wie heute. Vielleicht können die Fans das untereinander bereinigen und diejenigen zur Verantwortung ziehen." Seinen Club kosteten diverse Fan-Randale seit der Saison 2010/11 gemäß den Rapid-Geschäftsberichten rund 1,2 Millionen Euro an Strafzahlungen.

Überblick über Vorfälle mit Rapid-Fans

 22. Mai 2011: Hunderte Rapid-Anhänger stürmen im Derby gegen die Austria beim Stand von 0:2 auf den Rasen und attackieren Austria-Fans mit Leuchtraketen. Das Spiel wird abgebrochen und mit 3:0 für die "Veilchen" gewertet. Rapid erhält als Strafe ein Geisterspiel und eine Pönale von 50.000 Euro.

23. August 2012: Zwischen Fans von Rapid und PAOK Saloniki kommt es im Play-off-Hinspiel der Europa League in Thessaloniki zu schweren Ausschreitungen. Die UEFA sanktioniert die Hütteldorfer mit einem Geisterspiel und einer Geldstrafe von 75.000 Euro.

7. September 2013: Nach einem Freundschaftsspiel im Hanappi-Stadion gegen den 1. FC Nürnberg liefern sich die befreundeten Fan-Gruppen beider Clubs Kämpfe mit der Polizei.

4. April 2014: Zwei Tage vor dem Derby schlagen vermummte Rapid-Fans abends in der Nähe der Generali Arena den Austria-Nachwuchsspieler Valentin Grubeck krankenhausreif.

9. November 2014: Beim Derby im Happel-Stadion kommt es zu Ausschreitungen. Die Folge: In den darauffolgenden beiden Duellen der Erzrivalen bleiben die Gästesektoren geschlossen. Zudem gibt es bedingte Sperren der Heimsektoren, die schließlich für beide Clubs schlagend werden - im Fall von Rapid am 4. März 2015 gegen Altach.

4. März 2015: Da Rapid gegen Altach im Happel-Stadion laut Bundesliga einen "alternativen Fan-Sektor" zuließ, müssen die Grün-Weißen 15.000 Euro zahlen.

4. August 2016: Rapid-Profi Maximilian Entrup wird beim Auslaufen nach dem Heim-3:0 in der Europa-League-Qualifikation über Schodsina im Allianz Stadion Ziel einer Knallkörper-Attacke von Hütteldorfer Anhängern. Der Stürmer war einst Mitglied der aktiven Austria-Fanszene.

12. Februar 2017: Nach Ausschreitungen vor und während des Derbys im Happel-Stadion muss Rapid 35.000 Euro und die Austria 20.000 Euro zahlen.

8. April 2017: Nach eigenen Angaben holen die Rapid-Ultras den Mannschaftsbus nach einem 0:3 in Ried bei der Heimreise von der Autobahn. Dabei handelt es sich laut Verein um eine "ganz normale Aussprache zwischen einer Fußball-Mannschaft und Fans, bei der es zu keinen negativen Vorfällen kam".

6. August 2017: Rapid-Fans provozieren mit Wurfgeschoßen auf Austrias Raphael Holzhauser eine mehrminütige Derby-Unterbrechung. Der Club erhält dafür eine Geldstrafe von 30.000 Euro.

13. August 2017: In der Südstadt gegen die Admira fliegen wieder aus dem Rapid-Sektor Gegenstände auf das Spielfeld. Die Partie wird unterbrochen, Rapid muss 15.000 Euro bezahlen.

4. Februar 2018: Neuerlich steht das Derby im Allianz Stadion vor dem Abbruch, weil Gegenstände unter anderem auf Holzhauser - der eine blutende Wunde erleidet - und Felipe Pires geworfen werden. Zudem unterbinden zwei Platzstürmer im Finish einen vielversprechenden Austria-Angriff.

 

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