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Landespolitik

Zersiedelung: "Wir brauchen einen Kraftakt"

Von Alexander Zens 20. April 2019

Flächenfraß und Zersiedelung in Oberösterreich sollen gestoppt werden
Rund 16 Hektar Grünland werden in Österreich pro Tag verbaut.

LINZ. Zersiedelung, Flächenfraß, aussterbende Ortskerne: Die Raumordnung in Oberösterreich hat teils zu Fehlentwicklungen geführt. Nun plant das Land eine Novelle. Ziviltechniker fordern aber viel größere Anstrengungen.

Rund 40.000 Hektar verbaute Fläche liegt in Österreich brach. Das sind laut Umweltbundesamt ungenutzte Industriehallen, Gewerbeobjekte und Wohngebäude. In Oberösterreich gibt es etwa 8000 Hektar Wohnbauland-Reserven (gewidmeter Grund, aber unbebaut). Gleichzeitig wird neues Bauland gewidmet, pro Tag werden rund 16 Hektar Grünland verbaut – mit Hallen, Parkplätzen, Geschäftsflächen, Wohnanlagen. Die Politik der vergangenen Jahrzehnte führte zu Zersiedelung, Flächenfraß und aussterbenden Ortskernen, argumentieren Kritiker.

Experten des Landes Oberösterreich arbeiten nun an einem Fachentwurf für eine Novelle der Raumordnung, bis zum Sommer soll er fertig sein. Dann starten die politischen Verhandlungen.

"Wir befürchten, dass wieder nur an kleinen Stellschrauben gedreht wird", sagt Heinz Plöderl, Sektionsvorsitzender der Architekten in der Ziviltechnikerkammer für Oberösterreich und Salzburg: "Wir brauchen jetzt aber einen Kraftakt. Die Politik muss Mut beweisen, damit unsere Kulturräume nicht weiter zerstört werden." Auch brauche es einen gesellschaftspolitischen Diskurs über die Folgen der Zersiedelung.

Die Raumordnung sei ihm ein großes Anliegen, sagt Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (VP): "Wir wollen Flächenverbrauch und Leerstände reduzieren und Ortskerne stärken, indem sich dort wieder der Handel ansiedelt." Er sei offen für Vorschläge, mit der Ziviltechnikerkammer etwa sei schon ein Termin vereinbart.

Plöderl formuliert durchaus radikale Vorschläge: Erstens solle ein Beirat aus externen Experten und Landesvertretern eingeführt werden, der die überregionale Raumplanung steuert. Bürgermeister sollten keine Bau- und Widmungskompetenzen verlieren, aber "unterstützt" werden. Zweitens ist Plöderl für die Einrichtung örtlicher Kernzonen bzw. Siedlungszonen. Wenn in diesen eine neue Widmung erfolge, müsse im Gegenzug eine alte Widmung außerhalb dieser Zonen wegfallen. Drittens solle man darüber nachdenken, Einfamilienhaus-Grundstücke etwa auf 250 Quadratmeter zu beschränken.

Über konkrete Maßnahmen will Achleitner erst reden, "wenn sie vorliegen". Er sei auch für überregionale Raumplanung, das zeige er bei den Wirtschaftsparks.

Agrar- und Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger (VP) ist teilweise in Gespräche eingebunden. Er sagt, dass sich künftig etwa die Ortsbildbeiräte schon vor Projektbeginn mit Vorhaben beschäftigen könnten, nicht erst nach Fertigstellung, und dass es klarere Regeln für nicht mehr bewirtschaftete Bauernhöfe geben solle. Hiegelsberger betont auch, dass es für Gemeinden oft schwierig sei, wenn Eigentümer ihre Grundstücke im Ort nicht verkaufen wollen.

Plöderl stellt eine These auf: "Bis 2030 müsste in Oberösterreich eigentlich gar nichts mehr neu gewidmet werden, weil es so viele bestehende Bauflächen gibt, die wieder genutzt oder effizienter entwickelt werden sollten."

 

Lesen Sie dazu auch: "Stadt und Land müssen ihre Rollen neu definieren, wenn wir nicht wollen, dass die Provinz verödet", schreibt OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer in seinem Leitartikel zum Thema Raumordnung

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Alexander Zens

Redakteur Politik

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