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Landespolitik

FPÖ-Jungpolitiker Philipp Schrangl: "Rassismus ist dumm"

Von Thomas Nigl   22. September 2013 13:40 Uhr

Philipp Schrangl
Der gebürtige Linzer Philipp Schrangl kandidiert für die FPÖ.

LINZ. Jungpolitiker im Porträt: FPÖ-Kandidat Philipp Schrangl (28) über Jugendpolitik, Jörg Haider und die Wahlplakate der FPÖ.

nachrichten.at: Wann und warum hast du begonnen, dich für Politik zu interessieren? (*Wir haben uns mit den jungen Kandidaten auf das Du in der Anrede geeinigt.)

Philipp Schrangl: Schon in der Volksschule haben wir einen Mitschüler gehabt, den haben die anderen immer gehänselt und gemobbt. Ich hab mich wirklich für ihn eingesetzt, weil ich das einfach unfair gefunden habe. Da hat die Volksschullehrerin schon zu mir gesagt: "Philipp, du redest so viel und du setzt dich für die anderen ein, du wirst einmal Politiker." Da war ich vielleicht acht oder neun Jahre alt und habe nicht mal gewusst, was das ist. In der Schule hab ich Geschichte vertiefend gewählt. Vor der Nationalratswahl 1999 haben wir den Auftrag bekommen, alle Parteiprogramme durchzuarbeiten und den anderen im Unterricht zu präsentieren. Da habe ich die FPÖ bekommen. Ich hab mir das dann durchgelesen und habe erkannt, dass ich auch so denke.

Hat dir schon mal jemand vorgeworfen, dass du aufgrund deiner Jugendlichkeit kein guter Politiker sein könntest? Was würdest du jemandem entgegnen, der so denkt?

Das hat man ja bei Sebastian Kurz recht schön gesehen: Alle haben ihn angeschossen, als er damals Staatssekretär geworden ist und haben gesagt: "Der kann nichts und der hat ja noch nichts geleistet". Ich finde, er hat jetzt die besten Popularitätswerte und er hat auf jeden Fall gezeigt, dass Alter keine Kategorie in der Politik ist. Wenn einer gescheit ist mit 18, ist er das mit 80 immer noch und wenn einer ein Idiot ist mit 50, war er wahrscheinlich mit 18 auch ein Idiot.

Was macht deine Partei für die Jugend?

Wir sind die, die Österreich nach vorne bringen wollen, die an Österreich glauben und wir geben der Jugend echte Chancen. Wir reden nicht immer nur von Jugendpolitik, sondern bei uns haben Jungpolitiker auch wirklich die Chance, in den Nationalrat zu kommen. Wir schauen, dass wir Österreich umbauen, sodass man auch im Jahr 2025 noch ordentlich in Österreich leben und etwas verdienen kann, sich verwirklichen kann und auch noch eine Pension kriegt.

Fallen dir konkrete Beispiele ein?

Vor der Wahl 2008 hat die FPÖ mit den Grünen und mit der SPÖ die Studiengebühren, die die Universitäten nicht nach vorne gebracht haben, wieder abgeschafft. Wir sind für eine Bildungsreform, die diesen Namen auch verdient und nicht bloß ein Etikettenschwindel ist. 

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man als junger Mensch Politiker werden möchte?

Herz und Hirn. Herz für die hart arbeitenden Menschen und für die Unterdrückten in diesem Land. Hirn, damit man das, was man im Herzen hat, sprachlich herausbringt und den Menschen vermitteln kann und damit man das auch in Gesetze gießen kann, die dann den Menschen helfen. 

Gibt es eine ideale Ausbildung für Politiker?

Das Parlament in Wien soll alle Bevölkerungsschichten abdecken, da soll alles vertreten sein. Ich glaube nicht, dass es eine ideale Ausbildung für einen Politiker gibt. Es hat ausgezeichnete Lehrlinge gegeben, die tolle Politiker geworden sind und es hat schlechte Ärzte gegeben, die schlechte Politiker geworden sind.

Laut einer  Studie  interessieren sich nur 26 Prozent der Bevölkerung sehr stark oder ziemlich stark für die Innenpolitik. Im Jahr 2000 waren es noch 56 Prozent. Woran liegt das und was kann man gegen diese Politikverdrossenheit unternehmen?

Die Studie zeigt, was in den letzten Jahren passiert ist: Die Regierung Schüssel I (Koalition ÖVP, FPÖ, Anm.) war wirklich eine Wenderegierung. Da haben sich wahnsinnig viele Menschen dafür interessiert, weil sie das Gefühl gehabt haben, dass sich etwas bewegt in der Republik. Jetzt haben wir wieder diese unsägliche große Koalition, die Politik im Hinterkämmerchen macht, nicht für die Menschen da ist und sich einfach völlig über die Bevölkerung hinwegsetzt. Die Menschen fühlen sich ausgeschlossen. Man sollte Politik wieder begreifbarer machen und der Bevölkerung die Möglichkeit geben, Entscheidungen mitzutragen. Da ist das Schweizer Modell der direkten Demokratie eine gute Möglichkeit, die Menschen zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, direkt mitzusprechen.

Selbstkritik tut gut. Was stört dich an deiner Partei?

Ich finde, Rassismus ist dumm. Jemanden abzulehnen, nur weil er aus einem anderen Land kommt oder einem anderen Volk angehört, das finde ich richtig dumm. Wir müssen schauen, dass wir die intelligenten Menschen nach Österreich holen und anziehen. Das tun wir nicht damit, dass wir verkürzte Botschaften übrig lassen, die den Schluss naheliegend lassen, dass wir ausländerfeindlich wären, denn das sind wir nicht. 

Gibt es zu viele solcher verkürzten Botschaften von der FPÖ?

Vielleicht werden wir auch durch die Medien zu verkürzt dargestellt. Ein Wahlplakat muss natürlich kurz und knackig sein. Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, ist es klar, dass mit "Pummerin statt Muezzin" in Wahrheit nur gemeint ist, dass bei uns weiterhin die Kirchenglocken läuten sollen. Der Muezzin steht für einen radikalen Islamismus, den wir ablehnen.

Du bist also mit der umstrittenen Wahlwerbung deiner Partei einverstanden?

Wir stehen zum Österreicher, wir sagen: "Österreich zuerst". Das bringt unsere Botschaft knapp und gut an die Menschen. Du musst halt einfach irgendwo anfangen mit Nächstenliebe. 

Wer ist dein politisches Vorbild und warum?

Ich habe kein politisches Vorbild. Ich finde aber zwei Persönlichkeiten, die wir in der politischen Landschaft in Österreich gehabt haben, bemerkenswert. Erstens Bruno Kreisky, der es geschafft hat, eine SPÖ-Alleinregierung zusammenzubringen und die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu scharen und zu überzeugen, mit ihm ein Stück des Weges zu gehen. Er hat es auch geschafft, Österreich auf der internationalen Politikbühne einen guten Ruf zu erarbeiten. Bemerkenswert finde ich auch Jörg Haider. Er war ein genialer Rhetoriker und hat in den Anfangsjahren das Herz und das Ohr an der Bevölkerung gehabt.

Beende folgenden Satz: Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich ...

... das Prinzip "Österreicher zuerst" in der Verfassung festschreiben und auch leben. Ich würde Staatsschulden zurückzahlen um dieses freiwerdende Geld in die Jugend, in die Bildung und in Österreich zu investieren. Ich würde nur noch Staatsschulden aufnehmen für Projekte, die langfristige Investitionen in Österreich sind und die nicht verpuffen. Ich würde außerdem die Transparenzdatenbank endlich einführen. Ich könnte noch stundenlang weiterreden (lacht).

Wie verbringst du deine Freizeit? Wie entspannst du dich von deinem stressigen Leben als Politiker?

Am liebsten mit Freunden. Das müssen keine Parteifreunde sein. Ich habe Freunde aus allen Bevölkerungsschichten und aus allen politischen Lagern. Ich gehe gerne wandern, am liebsten im Salzkammergut. Am meisten entspannt mich eigentlich das Segeln.

Wo siehst du dich als Politiker in zehn Jahren?

Die Politik ist ein schnelllebiges Geschäft - viel zu schnelllebig. Ich glaube, das kann man so nicht beantworten. Ich hoffe, dass ich noch irgendwo die Möglichkeit habe, Österreich um ein Stück zu verbessern. Ob das in Gemeinde, Landtag, Nationalrat, Regierung, als Bundeskanzler oder in der EU ist, kann man nicht sagen. Hauptsache irgendwo, wo ich Menschen helfen kann.

 

Zur Person

Philipp Schrangl, 28 Jahre

wohnt in Linz

studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien, macht derzeit das Doktorat an der JKU Linz

arbeitet als Notariatskandidat in Linz

Philipp Schrangl auf Facebook

 

Politischer Werdegang

2000 Mitglied beim Ring freiheitlicher Jugend (RFJ)

2004 Mitglied beim Ring freiheitlicher Studenten (RFS)

2005 Beitritt zur FPÖ

2008 Bundesobmann beim RFS

2009-2011 als ÖH-Mandatar in der Bundesvertretung

2010-2012 Bezirksrat in Wien Währing

Schrangl kandidiert auf Listenplatz 1 im Wahlkreis Linz und Linz Land

 

Am Montag lesen Sie auf nachrichten.at ein Interview mit KPÖ-Kandidat Andreas Heissl.

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