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Oberösterreich

Landwirt will Mountainbiker zur Kasse bitten

Von Gerhild Niedoba  01. Juli 2020 00:04 Uhr

Mountainbiker Biker Wald
(Symbolbild)

LINZ. Weil sich Radler nicht an die Wege halten, sollten sie für die Benützung zahlen, fordert Christian Mayr und löst damit Debatten aus.

Freizeitsportarten haben in den vergangenen Jahren einen enormen Zustrom erlebt. Gerade im Frühling und Frühsommer radeln und wandern die Österreicher mehr denn je. Die Corona-Krise hat das Bedürfnis nach Erholung und Abschalten in der Natur noch um ein Vielfaches verstärkt.

Immer öfter weichen Radfahrer und Wanderer vom vorgesehenen Wegenetz ab und suchen sich über private Wiesen und Felder neue Routen – sehr zum Ärger vieler Land- und Forstwirte. Dass sie damit aber nicht nur rechtswidrig handeln, sondern auch der Pflanzen- und Tierwelt schwere Schäden zufügen, sei den Freizeitsportlern häufig nicht bewusst, sagte Agrarlandesrat und Bauernbund-Landesobmann Max Hiegelsberger (VP) gestern bei einer Pressekonferenz in Linz. Er appellierte an die Freizeitsportler, mehr Rücksicht zu nehmen.

Plakette soll Radler enttarnen

Der Linzer Landwirt Christian Mayr, der am Pöstlingberg einen Pferdehof betreibt und ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm, geht einen Schritt weiter: Er will Mountainbiker zur Kasse bitten. Denn seitdem im Rahmen der "Granitlandrunde" eine neue Radstrecke von der Gis zum Pöstlingberg angeboten werde, die über eine seiner gepachteten Wiesen führe, würden Radler häufig davon abweichen und querfeldein fahren. "Wenn das dann immer mehr machen, kommt es rasch zu einer Verschiebung des Weges."

Er will, dass Radfahrer – ähnlich wie Reiter – eine Tages- oder Jahrespauschale in der Höhe von zwei bzw. 22 Euro für beschilderte Radwege zahlen. "Denn warum sollte man einem Besitzer nicht auch eine Entschädigung zukommen lassen, wenn etwas beschädigt wird?", fragt Mayr.

Mit kostenpflichtigen Plaketten, die auf die Fahrräder geklebt werden, könnten außerdem "schwarze Schafe erkennbar gemacht werden", sagt Mayr im OÖN-Gespräch. Dies sei derzeit oftmals nicht möglich. Weil die Radler "einfach weiterfahren, wenn man sie aufmerksam macht, dass sie hier nicht fahren dürfen", wie Mayr sagt. Oder weil sie aufgrund ihrer Adjustierung samt Helm schlicht nicht erkennbar seien.

Im Gegenzug könnten sich die Radfahrer darauf verlassen, dass die Wege gepflegt und "so erhalten werden, dass sie nicht gefährlich sind". Mayrs Idee einer Radwegbenützungsgebühr stieß gestern selbst bei Bauernbund-Direktor Wolfgang Wallner auf Skepsis. "Schwierig" sei der Vorschlag, sagte Wallner. Er erhofft sich mehr von Informationen und neuen Infotafeln, die beim Bauernbund bestellt werden können (s. Kasten)

Scharf abgelehnt wird Mayrs Idee von Gernot Reichart, dem Leiter der Mountainbike-Gruppe des Alpenvereins Linz: "Das sind ja offizielle Mountainbike-Strecken. Das ist wie beim Wandern: Hier muss man ja auch nicht für Wanderrouten bezahlen, die man benützt", sagt er den OÖNachrichten. Die Natur stehe vielmehr "als Lebensraum für jeden zur Verfügung".

Dass es unter Mountainbikern vereinzelt "schwarze Schafe" gebe, die sich abseits der Wege bewegen, sei nicht auszuschließen, sagt Reichart. Diese mit Hilfe von Plaketten zu erwischen, sei aber nicht praktikabel. "Was würde denn da die Plakette helfen? Man müsste ja trotzdem den Radler aufhalten, um die darauf vermerkte Nummer zu erkennen."

"Lieber Pflicht-Versicherung"

Vorstellen kann sich Reichart aber die Zahlung eines "verpflichtenden Versicherungsbeitrages für alle Mountainbiker" – um im Falle eines Unfalles den Grundbesitzer grundsätzlich schad- und klaglos zu halten. "So etwas wäre vernünftig. Ich glaube, das würde durchaus auf Akzeptanz in der MTB-Community stoßen."

  • Neue Infotafeln: Tafeln mit dem Aufdruck „Bitte nicht betreten oder befahren“ (Kosten: 10 Euro) können unter ooe.bauernbund.at/shop bestellt werden

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Artikel von

Gerhild Niedoba

Redakteurin Land und Leute

Gerhild Niedoba
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