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Oberösterreich

"Konzentrationskiller": Lehrer fordern Handyverbot an Schulen

Von Philipp Hirsch und Michael Schäfl  25. Februar 2020 00:04 Uhr

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LINZ. Lehrergewerkschaft möchte "restriktiveren Umgang". In Oberösterreich dürfen Schulen die Regeln selbst festlegen

Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Bereits für Kinder sind sie oft ein ständiger Begleiter. Das ist vielen Lehrern aber ein Dorn im Auge. Paul Kimberger, oberster Pflichtschul-Lehrergewerkschafter, fordert nun einen "äußerst restriktiven" Umgang mit Smartphones in Schulen.

"Im Unterricht hat das Handy absolut nichts verloren. Lehrpersonal und Eltern müssen an einem Strang ziehen und in der Schule handyfreie Zonen schaffen", sagt Kimberger im Gespräch mit den OÖNachrichten. Beim restriktiven Umgang mit dem "Konzentrationskiller" Smartphone seien Strafen und Konsequenzen für Schüler, die sich nicht an die Regelungen halten, notwendig.

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Verbots-Autonomie

Rückendeckung bekommt Kimberger von Bildungsdirektor Alfred Klampfer: "An jeder Schule muss es klare Richtlinien zur Handynutzung geben. Wie diese dann aussehen, muss jeder Schulstandort in Abstimmung mit den Lehrern und Eltern autonom festlegen."

In Oberösterreich hätten bereits mehrere Schulstandorte Regeln im Umgang mit dem Smartphone im Unterricht aufgestellt und in der Schul- und Hausordnung verankert. Mit seiner Forderung wolle er nun auch die letzten Schulen von diesem Vorgehen überzeugen, so Kimberger.

Handyfreie Zonen in Schulen gefordert

Österreichs Lehrer fordern Auszeiten fürs Handy in den Schulen.

Im Linzer Ramsauergymnasium haben sich Lehrpersonal und Elternverein auf eine von der Schulstufe abhängige Regelung geeinigt. Von der ersten bis zur vierten Klasse Unterstufe sind Handys im Unterricht tabu. Sie bleiben im Spind verwahrt und finden erst in der Oberstufe den Weg in die Klassenzimmer, dort werden sie dann auch in den Unterricht eingebaut.

"Ohne das ständige Gebimmel von Handys ist das Unterrichten entspannter. Ein generelles Verbot an allen Schulen würde uns Lehrern viele sinnlose Konflikte mit Eltern und Schülern ersparen", sagt Johann Baumgartner, Lehrer am Ramsauergymnasium. "Handys im Unterricht dabeihaben zu dürfen, klingt zwar nach Freiheit, kommt aber einem Zwang gleich. Die Schüler schauen alle paar Minuten nach, ob sich etwas tut."

Seine Schüler haben weniger Verständnis für ein Handyverbot. "Das Handy ist ein wichtiger Teil unserer Lebenswelt. Smartphones im Unterricht zu verbieten, bremst unsere Entwicklung. Denn ohne Handys und Laptops kann Digitalisierung gar nicht stattfinden", sagt Alexandra P.

Dass ein Handyverbot durchaus positive Effekte haben kann, belegt eine Studie der London School of Economics aus dem Jahr 2015. Forscher untersuchten die Schulleistungen vor und nach einem Verbot an sechs verschiedenen Schulen. Im Schnitt steigerten sich die Testresultate der Schüler nach dem Handybann um 6,4 Prozent.

In Bayern gilt bereits seit dem Jahr 2006 ein generelles Handyverbot an Schulen. Verhängt wurde es damals, weil Schüler Gewalttaten auf dem Pausenhof gefilmt und die Aufnahmen online gestellt hatten. Gegen das Verbot in Bayern formierte sich aber rasch Widerstand. Schülerverbände, Eltern und Lehrer kritisierten das im Schulgesetz verankerte Verbot. Ende 2019 wurde schließlich an 135 bayrischen Schulen ein Versuch gestartet, der die Handynutzung zumindest in den Pausen gestattet.

Lehrer-App wieder online: Gewerkschaft will klagen
App-Gründer Benjamin Hadrigan (APA)

Lehrer-App wieder online: Gewerkschaft will klagen

Die umstrittene Lehrerbewertungs-App „Lernsieg“ ist seit gestern wieder online. In den nächsten Wochen soll es Erweiterungen geben, aufgrund neuer Investoren könne man nun „einiges umbauen“, sagte Gründer Benjamin Hadrigan. Möglich seien etwa Kommentarfunktionen für Lehrer wie Schüler.

Die Lehrergewerkschaft will weiter juristisch gegen die Bewertungs-App vorgehen. Eine von mehreren eingereichten Musterklagen sei bereits für ein Verfahren zugelassen worden, sagt Lehrergewerkschafter Paul Kimberger. „Es haben sich tausende Kolleginnen und Kollegen an die Gewerkschaft gewandt, damit ihre Rechte gewahrt bleiben“, sagt Kimberger.

Er sieht durch die App nicht nur Datenschutz und Persönlichkeitsrechte verletzt, er vermutet dahinter auch eine „riesige Handynummersammelaktion“. Für die App wurde eine Datenbank mit rund 90.000 Lehrern und den entsprechenden Schulen angelegt. Dort können Schüler nach Registrierung via Handynummer ihre Pädagogen ab der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule (NMS) in Kategorien wie Unterricht, Fairness oder Pünktlichkeit mit einem bis fünf Sternen bewerten und bei weniger als fünf Sternen in vorgegebenen Unterkategorien konkretisieren, welche Mängel es gibt.
Für jede Schule gibt es dann ein Ranking der „besten“ Lehrer und neben dem jeweiligen Schulprofil auch ein Ranking der zehn besten Schulen in Kategorien wie Lehrangebot oder Neue Medien.

Der Gründer stellte auch klar: „Wir sind keine Charity-App. Natürlich wollen wir Geld verdienen.“ Ausgeschlossen sei aber ein Verkauf der Handynummern der Schüler. Kritik an der App kommt auch von Seiten der Schülervertreter. Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike sieht Probleme mit der aktuellen Version. Änderungen seien notwendig, um „Lernsieg“ zu einem „sinnvollen Feedback-Tool“ zu machen. Die Entwickler der App hätten dementsprechende Änderungen bereits zugesagt, hieß es.

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