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"Niemand kann dich darauf vorbereiten"

EBERSCHWANG. Ironman: Unbeschreibliche Schmerzen, Tränen und gewaltige Glücksgefühle – All das durchlebte der 19-jährige Nico Sperl bei seiner überragenden Ironman-Premiere

"Niemand kann dich darauf vorbereiten"

Nach zehn Stunden und 15 Minuten nahmen die Strapazen ein Ende. Mit dieser hervorragenden Zeit belegte der 19-jährige Nico Sperl bei seiner Ironman-Premiere in Klagenfurt den zweiten Platz in seiner Altersklasse. Bild: privat

Zehn Stunden und 15 Minuten. Solange hat Nico Sperl gebraucht, um 3,86 Kilometer zu Schwimmen, 180 Kilometer mit dem Rad zu fahren, anschließend einen Marathon (42,195 Kilometer) zu Laufen und dabei die gesamte Gefühlspalette zu durchleben. Eineinhalb Jahre lang hat sich der 19-jährige Eberschwanger auf den Ironman in Klagenfurt vorbereitet. Zugetraut haben ihm das einige nicht, doch der junge Innviertler hat sie alle eines besseren belehrt. Mit seiner sensationellen Zeit wurde Nico Sperl Zweiter in seiner Alterklasse (18 bis 24 Jahre) und hat – als jüngster Teilnehmer – in der Gesamtwertung Rang 282 von 2315 Startern belegt.

Noch vor ein paar Jahren wäre eine derartige Leistung für den ehrgeizigen Eberschwanger unvorstellbar gewesen. "Ich war früher ziemlich übergewichtig und habe irgendwann beschlossen, das zu ändern. Deshalb habe ich angefangen zu Laufen und habe mit 15 in der Wachau meinen ersten Marathon absolviert", sagt Sperl, der zuvor noch nie an einem Wettkampf teilgenommen hatte. Doch schnell war ihm das nicht mehr genug. "Ich dachte mir, da muss es noch mehr geben." Im Jänner 2017 beschloss der Eberschwanger also, am Ironman in Klagenfurt teilzunehmen.

Dem Ziel alles untergeordnet

Nico Sperl suchte sich mit dem Schärdinger Stephan Quirchtmaier einen Trainer, der ihn bei seinem Vorhaben begleitet hat. "Dank ihm war ich extrem gut vorbereitet. Er hat mir wöchentlich einen Trainingsplan gemacht, an den ich mich fast immer gehalten habe", sagt der 19-Jährige, der im Schnitt zwei bis drei Stunden täglich in die Vorbereitung investiert hat. "Mein ganzes Leben war auf den Wettkampf ausgerichtet. Außer meinem Beruf habe ich diesem Ziel alles andere untergeordnet." Auch Familie und Freunde mussten lange Zeit "zurückstecken". "Wir wussten alle nicht genau, was da auf uns zukommt. Deshalb bin ich unendlich dankbar, dass sie meinen Entschluss nicht nur akzeptiert, sondern mich bestärkt haben."

Trotz perfekter Vorbereitung konnte Nico Sperl nicht einmal ansatzweise erahnen, was ihn in Klagenfurt erwartet. Schon beim Start um 6.50 Uhr kamen ihm die ersten Zweifel. "Um mich herum standen lauter gut gebaute Männer. Da dachte ich kurz: Vielleicht hätte ich noch mehr trainieren sollen. Aber dann habe ich mich einfach hineingestürzt", beschreibt der Eberschwanger den Auftakt. Nach dem Schwimmen und 180 Kilometern auf dem Rad machten sich allerdings die ersten Ermüdungserscheinungen bemerkbar. "Als ich vom Rad heruntergestiegen bin dachte ich mir: Wäre es doch schon vorbei. Aber dann habe ich zufällig einen Freund von mir am Streckenrand gesehen. Das hat mich wieder motiviert", sagt der 19-Jährige.

"Niemand kann dich darauf vorbereiten"

 

Während die ersten 21 Kilometer des abschließenden Marathons noch problemlos zu schaffen waren, wurde die zweite Hälfte für den Innviertler zu einer echten Grenzerfahrung. "Diese Schmerzen haben alles übertroffen. Darauf kann dich niemand vorbereiten. Zwischendurch sind mir immer wieder die Tränen übers Gesicht gelaufen. Trotzdem war aufgeben nie eine Option", betont Nico Sperl.

Wildfremde Menschen, die ihn entlang der Strecke angefeuert und andere Teilnehmer, die ihm ermutigend auf die Schulter geklopft haben waren neben seiner Willensstärke ein weiterer Grund, warum der Ebeschwanger die Zähne zusammengebissen hat. Und sein Bruder, dem er kurz vor dem Zieleinlauf in die Arme gefallen ist. Dann war Nico Sperl am Ende seiner Kräfte. "Ich wurde zu einer Bierbank getragen, wo ich mich ausruhen konnte." Erst am nächsten Tag sei ihm klar geworden, was er da eigentlich geschafft hat. Neben unvergesslichen Eindrücken hat ihn auch der eigene Körper an seine Ironman-Premiere erinnert. "Mein Bruder hat mir beim Anziehen geholfen. Das hätte ich alleine nicht geschafft", gesteht der 19-Jährige. Nur zwei Tage später ist er schon wieder laufen gegangen.

"Niemand kann dich darauf vorbereiten"

Auf die Insel

Jetzt, am vorläufigen Ziel seiner Anstrengungen, kann der Eberschwanger seine Aufmerksamkeit wieder anderen Dingen widmen. "Mit Freunden ein Bier trinken, zum Genuss Radfahren oder einfach nach der Arbeit heimkommen und mich hinlegen." Lange wird ihm das aber nicht genügen, denn nach seinem erfolgreichen Debüt hat sich eine neue Idee im Kopf des gelernten Großhandelskaufmannes festgesetzt: 2020 will Nico Sperl erneut in Klagenfurt antreten – um das Ticket für die Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii zu lösen.

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Artikel Elisabeth Ertl 12. Juli 2018 - 08:08 Uhr
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