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Oberösterreich

Der Cluster am Wolfgangsee

Von Edmund Brandner und René Laglstorfer  27. Juli 2020 06:38 Uhr

Der Cluster am Wolfgangsee

ST. WOLFGANG. Bis gestern um 22 Uhr zählte St. Wolfgang 53 Fälle. Sollte die Zahl der Fälle dramatisch steigen, könnten weitere Maßnahmen folgen.

Die Krankheit kam in kleinen Schritten – und trotzdem schaffte sie es, St. Wolfgang zu überrumpeln. Der erste Verdacht auf eine Covid-19-Ansteckung wurde vor neun Tagen gemeldet. Den ersten bestätigten Fall gab es Dienstagabend. Freitagfrüh war bereits von acht Fällen die Rede, abends von 26. Am Samstagabend lag der offizielle Stand schon bei 44.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Rote Kreuz vor der Ortseinfahrt bereits ein Drive-in für Coronatests eingerichtet, vor dem sich während des ganzen Wochenendes eine lange Autokolonne bildete. Ein 25-köpfiges Team wickelte allein am Samstag 626 Testungen ab, mehr als 1000 sollten es am gesamten Wochenende sein.

Lesen Sie dazu auch: "Späte Warnung – Warum wurde in St. Wolfgang nicht früher informiert?" Ein Kommentar von OÖN-Regional-Ressortleiter Markus Staudinger

Bis gestern, 22 Uhr, stieg die offizielle Zahl der Corona-Fälle in St. Wolfgang um weitere neun Fälle und lag damit bei 53. 

Video: Harald Pretterer vom Roten Kreuz über die aktuelle Situation am Drive-In in St. Wolfgang

Haben die Verantwortlichen in St. Wolfgang und die Bezirkshauptmannschaft Gmunden zu spät über Corona-Fälle informiert?

In dieser Frage wird der Ball zwischen St. Wolfgang und Gmunden hin und her geschoben. Bezirkshauptmann Alois Lanz sagt, die erste Pflicht der Behörden sei es, die Betroffenen selbst zu informieren. Doch auch in St. Wolfgang sieht man sich weder im Gemeindeamt noch im Tourismusbüro für die Informationsarbeit vor Ort zuständig – und schiebt die Verantwortung von sich. "Es ist die Aufgabe der Behörde, die Öffentlichkeit zu informieren", sagt Tourismusdirektor Hans Wieser. In einer Aussendung sahen Wieser und Bürgermeister Franz Eisl (VP) mit den großflächigen Testungen die Infektionskette in St. Wolfgang bereits durchtrennt.

Auf Veranlassung der Landesregierung wurde indes bereits am Freitag die Sperrstunde in St. Wolfgang auf 23 Uhr vorverlegt. Sollten die Zahlen dramatisch steigen, könnten heute, Montag, weitere Verschärfungen folgen.

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Bild 1/30 Bildergalerie: Großer Andrang auf Drive-In-Teststation in St. Wolfgang

Appell, zuhause zu bleiben

Schon gestern patrouillierte die Polizei verstärkt in St. Wolfgang. Die Gemeinde appelliert auf ihrer Homepage an Bewohner, Gäste und Tourismusmitarbeiter, die Abende möglichst zu Hause beziehungsweise in den Unterkünften zu verbringen.

Das Virus hatte sich bekanntlich bei nächtlichen Feiern junger Gastronomie- und Tourismus-Praktikanten ausgebreitet. 41 der 44 ersten positiv Getesteten stammen aus diesem Kreis. Zwei Lokale, das "13er Haus" und das "W3", haben freiwillig den Betrieb ausgesetzt.

Im Tourismusbüro stehen seit Tagen die Telefone nicht still. Aus dem In- und Ausland kamen besorgte Fragen: Kann ich meinen Urlaub am Wolfgangsee noch stornieren? Bekomme ich das Geld dann zurück? Lässt sich meine Buchung verschieben?

Das Virus trifft die Tourismushochburg zur empfindlichsten Zeit, während der Hochsaison im Sommer. Wie hoch der Schaden sein wird, lasse sich noch gar nicht abschätzen, sagt Tourismusdirektor Wieser. Aber allein der Imageschaden sei gewaltig.

Auch bei vielen Urlaubern vor Ort wuchs am Wochenende die Nervosität. Etliche packten vorzeitig ihre Koffer, nachdem sie am Abend im Hotelzimmer aus den Medien über die Lage in St. Wolfgang erfahren hatten.

Lokalaugenschein in St. Wolfgang

OÖN-Redakteur Edmund Brandner hat sich am Sonntag in der Tourismus-Gemeinde am Wolfgangsee umgehört.

Anschober: "Herausforderung"

Gesundheitsminister Rudi An-schober (Grüne) nannte den Infektionscluster um St. Wolfgang gestern "eine besondere Herausforderung". Sein Ressort und die Landesbehörden würden sich bei der Vorgehensweise intensiv abstimmen.

Gestern wurde in St. Wolfgang ein Krisenstab ins Leben gerufen. Mit dabei unter anderem Bürgermeister Eisl, Tourismusdirektor Wieser und Bezirkshauptmann Lanz. Folgende zwei Maßnahmen wurden sofort beschlossen: Alle Menschen, die in den vergangenen zwei Wochen Urlaub in St. Wolfgang gemacht haben, werden schriftlich über den Cluster informiert. Außerdem wurde eine eigene Hotline (Tel. 06138 / 8003) für Gäste eingerichtet.

Enttäuscht zeigte sich unterdessen ein Grazer Pensionist, der in St. Wolfgang auf Urlaub gewesen war. Trotz Symptomen und mehrmaliger Anrufe bei der Gesundheitshotline 1450 werde er in Graz nicht getestet, klagte er der "Kleinen Zeitung". In Oberösterreich forderte die SPÖ ein, auch bei Fällen in anderen Gemeinden ähnlich umfassend zu testen wie in St. Wolfgang.

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