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Oberösterreich

Auf den Spuren der Legionäre: Als die Römer bis ins Mühlviertel kamen

Von Alfons Krieglsteiner 14. Februar 2019

Museum Lauriacum wird im Mai wieder geöffnet
Die Römer bleiben in Enns

SANKT PANTALEON. Archäologen entdeckten ein Römerkastell in St. Pantaleon und drei Feldlager im Aisttal: Die ersten römischen Spuren, die in Oberösterreich nördlich der Donau gefunden wurden.

Einen bemerkenswerten Fund haben Archäologen in Stein, einem Ortsteil von St. Pantaleon-Erla (Bez. Amstetten) und in Obersebern bei Naarn gemacht: Ein bisher unbekanntes Römerkastell sowie die ersten Spuren der Römer nördlich der Donau in Oberösterreich.

"Seit 30 Jahren gab es in der Gegend immer wieder Funde aus der Römerzeit", berichtet Stefan Traxler vom oö. Landesmuseum. Darunter sechs Fragmente von Militärdiplomen – das größte Fund-Kontingent dieser antiken Bronzetäfelchen im Gebiet des heutigen Österreichs.

Das weckte das Interesse des Vereins ArchaeoPublica, in dem archäologische Profis und Hobby-Forscher zusammenarbeiten. Im Sommer 2017 ließ Vereinspräsident Gerald Grabherr, Archäologie-Professor an der Uni Innsbruck, eine Drohne über dem Gebiet kreisen – und traute seinen Augen nicht. Deutlich zeichneten sich auf den Bildern lineare Strukturen ab: die südwestliche Ecke mit zwei Türmen eines Römer-Kastells. "Wir haben damit ein neues Limes-Kastell gefunden", sagt Traxler, der die wissenschaftliche Arbeit koordiniert.

2017 und 2018 wurde das Gebiet vom Boden aus untersucht. Dazu schoben die Archäologen eine Art "Kinderwagen": das Georadar-Gerät. Das Signal wird z. B. von Mauerresten im Boden reflektiert. So konnten die erhaltenen Umrisse des Kastells am Computer rekonstruiert werden. Methode Nummer zwei: das von der Uni Innsbruck zur Verfügung gestellte Magnetometer, ein Gestell mit vier Antennen. Es kann Störungen des Erdmagnetfeldes nachweisen, wie sie von Grubenverfüllungen, Öfen, Brandschutt verursacht werden.

Expeditionen ins Barbarenland

Im Zuge der Landesausstellung 2018 in Enns befasste sich auch das Österreichische Archäologische Institut intensiv mit dieser Region. Kurz nach der Entdeckung von Stein konnte Stefan Groh auch drei römische Feldlager nördlich der Donau in Obersebern, einem Ortsteil von Naarn, nachweisen. Sie wurden nur kurzfristig angelegt und von Erdwällen, Gräben und Holzpalisaden geschützt. Es ist der erste Nachweis römischer Militärpräsenz im Mühlviertel. Und Grund genug, die Arbeit fortzusetzen: "Jetzt schauen wir uns das ganze Aisttal bis Südböhmen hinein an", sagt Traxler. Im Abstand von Tagesmärschen könnten die Römer auf Expeditionen ins Barbarenland weitere Feldlager angelegt haben.

Das neu entdeckte Römer-Kastell ist der Vorgänger der aus 6000 Mann bestehenden Kohorte des Legionslagers in Lauriacum (Enns), das von 180 bis 500 n. Chr. Zentrum der römischen Militärmacht war. Doch die ersten römischen Truppen waren schon um 65 n. Chr. gegenüber der Aistmündung am Südufer der Donau auf dem Posten.

Das zwei Hektar große Kastell mit angeschlossener Zivilsiedlung beherbergte 500 Soldaten. Um 180 n. Chr. wurde es aufgegeben – vermutlich nach einem Angriff feindlicher Germanenstämme.

Am 19. Februar um 19 Uhr werden Gerald Grabherr, Helga Sedlmayer und Stefan Traxler ihre Entdeckungen in der Musikschule St. Pantaleon-Erla vorstellen. Der Eintritt ist frei.

 

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Die Römer in Oberösterreich

Für 500 Jahre waren das Gebiet des heutigen Ober- und Niederösterreichs südlich der Donau, die heutigen Bundesländer Salzburg, Kärnten, Osttirol, Teile der Untersteiermark und Südtirols und der Chiemgau in Bayern Teil der römischen Grenzprovinz Noricum.

Sie war um Christi Geburt weitgehend friedlich von den Römern besetzt worden. Unter Kaiser Claudius erhielt sie um 50 n. Chr. den Status einer Provinz. Im Gebiet des heutigen Oberösterreichs zählten Ovilava (Wels) und Lauriacum (Enns) zu den wichtigsten Orten ziviler und militärischer Verwaltungsorganisation. Lauriacum war der Lagerstandort der zweiten italischen Legion.

Bedingt durch die Grenzlage hatten Noricums Bewohner oft unter Angriffen feindlicher Germanenstämme zu leiden (vor allem Markomannen und Quaden). 488 n. Chr. befahl König Odoaker den Abzug der römischen Bürger. Es ist jedoch davon auszugehen, dass größere Teile der hier lange ansässigen Bevölkerung geblieben sind und die anschließenden zwei Jahrhunderte der Völkerwanderung überdauerten.

Die Region um Enns bildete das Zentrum bedeutender Handelswege. Die wichtigste Achse war die Donau, in die mit Enns und Traun zwei ebenfalls schiffbare Flüsse mündeten. Durch das schon vor der Römerzeit genutzte Aisttal war zudem eine Verkehrs- und Handelsverbindung nach Südböhmen gegeben. Diese potentielle Ein- und Ausfallsroute musste von den Römern natürlich entsprechend militärisch gesichert werden. Viele Waren kamen von den reichen Landgütern in der Welser Gegend.

Artikel von

Alfons Krieglsteiner

Redakteur Land und Leute

Alfons Krieglsteiner
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