Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Samstag, 17. November 2018, 07:16 Uhr

Linz: 2°C Ort wählen »
 
Samstag, 17. November 2018, 07:16 Uhr mehr Wetter »
Oberösterreich

Sprache Latein lebt auf, Lehrer für den Unterricht fehlen

LINZ. Von wegen tote Sprachen: Deutlich mehr Gymnasiasten lernen wieder Latein und Altgriechisch. Warum die Lehrer dafür aber fehlen, und warum er Latein mehr liebt als manches andere, erläutert Peter Glatz (43), Lateinlehrer am Stiftsgymnasium Wilhering, im OÖN-Gespräch.

Glatz

Lebt und liebt Latein: Professor Glatz mit zwei seiner vielen Latein-Schülerinnen. Bild: privat

OÖN: Die vor Jahren totgesagten Sprachen leben auf, aber die Lehrer dafür sterben aus. Warum?

Glatz: Das kommt daher, weil die Stunden für Latein und Altgriechisch laufend gekürzt wurden und deshalb immer weniger Kollegen diese Fächer studiert haben. Die Jobaussichten waren ja entsprechend schlecht. In den vergangenen Jahren kam der Gegenwind, Latein und Altgriechisch liegen im Trend und uns fehlen die Lehrer. Vielleicht wird es ja wie in Deutschland, da müssen Lateinprofessoren aus der Pension zurück geholt werden.

OÖN: Wie viel Latein- und Griechisch-Lehrer gibt es in Oberösterreich, und sind das hauptsächlich Männer?

Glatz: Wir haben rund 200 Latein-, und etwa 15 Altgriechisch-Lehrer. Fast die Hälfte davon sind Frauen.

OÖN: Wie muss man sich den typischen Lateinlehrer vorstellen? Ist das einer, der sich hinter Geschichtsbüchern vergräbt und von der Moderne kaum etwas mitbekommt?

Glatz: Ich protestiere. Natürlich ist ein typischer Lateinlehrer von der Vergangenheit begeistert. Aber in der Methodik ist er sehr modern und zeitgemäß. Latein ist ja nicht nur ein Sprachfach, sondern ein Kulturfach. Wir bringen die kulturellen Inhalte, die für ein modernes Europa relevant sind. Da kann man kein verschlafener Gestriger sein.

OÖN: Wie begeistert man Jugendliche für eine Sprache, die sie praktisch kaum anwenden können?

Glatz: Ich muss wieder protestieren. Vielleicht nicht anwenden im Sinne des täglichen Sprechens. Aber praktisch anwenden im Sinne dessen, dass ein Lateiner komplexe Texte viel schneller erfassen und analysieren kann. Er ist geschult darin. Und er ist kulturell ganz anders zuhause, wenn er in Rom vor einem Tempel steht oder sich Faust II ansieht: Er weiß, worum es geht.

OÖN: Warum werden Lateiner immer so grantig, wenn jemand Latein als tote Sprache bezeichnet?

Glatz: Ich werde nicht grantig, ich streite das ab. Erstens wurde rein sprachwissenschaftlich gesehen nie damit aufgehört, Latein zu sprechen. Die romanischen Sprachen, also Italienisch, Französisch, Spanisch oder Rumänisch sind nichts anderes, als weiterentwickelte lateinische Dialekte. Zweitens ist es ein Mythos, dass Latein angeblich so schwer zu erlernen sei. Latein ist das Englisch der Antike. Weil es in der Antike die am einfachsten zu lernende Sprache war, wurde es zur Weltsprache. So gesehen ist das heutige Englisch das Latein der Moderne.

OÖN: Welches lateinische Zitat solle jeder kennen?

Glatz: Vivat lingua latina – Es lebe die lateinische Sprache!

OÖN: Würden Sie einen Menschen, der nie Latein gelernt hat, trotzdem als gebildeten Menschen bezeichnen?

Glatz: Ja, grundsätzlich gebildet natürlich schon. Aber wenn Sie sagen, gebildet im europäischen Kontext, dann muss ich sagen, hier gehört Latein dazu. Natürlich kann einer Chinesisch lernen und viele Vorteile dadurch haben, aber die Wurzeln unserer Kultur finden sich in Latein. In lateinischer Sprache wurden die wissenschaftlichen und geistigen Errungenschaften Europas erdacht. Das ist ein Faktum. Und das sollte allen bewusst sein.

Kommentare anzeigen »
Artikel Von Anneliese Edlinger 14. Mai 2009 - 00:04 Uhr
Mehr Oberösterreich

Reform? Kirche sucht ihren "Zukunftsweg"

LINZ. Halbzeit im Reformprozess der Diözese: Im Schloss Puchberg trifft sich heute das Diözesanforum.

Kinder verloren geliebten Papa: "Haben bis zuletzt gehofft, dass alles gut wird"

OBERÖSTERREICH. Tumor nahm zweifacher Mutter ihren Ehemann und Geschäftspartner, das Christkindl hilft.

Auto stürzte in Teich, Lenker ertrank

WALDBURG. Fahrzeug rief selbständig um Hilfe – für 65-jährigen Mühlviertler kam jede Hilfe zu spät.

Neuer Pilgerweg führt zu steinernen Kraftplätzen

MÜHLVIERTEL. Im Oberen Mühlviertel startet 2019 ein neuer Pilgerweg auf 90 Kilometern durch zehn Gemeinden.

Stelzer: "Wir müssen zeigen, dass wir beim Glücksspiel Herr der Lage sind"

LINZ. Landeshauptmann fordert vom Bund eine rigorose Verschärfung des Glücksspielgesetzes.
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS