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Striptease on the table

Der alte Pennälerwitz, dass ein Ausziehtisch auf englisch Striptease-Table heiße, verliert sofort an Anzüglichkeit, wenn man das Ausziehen nicht auf die Hausfrau, sondern auf den Strudel bezieht.

(Symbolbild) Bild: colourbox.de

Tatsächlich ist es schon eine ganz eigentümliche Kunstfertigkeit, mit der da aus einem Stückchen Teig ganze Tischplatten ausgeschlagen werden. Und es ist überdies eine Kunstfertigkeit, die unserer Epoche allmählich abhanden kommt, weil die Fertigindustrie der Hausfrau diese Arbeit immer häufiger abnimmt. Jede noch so perfekte Kopie des "selbstausgezogenen" Strudelteigs ist jedoch allenfalls eine halbherzige Angelegenheit, wie man sich bei einer Vergleichsverkostung von Handarbeit gegenüber dem Fertigprodukt leicht überzeugen kann.

Der Strudel ist als Mehlspeise etwa seit dem 18. Jahrhundert überliefert. Obwohl er als Inbegriff einer Wiener Mehlspeise gilt, hält jedoch auch der Strudel keiner allzu intensiven innerösterreichischen Recherche stand. Schon bald wird sich der kulinarische Fährtensucher auf den Spuren der Strudelgeschichte in Ungarn wiederfinden, um schließlich festzustellen, dass wir den Urstrudel just jenen Türken verdanken, die uns seinerzeit den Halbmond auf den Stephansturm pflanzen wollten.

Die Rezeptur eines perfekten Strudelteiges erspar ich mir, da die besten Rezepte bei unseren Großmüttern aufliegen. Und die verrät natürlich niemand - und ich auch nicht! Ein paar nützliche Tipps möchte ich dennoch preisgeben, sofern sie wohl bei eingefleischten Strudelliebhabern nichts neues sein dürften.

Wer zum ersten Mal Strudel backt, sollte lieber gleich zwei Teige ansetzen. Geht´s einmal schief, ist noch genügend Ersatz da. Den Teig nicht zu lange bearbeiten, da er sonst zu fest wird und reist. Nach dem Ruhen sollte der Teig nicht mehr geknetet werden. Gönnen Sie dem Teig viel Ruhe, jedoch nicht länger als vier Stunden. Unter einem heißen dickwandigen Topf ruht der Teig in einem angenehmen Klima. Dadurch wird er geschmeidig. Der elastische Teig kann eine Menge vertragen - sie können ihn beherzt ausziehen. Aber eben nur einmal! Sollte der Teig einmal reißen, flicken Sie ihn mit dem Teig von der anderen Seite. Ich serviere Apfelstrudel gerne mit hausgemachten Vanilleeis und Kanarimilch.

Aber wo gibt es Ihn noch, den original ausgezogenen (Apfel-)Strudel á la Oma? Und ich meine wirklich original, mit dicken Randstück!

Ich bin gespannt auf Ihre Empfehlungen!

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Artikel Erich Lukas 18. Februar 2016 - 17:28 Uhr
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