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Begegnungszonen zum Davonrennen

Nach Jahrzehnten autogerechter Stadt- und Raumplanung hat sich ein Zweiklassensystem etabliert: Die aus eigener Kraft bewegte Menschenspezies hat sich den Auto-Mobilen unterzuordnen.

Der verlorene Anteil am Raum der Stadt wird allerdings zurückgefordert. Die Dominanz des Pkw ist bei Weitem nicht gebrochen, aber wird zumindest da und dort in Frage gestellt.

„Share Space!“ lautet dabei einer der Leitsprüche. Von Pionieren wie dem niederländischen Verkehrsplaner Hans Monderman wurden seit den 1980er Jahren unter diesem Motto Straßengestaltungen erprobt, die den Verkehrsraum wieder zum Lebensraum machen sollen: weniger Ampeln, Schilder und Barrieren, stattdessen die Wiederentdeckung sozialer Fähigkeiten. Sicherheit und Entspannung ergeben sich durch Blickbeziehung, respektvolle Begegnung und aufmerksame Kommunikation. Je nach Nation sind aus dem Appell zum „shared space“, zur gemeinschaftlich geteilten Nutzung des Raums, unterschiedliche Konzepte und Standards in der EU entstanden. 

In Österreich entspricht die seit 2012 in der Straßenverkehrsordnung verankerte „Begegnungszone“ grob der Idee. Oberösterreich hat die neue Möglichkeit im Bundesländervergleich besonders fleißig implementiert. Enns, Freistadt, Lochen, Ottensheim, Wels oder Ried sind nur einige Beispiele. Linz hat sich damals gleich 27 Stück der neuartigen Verkehrsflächen verordnet und einige davon bereits umgesetzt.

Ein Gesetz und ein neues Taferl machen aber noch keine neue Stadt. Nicht immer ist die gute Idee erfreulich umgesetzt. Oft fehlt es an der passenden Gestaltung, aus der sich ein achtsameres Miteinander von sich aus ergeben würde. Wie müssten solche Straßen und Plätze ausschauen? Statt all der amtlich ausgetüftelten Regelwerke würde sich eine einfache Formel empfehlen: Plant nicht Straßen für Fahrzeuge, sondern macht städtische Landschaften, die für das erstaunlich intelligente, sinnlich begabte und agile Lebewesen Mensch geeignet sind! Das funktioniert allerdings schlecht von oben herab – Mit dem Begriff des „sharing“ war nicht nur das Teilen von Räumen gemeint, sondern auch das Beteiligt-Werden am Prozess ihrer Entstehung.

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Artikel Tobias Hagleitner 12. September 2015 - 06:27 Uhr
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