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Kultur

Was für ein Spektakel!

Von Helmut Atteneder   10. September 2018 00:04 Uhr

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Bild 1/25 Bildergalerie: Klangwolke 2018

Rund 110.000 Menschen waren von der fantastischen visualisierten Klangwolke am Samstag an der Linzer Donaulände begeistert.

Die Geschichte der Menschheit, komprimiert auf eine Stunde. Das geht nur mit viel Fantasie. Über selbige verfügt Carlus Padrissa, Kopf der katalanischen Theatergruppe "La Fura dels Baus", nachgewiesenermaßen. Am Samstagabend hat Padrissa nach offiziellen Angaben 110.000 Menschen mit auf seine Kopfreise, die meist mit Strichmännchen-Zeichnungen beginnt, genommen. Dazu hat er Elemente eines fixfertigen Showprogramms erweitert und daraus eine visualisierte Klangwolke namens "PAX Tradition = Revolution" zusammengefügt.

Das Publikum ist bereitwillig eingetaucht in dieses farbenprächtige Spektakel mit wundersamen Fantasiefiguren zu ebener Erde, zu Wasser und in der Luft, akustisch angereichert mit der Musik Bruckners und von dessen Zeitgenossen. Und am Schluss war der Jubel so laut wie nur selten in der 39-jährigen Geschichte der laut Brucknerhaus-Chef Dietmar Kerschbaum größten Installation der Welt.

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Bespielt wurde alles, was geht

90 Statisten haben mitgewirkt, viele davon haben sich von einem Kran weit hinauf ziehen lassen und dort ein spektakuläres Menschennetz geformt, das man schon von der Eröffnung des Musiktheaters im April 2013 kennt. Kleines, aber sehr schönes Detail: Im Netz hing mit der Linzerin Ulli Ullmann auch eine Rollstuhlfahrerin. Bespielt wurde diesmal praktisch alles, was geht. Das Dach des Brucknerhauses, die Fassade des Arcotels – hier "flog" ein weißes Lichtschiff gen Himmel –, und auf der Donau war diesmal besonders viel Schiffsverkehr.

Um dem namensgebenden Showmotto "Tradition" zusätzlich Wertigkeit zu geben, waren auf dem Dach des Brucknerhauses auch "Aperschnalzer" mit fluoreszierenden Peitschen und Alphornbläser zu sehen und zu hören.

Das obligate Klangwolken-Feuerwerk war von der ersten bis zur letzten Sekunde in die Handlung eingebettet. Ein gelungener Schachzug, weil die Pyrotechnik so zum künstlerischen Anspruch erhoben wurde.

Was für ein Spektakel!

Besonders eindringlich war dieser Effekt in der beklemmenden Kampfszene spürbar: Ein riesiger Krieger steigt scheinbar aus der Donau, ein Panzer feuert brennende Pfeile ab, ein riesiges Rad stellt sich dem Panzer entgegen. Apokalypse. Danach ist die Weltkugel schwarz, ein Mann bedeutet mit schwarzer Fahne aus luftiger Höhe ihr Ende. Die Welt mutiert zum Mars, das Leben geht weiter, neue Hoffnung keimt auf, als eine riesige Frauenfigur und ein ebensolches Pferd aufeinander zugehen und ein Einhorn entsteht.

Geniale Hirngespinste

Carlus Padrissas Ideen leben nicht nur von den genialen Hirngespinsten, die er fantasieanregend Wirklichkeit werden lässt. Jede seiner Kreaturen ist mit Menschen besetzt, wird von Menschen manuell gesteuert. Das verleiht den an sich schon spektakulären Konstruktionen aus Holz, Stahl, Stoffen und Seilen Persönlichkeit. Ein geniales Ereignis und ein Beweis, was mit Fantasie und Beharrlichkeit möglich ist. Ein Erzähler hätte ob dieser Bilderflut geholfen, das Erlebte besser zu verstehen, denn die eingespielten Tweets waren zwar stimmig, aber auch verwirrend und zu kurz sichtbar. Letztlich alles vernachlässigbar. Ein großer Abend im Linzer Nachthimmel, der mit einem feinen Konzert des Eferdinger Elektromusik-Duos Leyya perfekt ausklang.

 

Video: 110.000 Menschen haben am Samstag die visualisierte Linzer Klangwolke besucht - dabei ging es um die Geschichte der Menschheit. Umweltschutz, Kriege und der Wunsch nach Frieden wurden dabei zum Thema gemacht.

 

"Eine Freundin aus Linz hat uns die Klangwolke empfohlen. Es ist spektakulär.“
Daniela und Patrick Woidy, Deutschland

„Es ist unsere zweite Klangwolke. Das Zusammenspiel zwischen Visualisierung und Hörgenuss ist fantastisch.“
Karin und Hans Silberhumer, Braunau

„Ich bin seit 20 Jahren praktisch jedes Jahr bei der Klangwolke und habe bei der Eröffnung des Musiktheaters bei Fura dels Baus mitgemacht.“
Margit Rutzinger, Linz

 

 

Plötzlich auch noch „Traditionelles“

Rundum glückliche Gesichter sah man nach der Klangwolke im Brucknerhaus bei den Verantwortlichen. Dietmar Kerschbaum, künstlerischer Leiter des Brucknerhauses, war besonders erleichtert.

„Das war meine erste Klangwolke und dann gleich ein Besucherrekord, das ist für mich eine unglaubliche Freude. Das Wetter hat gepasst, das Thema war gut und das Team von La Fura dels Baus unglaublich. Heute genieße ich das, ab morgen denken wir an die nächste Klangwolke.“ Explizit bedankte sich Kerschbaum noch bei Wolfgang Scheibner, der als Schnittstelle zwischen der genial-chaotischen Künstlergruppe und dem Brucknerhaus fungierte.

Scheibner: „Jetzt bin ich sehr erleichtert, dass alles wie am Schnürchen geklappt hat.“ Bis wenige Stunden vor der Klangwolke habe die katalanische Gruppe um Carlus Padrissa noch viele – überraschende – Ideen gehabt. „Sie haben fast stündlich das Programm umgeschmissen“, schmunzelt Scheibner. Anfang der Woche wollte Padrissa noch „traditionelle“ Elemente in seine Show einfügen, im Speziellen Alphörner und Aperschnalzer, die vom Dach des Brucknerhauses agieren sollten. Beides stellte Scheibner nach vielen Telefonaten in Salzburg auf. Auch eine schwere Figur sollte auf das Dach gehievt werden. Scheibner musste in Windeseile die Statik des Daches nachbessern.

Padrissa war nach der Show erleichtert: „Ich bin glücklich. Wir wollten die Donau, diesen magischen Fluss, verstärkt in die Show einbauen. Das Wichtigste ist, dass es keine Unfälle gab. Die Zusammenarbeit mit dem Brucknerhaus war großartig.“ (att)

 
 
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