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Nerven bewahren

Bis Barcelona würde es recht einfach gehen, das habe ich schon in meinen Planungen gesehen, danach könnte es mühsamer werden. Und so kam es auch.

Bild: Krautgartner

Tag drei bestand aus einer 550 Kilometer langen, zügigen Autobahnfahrt mit fünf problemlosen Ladestopps – man muss eben laden, wenn es sich anbietet, dann kann man auch etwas schneller fahren.

200 Kilometer südlich von Barcelona schließlich steuerte ich einen Schnelllader im kleinen Städtchen Amposta an. Gleich gefunden und voller Freude eingeparkt. Ein Aufkleber verriet, dass man im nahen Hotel eine Berechtigungskarte bekommen würde. Schöne Initiative der Stadt, dachte ich mir, Karte geholt und das Auto frohen Mutes angesteckt. Doch das Laden startet nicht. Mittels Handy-Übersetzer versuche ich, die Anzeigen am Display zu verstehen. Irgendwas mit Herdplatten? Naja, versuchen wir mal die langsame Variante (siehe unten: Tripelcharger). Geht. Na, wenigstens was. Aber nach zehn Minuten schon wieder Sendepause. Wieder starten. Schließlich parkt ein Spanier mit seinem Elektroauto ein und fragt mich, ob ich Jorge sei, der Servicetechniker, den er erwartet. Weil sein Auto lässt sich auch nicht laden, hat er vorher schon festgestellt.

Weißes Hemd statt Blaumann

Nach ein paar Mal Ladung neu starten taucht ein junger Mann im BMW auf, smarter Typ mit weißem Hemd und Anzughose. Er stellt sich als Geschäftsführer der Servicefirma für diese Ladestation vor und macht sich daran, die Station zu öffnen. Aha, so sehen Servicetechniker heute aus.

Er plaudert ganz entspannt mit uns und steckt schließlich seinen Laptop bei der Station an. Diese südländische Gelassenheit lässt mich etwas nervös werden. Vielleicht hilft ein Eis zur Ablenkung. Seine Herumdrückerei am Laptop kommt mir ein bisschen suspekt vor, als ob da was nicht ganz nach Wunsch verläuft. Wird das heute noch was? Zeit für eine Entscheidung.

Ich rechne nach: 174 Kilometer hab ich vor mir und 70 Prozent ist die Batterie inzwischen geladen. Wenn ich nicht mehr als 11 kWh/100 km verbrauche, dann geht sich das aus. Auch wenn das Auto lediglich eine Reichweite von 144 Kilometern prognostiziert. Ich muss nur ausreichend langsam fahren.

Mir reicht‘s.

85 km/h auf der Autobahn, die Lastwagen ziehen vorbei. Aber die ersten Kilometer geht’s bergauf und der Verbrauch steigt auf 14. Mir wird heiß, die Klimaanlage hab ich vorsorglich ausgeschaltet trotz 28°C. Es muss ja auch wieder bergab gehen, rede ich mir ein, dann gleicht sich das schon aus. Tatsächlich, nach einem Drittel der Strecke pendelt sich der Verbrauch auf dem gewünschten Niveau ein, immer wieder rechne ich nach und beobachte. Es funktioniert, die Klima kann jetzt auch aktiviert werden. Nach einem kleinen Umweg wegen einer falschen Abzweigung – damit muss man immer rechnen – komme ich schließlich mit elf Kilometerm Restreichweite an. Puh, die erste Bewährungsprobe ist bestanden.

Tripelcharger

Die Elektroautos sind mit unterschiedlichen Ladeanschlüssen für das Schnellladen ausgestattet. Aus dem Asiatischen kommt Chademo, der europäische Standard ist CCS und Renault setzt auf Typ 2. Die ersten beiden laden mit Gleichstrom (DC) während Typ 2 mit Wechselstrom (AC) arbeitet. Mein Auto lädt schnell mit CCS, kann aber auch Typ 2, allerdings mit deutlich reduzierter Leistung. Das dauert dann eben statt einer halben rund dreieinhalb Stunden. Um alle Bedürfnisse abzudecken werden meist Ladestationen errichtet, die alle drei Systeme bedienen können, sogenannte Tripelcharger.

Der 49-jährige Unternehmer Kurt Krautgartner aus Gschwandt bei Gmunden nimmt an der E-Rallye „Rive Maroc 2017“ teil, die ein Jahr nach dem Klimagipfel in Tanger (Marokko) gestartet wird.

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Artikel Kurt Krautgartner 09. Oktober 2017 - 15:25 Uhr
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