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OÖN-Geldtag

Sind Aktien Ersatz für's Sparbuch?

Von Ulrike Rubasch  05. Dezember 2020 00:04 Uhr

Sind Aktien Ersatz für’s Sparbuch?
Andreas Klauser (Palfinger), Dietmar Reindl (Immofinanz), Heinrich Schaller (RLB OÖ), Gottfried Haber (OeNB) Sebastian Wolf (Rosenbauer), Dietmar Mascher (OÖN-Vizechefredakteur)

Wertpapiere sind gefragter denn je, doch der Notgroschen ohne zeitliche Bindung ebenso.

Die Provisionseinnahmen der Banken aus dem Wertpapiergeschäft steigen. Haben die Österreicher eine Wende vom Kopfpolster-Sparer zum Aktienbesitzer vollzogen? "Ja und nein", sagte Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank OÖ. Die Menschen bringen mehr Geld als üblich zum Sparen auf die Bank, veranlagen jedoch kurzfristiger bis zu maximal einem Jahr. Gut sei, "dass die Leute inzwischen sehr genau unterscheiden zwischen Notgroschen und längerfristigem Investment. Wir beraten verstärkt in Richtung Wertpapiere und Fonds und haben da heuer einen Zuwachs von 830 Millionen Euro erzielt". Bei Fonds könne man das Risiko sehr breit streuen und auch gemäß nachhaltiger Kriterien investieren. Er sieht die Erholung der Aktienmärkte in Europa zuversichtlicher als andere, vor einer Euphorie bei Pharma-Aktien warnt Schaller jedoch.

Geldtag 2020: Die Krise bringt sicher nicht das Ende der Dividende

Viel Geld wurde europaweit bereits in die Wirtschaft gepumpt, um die negativen Pandemie-Effekte abzufedern. Gottfried Haber, Vize-Gouverneur der Nationalbank, erklärte, warum trotzdem keine Inflationsgefahr herrsche, ja nicht einmal das Inflationsziel der EU von zwei Prozent erreicht werde. Ein Paradoxon? Haber: "Unabhängig von der Pandemie hatten wir in den vergangenen Jahren Niedrigstzinsen und wenig Inflation. Die aktuellen Konjunktureinbrüche wirken weiter dämpfend auf die Inflation. Die EZB und die Banken haben die Realwirtschaft ausreichend mit liquiden Mitteln versorgt. Das ist der Nährboden, wie die Realwirtschaft gut durch die Krise kommen kann."

In unsicheren Zeiten ist die Anlage in Immobilien besonders attraktiv. Der Oberösterreicher Dietmar Reindl, Vorstandsmitglied der börsenotierten Immofinanz, wies auf die Vorteile von Immo-Aktien gegenüber dem direkten Investment in ein Gebäude oder eine Wohnung hin: "Prinzipiell hat man als Anleger bei Immo-Aktien einen deutlich geringeren Kapitalbedarf und kann früher ins Investment einsteigen. Auch mit etwas weniger Immobilien-Know-How kann man das Risiko besser stabilisieren. Die Aktie muss ich nicht instand halten und sanieren."

Momentan haben Vermieter häufig ein Ertragsrisiko, weil Mieter coronabedingt ihre Mieten nicht zahlen können. Das entfällt bei Immobilien-Aktien. Die Immofinanz hatte in den vergangenen Jahren vier bis fünf Prozent Dividendenrendite, setzte heuer aus und will, so Reindl, 2021 wieder "eine vernünftige Dividende" liefern.

Eine Berg- und Talfahrt der Aktie hat der Kran-Spezialist Palfinger seit dem 1. Lockdown hinter sich. Vorstandschef Andreas Klauser sagte, das Unternehmen könne jetzt am Aufschwung in der Bauwirtschaft partizipieren. Der US-Markt kehre zurück, auch in Europa erwartet er eine rasche Erholung durch die zahlreichen Konjunkturpakete. Erst im zweiten oder dritten Quartal 2021 könne man abschätzen, wer die Krise wirtschaftlich überleben wird, so Klauser, der für sein Unternehmen sehr zuversichtlich ist.

Unbeschadet, was die Geschäftsentwicklung anbelangt, durch die Krise kam der Leondinger Feuerwehrausrüster Rosenbauer. Finanzvorstand Sebastian Wolf sagte beim OÖN-Geldtag, die aktuellen Quartalszahlen hätten Kaufempfehlungen ausgelöst. Beim Aushängeschild der Feuerwehrautos, "Panther", rechnet Rosenbauer mit einem Rekordabsatz von 190 Stück 2020. Der Einbruch des Flugverkehrs trifft das Unternehmen nicht, weil die vorgeschriebene Zahl der Löschfahrzeuge nicht von der Passagieranzahl, sondern der Flügelspannweite der größten ankommenden Flieger abhängt.

Mittelfristig werde das Wachstum der Flughafenindustrie erst wieder 2023 weitergehen, schätzt Wolf, der den Umsatzbeitrag der Flughafenlöschfahrzeuge mit 15 Prozent bezifferte. "Das bedeutet für uns Stabilisierung auf hohem Niveau."

Artikel von

Ulrike Rubasch

Redakteurin Wirtschaft

Ulrike Rubasch
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