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Motorsport

Ernst Hausleitner: "... und dann haben sie uns aus der Boxengasse abgeführt"

Von Florian Wurzinger und Markus Prinz  02. Juli 2021 01:22 Uhr

LINZ / SPIELBERG. ORF-Moderator Ernst Hausleitner wird ab morgen den Grand Prix von Österreich am Red-Bull-Ring in Spielberg moderieren und kommentieren.

Im OÖN-Sportpodcast hat der gebürtige Grieskirchner (im Vorhinein) über den kommenden Grand Prix von Österreich gesprochen, bei dem er endlich wieder vor Ort kommentieren darf, sowie über seine Karriere als Formel-1-Moderator. Auszüge des Podcasts: 

OÖN: Der ORF und Servus TV teilen sich seit heuer die Rechte an der Formel 1. Beim ersten Grand Prix warst du nicht im Einsatz, kommendes Wochenende übertragen beide österreichische Sender. Wie wirkt sich das auf deine Arbeit aus?

Ernst Hausleitner: Im Paddock sind ja heuer Interviewer erlaubt, Kommentatoren aber nicht. Die Presseboxen sind im Hoheitsgebiet der Formel 1 und werden einfach nicht aufgesperrt. Das richtet sich aber nicht gegen die Kommentatoren, sondern die Formel 1 will einfach nur die Menschen im innersten Kreis so gut es geht schützen. Deswegen kommentieren wir aus Wien und die Kollegen von Servus TV aus Salzburg. Das kommende Wochenende ist eine Ausnahme. Wir werden von der Rennstrecke kommentieren, aber eben von außerhalb, von der Schönberg-Geraden. 

Gibt es eine Aussicht, wann ihr wieder live aus dem Fahrerlager berichten dürft?

Ich befürchte, dass das diese Saison nichts mehr wird. Da drinnen sind nur die, die drinnen sein müssen. Aber ich befürchte, ich habe dir gerade die Frage von vorhin abgewürgt. 

Macht nichts.

Wir haben nur noch 50 Prozent der Rennen live, und das ist schon ein Einschnitt. Entscheidend ist, dass das Publikum alle Rennen im freien Fernsehen schauen kann. Das Formel-1-Publikum in Österreich honoriert das mit unfassbaren Quoten. Die Kollegen in Salzburg jubeln, wir jubeln. Zuletzt in Baku hatten wir 760.000 Zuseher Spitze. Das ist das Positive. Aber wenn du mich nach dem Arbeitsrhythmus fragst, ist es nicht ganz so erfreulich.

Hinter der Übertragung des Rennens steckt jede Menge Arbeit für dich als Moderator. Wie intensiv wird das Wochenende für dich?

Es ist das arbeitsintensivste Wochenende im Jahr. Wir übertragen ja mehr oder weniger drei Tage lang durchgehend. Wir zeigen ja seit heuer alle Trainings, Qualifying und Rennen live im Fernsehen. Wir werden aber auch die Pausen zwischen den Sessions durchsenden und wir zeigen alle anderen Bewerbe - drei Formel-3-Rennen, ein Porsche-Super-Cup-Rennen und das Rennen der Frauen-Serie live. Wir haben eine Berichterstattung, die so noch nie dagewesen ist. Und dafür tüfteln wir schon seit Wochen, wenn nicht Monaten. Und freilich spielt auch der neue Umstand eine Rolle, dass wir an diesem Wochenende - und es wird das einzige sein heuer - mit Servus TV on air sind. Und da hat dann der Zuschauer die freie Wahl. Wir hoffen natürlich so gut aufgestellt zu sein, dass sich der Zuschauer für uns entscheidet.

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Ernst Hausleitner (re.) und Experte Alexander Wurz

Du bist über die Fahrer stets gut informiert. Darum die Frage: Wie viele Handynummern von aktuellen Fahrern sind im Handy von Ernst Hausleitner eingespeichert?

Nicht viele. Vielleicht fünf. Sechs. Sowas.

Kann man diese Kontakte in der Vorbereitung auf ein Wochenende anrufen, oder vermeidest du das eher?

Selten. Es gibt einen, mit dem ich mich öfter austausche. Aber sonst will man das nicht überstrapazieren. 

Wenn man auf Twitter mit liest, scheint es, als würden uns die Deutschen um unsere Formel-1-Kommentatoren beneiden. Im Fußball ist es tendenziell umgekehrt. Was macht Alex Wurz und dich so beliebt?

Diese Einschätzung überlasse ich gerne anderen. Aber ich lese solche Meldungen natürlich gern, freue mich darüber und beantworte auch die meisten. Der Tenor ist - und das ist wie gesagt nicht meine Meinung - dass wohl das Verhältnis zwischen Unterhaltung und Information passt. Und wenn's so ist, dann haben wir alles richtig gemacht.

Wie bist du eigentlich zum Motorsport und zur Formel 1 gekommen?

Mein Papa ist auch Formel-1-Fan und hat mich 1975 zum ersten Mal mit zum Österreich-Grand-Prix genommen. Da war ich fünf, sechs Jahre alt. Und in den Jahren darauf habe ich immer Formel 1 geschaut, wie hunderttausend andere Kinder. Und später wusste man in der ORF-Redaktion um meine Leidenschaft zur Formel 1. Und im Sommer 2004 haben sie einen Interviewer für die Formel 1 gesucht und sind zu mir gekommen. Das werde ich nie vergessen, da waren wir gerade in Athen bei den Olympischen Spielen und dann ist der Redaktionsleiter gekommen und hat mich gefragt, ob ich das machen will. Und ich habe gesagt: 'Wenn ich das machen darf, dann brauchst du mir keine Reisen buchen, weil dann renn ich auf dem Handstand hin.'

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Ernst Hausleitner

Der Rallyesport gilt unter Motorsportfans als familiär, als Motorsport zum Angreifen, weil man den Fahrern im Fahrerlager zwischen den Wettkämpfen sehr nahe kommen kann. Wie familiär oder elitär ist die Formel 1?

Absolut elitär. Aber das passiert ja nicht zufällig, das ist das Marketingkonzept von Bernie Ecclestone aus den 1980er Jahren. Der wollte das so elitär und abgehoben machen und der Erfolg gibt ihm schlussendlich recht. Wie gesagt, ich war ab Mitte der 70er immer beim Österreich-Grand-Prix dabei. Wir sind immer überall herumgegangen, in jede Garage, zu jedem Auto, zu jedem Fahrer. Es gibt auch Videos von mir, wo ich von Garage zu Garage laufe und in einem kleinen Heftchen Autogramme sammle. Das hab' ich sogar noch. Ich habe übrigens ein Autogramm von James Hunt, darauf bin ich besonders stolz. Also du konntest überall hin. Und 1983 war ich mit meinem Papa noch einmal dort und wir sind wieder überall hineingegangen, weil es für uns so üblich war. Und dann haben sie uns abgeführt, sie haben uns per Security hinausgeworfen. Da wurde alles rigoros abgeriegelt, und das ist die Handschrift von Bernie Ecclestone. Und der eigentliche Erfolgs-Run der Formel 1 hat dann erst begonnen. Und dieses Abgehobene, dieses Unnahbare, ist ein wichtiger Baustein, der die Formel 1 erfolgreich macht. 

Ist es diese Unnahbarkeit, die die Fahrer zu Superstars macht?

Ja, durchaus. Und das soll so sein. Ich verwehre mich auch gegen eine technische Simplifizierung. Es muss auch technisch und strategisch so komplex sein. Und wenn ein Frontflügel bricht, dann darf der nicht nur 1000 Euro kosten. Der muss 30.000 Euro kosten, dass es was her macht. Und das ist die Formel 1.

Dein ORF-Kollege Rainer Pariasek hat jüngst einmal gesagt, dass man als Moderator etwas eitel sein muss. Wie eitel ist Ernst Hausleitner?

Das habe ich mir ziemlich abgewöhnt, nachdem mir in der Frühphase meiner Tätigkeit in der Formel 1 Niki Lauda den Titel Schönleitner verpasst hat. Vor einem meiner ersten Interviews mit Niki Lauda habe ich mir in der Spiegelung des Kameraobjektivs die Haare gerichtet. Und er hat mich gefragt, was ich da machen würde. 'Wenn du das noch einmal machst, nenne ich dich im Interview Schönleitner. Und dann habe ich fatalerweise noch einmal hineingegriffen. 

Wer ist dein Tipp für den Formel-1-Weltmeister?

Max Verstappen.

Das Interview und den Podcast in folgender Länge sowie viele weitere Episoden mit heimischen Sportlern können Sie ganz oben im Artikel anhören, oder auf folgenden Podcast-Plattformen:

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