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SV Ried

Balakiyem Takougnadi: Vom Bankdrücker zum Leistungsträger bei der SV Ried

Von Thomas Streif 15. Oktober 2019 20:10 Uhr

Vom Bankdrücker zum Leistungsträger bei der SV Ried
Fast immer gut gelaunt: Balakiyem Takougnadi, wie ihn seine Teamkollegen kennen und schätzen

RIED. Seit Gerald Baumgartner Anfang 2019 den sportlichen Verantwortungsbereich bei der SV Guntamatic Ried übernommen hat, läuft es bei Balakiyem Takougnadi richtig gut.

In den eineinhalb Jahren zuvor kam er nur sehr sporadisch zum Einsatz. Zuletzt erzielte der 26-Jährige im Derby gegen Vorwärts Steyr den 1:0-Siegestreffer.

OÖN: Sie sind seit Juli 2017 in Ried, jetzt werden Sie immer mehr zum Leistungsträger. Warum ist Ihnen der Durchbruch nicht schon früher gelungen?

Balakiyem Takougnadi: Die Anfangszeit unter Trainer Lassaad Chabbi war nicht leicht für mich. Nach wenigen Spielen habe ich dann keine Chancen auf längere Einsätze bekommen. Allerdings trifft sicher auch mich eine Schuld daran.

Ihr persönlicher Aufschwung hat viel mit der Verpflichtung von Trainer Gerald Baumgartner zu tun, oder?

Ja, das täuscht, glaub ich, nicht. Er hat mir gleich zu Beginn gesagt, dass ich Gas geben soll in der Vorbereitung, weil er von meinen Fähigkeiten überzeugt ist.

Gab es zuvor im Winter die Überlegungen für einen Vereinswechsel?

Ja, darüber habe ich Gespräche mit meinem Spielerberater geführt. Nach dem Gespräch mit Baumgartner und der Aussicht auf eine neue, echte Chance wollte ich es aber unbedingt mit vollem Einsatz noch einmal probieren. Wenn man spielt, wächst das Selbstvertrauen. Ich versuche, in jedem Spiel und Training das Beste zu geben und der Mannschaft zu helfen.

Vom Bankdrücker zum Leistungsträger bei der SV Ried
Takougnadi ist flexibel einsetzbar.

Sie sind auf den Flügeln flexibel einsetzbar. Wo spielen Sie am liebsten?

Es hört sich vielleicht klischeehaft an, aber ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt. Für mich macht es keinen großen Unterschied, wo ich spiele. Es gibt auf allen Positionen Vor- und Nachteile.

Sie sind jetzt seit mehr als zwei Jahren in Ried. Wie wohl fühlen Sie sich als Wiener hier im Innviertel?

Zum Glück ist Ried ein gutes Pflaster für Fußballer. Hier ist es relativ ruhig, daher kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren (lacht).

Nach vier Derbysiegen in Folge: Mit wie viel Selbstvertrauen geht die Mannschaft in das Spiel am Samstag (14.30 Uhr) in Liefering?

Die Stimmung in der Länderspielpause war und ist natürlich ausgezeichnet. Die Mannschaft findet sich immer besser, die neuen Spieler sind in Ried angekommen. So kann es weitergehen. Liefering wird ein schwerer Gegner, die Salzburger sind so etwas wie eine Wundertüte. Wir müssen von der ersten Minute an jeden Zweikampf voll annehmen. Wenn wir das tun, werden wir als Sieger vom Platz gehen.

Sie haben gegen Steyr kurz vor Schluss den erlösenden und hochverdienten 1:0-Siegestreffer erzielt. Wie hat sich das angefühlt?

Ich habe (leider) nicht viel nachgedacht, es waren Emotionen pur. Weil ich mein Trikot ausgezogen habe, habe ich die vierte Gelbe Karte kassiert, das tut schon weh, aber nach diesem Spiel mit den vielen Torchancen musste die Freude und Erleichterung einfach raus.

Was Ihnen noch fehlt, ist ein Spiel in der Bundesliga. Wie groß schätzen Sie die Chancen ein, dass die SV Ried in der Saison 2019/2020 den ersehnten Aufstieg schafft?

Wir werden von Spiel zu Spiel besser, wir können es schaffen. Aber die Konkurrenz ist mit Mannschaften wie Klagenfurt oder Lustenau, die viel Geld investiert haben, sehr groß.

Sie sind innerhalb der Mannschaft sehr beliebt, wie tickt Balakiyem Takougnadi so?

Ich glaube, dass ich ein sehr positiver Mensch bin, mit dem man eigentlich fast immer Spaß haben kann. Ich versuche, immer positiv zu denken.

Sie sind Christ und sehr gläubig. Wie wichtig ist das für Sie?

Wenn ich auf das Spielfeld komme, bete ich, dass ich mich nicht verletze und ein gutes Spiel mache. Mein Glaube gibt mir viel Kraft, auch meine Familie ist religiös. In Ried war ich aber noch nie in der Kirche. Mit Torhüter Daniel Daniliuc ist noch ein weiterer Spieler sehr gläubig, was ich sehr gut finde. Wir reden viel über Gott und Jesus.

Haben Sie noch viel Kontakt zu den Verwandten in Togo?

Ja, sehr regelmäßig, wobei ich im Dezember 2018 das erste Mal seit meiner Kindheit wieder in Togo war. Meine Verwandten nach 20 Jahren wieder zu sehen, war sehr speziell und wunderschön. Ich hoffe, dass ich es nächstes Jahr wieder schaffe.

Was haben Sie sich von diesem Urlaub in Ihrer alten Heimat mitgenommen?

Vor allem die unglaubliche Lebensfreude. Die Menschen haben oftmals kaum etwas und sind trotzdem glücklich. Die Kinder spielen draußen, lachen und haben Spaß. Hier zählt nicht das Materielle, es stehen andere Werte im Vordergrund. In meiner Brust schlagen zwei Herzen, eines für Österreich, eines für Togo.

Stichwort Rassismus. Wie oft waren Sie damit in Ihrer bisherigen Karriere schon konfrontiert?

Persönlich eigentlich noch nicht wirklich. Es gibt zwar hin und wieder Schreie aus dem Publikum, aber ich versuche das zu ignorieren. Wobei ich zugeben muss, dass mir so etwas nicht egal ist. Wichtig ist, dass man bei solchen Vorfällen immer wieder Stellung bezieht, denn Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

Wie sehr interessiert sich Ihre Familie aus Wien für den Fußball?

Meine Eltern schauen sich jedes Spiel im Internet an, sie sind auch öfter bei den Heimspielen in Ried zu Gast. Noch häufiger kommt mich mein kleiner Bruder, der ja selber für den Favoritner AC kickt, besuchen. Mit meinem Vater rede ich oft über die Spiele. Er ist wahrscheinlich mein größter Kritiker, weil er immer zu 100 Prozent seine Meinung sagt.

Geboren in Togo, aufgewachsen in Wien

Balakiyem Takougnadi, den in der Mannschaft alle „Takou“ nennen, wurde am 16. 11. 1992 in Lomé, der Hauptstadt von Togo, geboren. Mit fünf Jahren kam er mit seiner Familie nach Österreich. Seine Eltern und Geschwister leben in Wien, sein Bruder Erwin Takougnadi kickt für den Favoritner AC in der Wiener Stadtliga. Der 26-Jährige, der zwei Mal für die österreichische U-19-Nationalmannschaft spielte, ist seit Juli 2017 in Ried. Takougnadi spielte unter anderem für den LASK, Wiener Neustadt, die Young Violets Austria und Horn. Auf seinen ersten Einsatz in der Fußball-Bundesliga wartet er noch. Bei der SV Ried hat sich der Flügelspieler unter Trainer Gerald Baumgartner zum Stammspieler entwickelt. Bei den Mannschaftskollegen ist Takougnadi wegen seiner lockeren Art sehr beliebt. Bisher absolvierte er für die Rieder Kicker 38 Pflichtspiele, dabei erzielte er fünf Tore.

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Artikel von

Thomas Streif

Lokalredakteur Innviertel

Thomas Streif
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