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Landespolitik

Corona: Warum sich das Virus am Land schneller verbreitet

Von Heinz Steinbock  13. Februar 2021 15:45 Uhr

(Symbolfoto)

LINZ/WIEN. Oberösterreich gehörte im vergangenen Herbst zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Regionen Österreichs. Eine Studie der MedUni Wien, die im Auftrag des Landes durchgeführt wurde, hat nun interessante Ergebnisse gebracht.

Im Schnitt 1330 Corona-Neuinfektionen pro Tag und 152 Patienten auf den Intensivstationen zählte Oberösterreich Mitte November, am Höhepunkt der zweiten Corona-Welle. "Um Haaresbreite" sei das Gesundheitssystem am Zusammenbruch vorbeigegangen, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (VP). Man brauche eine externe Analyse, um Gründe für die hohen Infektionszahlen insbesondere in einzelnen Bezirken auszumachen, wurde in der Landesregierung entschieden. Beauftragt wurde das Zentrum für Public Health der Medizin-Uni Wien.

Das Krisenmanagement des Landes, an dem es auch Kritik gegeben hatte, stand nicht im Untersuchungsauftrag dieser Studie, sagt Hans-Peter Hutter von der Med-Uni Wien. Wohl aber geben die auswertbaren Daten aus den 18 Bezirken (Juli bis Dezember 2020) Aufschlüsse über die Infektions-Verbreitung. Analysiert haben Hutter und sein Team die Inzidenzen und die Todesraten in diesem Zeitraum – und mit Bevölkerungsdaten verglichen.

OÖN-TV: Sorglosigkeit am Land

"Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Bezirken", sagt Hutter, und: Eine scheinbar logische Annahme wird widerlegt. Das betrifft die Bevölkerungsdichte. Sollte man annehmen, dass in dichtbesiedelten Ballungsräumen das Ansteckungsrisiko höher ist, so ist laut den ausgewerteten Daten das Gegenteil der Fall. Je höher die Einwohnerdichte, umso niedriger war die Sieben-Tage-Inzidenz und auch die Mortalitätsrate. Das lege den Verdacht nahe, dass in ländlichen Regionen "vertraute Kontakte" mehr gepflegt und Maßnahmen zum Infektionsschutz, im Gegensatz zur "Anonymität" der Stadt, weniger ernstgenommen werden, sagt Hutter. Auffällig war auch, dass sich ein hoher Ausländeranteil eher bremsend auf die Infektionsraten auswirkte. "Die Altersstruktur spielte wenig Rolle", so Hutter.

Eine Schlussfolgerung daraus: "Wir brauchen eine Feinjustierung. Sonst verpuffen gut gemeinte Maßnahmen." So sollte auch die Kommunikation an regionale Besonderheiten angepasst werden. "Ein Appell ist, gerade im vertrauten Umfeld vorsichtig zu sein", sagt Haberlander. Dazu werde sich der Krisenstab des Landes über drei Wochen die Situation in den Gemeinden "genauer ansehen", ob es Fallhäufungen gibt.

Am Land verbreitet sich Corona schneller
Experte Hans-Peter Hutter

Öffnungen für Kinder

Was die jetzigen Öffnungsschritte nach dem Lockdown und weitere Lockerungen betrifft, so plädiert Hutter für eine "Planung, die der Bevölkerung eine Perspektive gibt". Man könne sich mit den derzeitigen Zahlen Öffnungen "mit den bekannten Vorsichtsmaßnahmen" schrittweise leisten. Hutter plädiert als Erstes für Erleichterungen für Kinder und Jugendliche: "Wir haben einen Zustand, der im Sinn der Kindergesundheit rasch abzustellen ist."

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Heinz Steinbock

Redakteur Innenpolitik

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