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Innenpolitik

Angstmache: Corona-Krisenstab weist Kritik zurück

Von OÖN   28. April 2020 00:04 Uhr

Angstmache: Corona-Krisenstab weist Kritik zurück
Markus Müller verteidigt Kurz.

WIEN. Opposition wirft dem Kanzler bewusstes Schüren von Ängsten in einer Sitzung am 12. März vor

Auszüge aus einem Protokoll des Corona-Krisenstabs haben am Montag Empörung bei der Opposition ausgelöst. In dem vom ORF-Radio zitierten Papier heißt es, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) am 12. März, also unmittelbar vor der Verhängung der strikten Einschränkungen, dafür plädiert habe, den Menschen im Hinblick auf die Gefahr durch das Coronavirus Angst zu machen.

"So etwas tut man nicht", wenn man den Menschen bewusst Angst mache, sei das "äußerst besorgniserregend", kritisierte SP-Klubvize Jörg Leichtfried den Kanzler. Für FP-Klubobmann Herbert Kickl zieht sich die Angstmache wie ein roter Faden durch die Kommunikation von Kurz und der Volkspartei. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger sagte, sie traue der Regierung zu, dass sie bewusst an die Angst der Bevölkerung appelliere. Sie vermisst weiter die Informationen, auf Basis derer der Corona-Kurs festgelegt worden sei.

Im Kanzleramt relativierte man die kolportierten Aussagen, wonach es Kurz für wünschenswert erachtet haben soll, wenn die Bevölkerung Angst vor der eigenen Infektion oder dem Tod von Angehörigen habe. Der Kanzler habe lediglich Verständnis für die Sorge um Familienmitglieder gezeigt, hieß es aus dessen Büro. In der Folge hat der Kanzler noch Ende März in der Öffentlichkeit mit drastischen Worten darauf hingewiesen, dass etwa jeder bald jemanden kennen werde, der an Corona verstorben sei. Der Rektor der Meduni Wien, Markus Müller, der Mitglied im Expertenstab der Regierung ist, wies die Berichte über die Kanzler-Aussagen klar zurück. "Von einer Angstmache war sicher nicht die Rede. Aber sehr wohl von der Sorge, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung hinsichtlich Covid-19 noch nicht adäquat war."

Müller verwies auf die Dramatik der Situation am 12. März: Damals sei klar geworden, dass es in Tirol "ein massives Problem" gebe und in Italien die Situation außer Kontrolle gerate. Man habe angesichts dessen diskutiert, dass die Erkrankung "in der öffentlichen Meinung unterschätzt wurde" und das ein Problem sein könne, so Müller.

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