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Außenpolitik

"Die Anarchie im Jemen bedroht die globale Sicherheit "

Von Michael Wrase   26. März 2016

Bürgerkrieg in Jemen
Im Jemen sind im vergangenen Jahr rund 9000 Menschen umgekommen.

SANAA. Nach einem Jahr Bürgerkrieg im ärmsten Land der arabischen Welt ist die Lage katastrophal – Hoffnung auf Frieden gibt es nicht.

Der Jemen gilt als eine Brutstätte für Terroristen. Ein Jahr nach Beginn des Bürgerkriegs im ärmsten Land der arabischen Welt analysiert die jemenitische Politikwissenschaftlerin Elham Manea.

 

OÖN: Als engagierte jemenitische Politologin weisen Sie auf die Katastrophe in Ihrer Heimat hin. Doch trotz Ihrer Appelle wird der nun einjährige Krieg bei uns weitgehend ignoriert.

Elham Manea: Ich bin total frustriert, sehr traurig, weil im Westen das Leben eines Jemeniten offenbar nichts wert ist. Meinen Landsleuten ging es bereits vor Kriegsbeginn sehr schlecht, inzwischen ist die Lage katastrophal. 26 Millionen Jemeniten hungern, sind auf internationale Überlebenshilfe angewiesen.

Die nur sehr spärlich fließt...

Richtig. Nicht nur aus einem humanitären Blickwinkel ist es falsch und gefährlich, dass der Krieg in unserem Land ignoriert wird. Die Anarchie im Jemen, das Fehlen einer staatlichen Ordnung wird sich auch auf die globale Sicherheit auswirken. Große Regionen des Jemen werden bereits von Al Kaida und dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) kontrolliert. Dort ist eine Brutstätte zur Vorbereitung weiterer Terroranschläge am Entstehen, schon entstanden…

Sie meinen die von Dschihadisten beherrschte Provinz Hadramaut, die fast fünfmal so groß wie die Schweiz ist.

Richtig. Das dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bereits vor Kriegsbeginn haben wir eine Generation verloren. Und jetzt verlieren wir eine weitere Generation, wenn nicht bald etwas geschieht…

…was nicht der Fall ist. Saudi-Arabien hat sein wichtiges Kriegsziel, die Wiedereinsetzung der von den Huthis gestürzten Hadi-Regierung, nicht erreicht…

…was zu erwarten war. Alle ausländischen Invasionsmächte, die Ägypter oder früher die Osmanen, sind im Jemen gescheitert. Den Saudis, die den Krieg rasch gewinnen wollten, geht es nicht anders.

Also ein endloser Krieg wie in Syrien?

Das hoffe ich nicht. Der Krieg im Jemen ist in Saudi-Arabien inzwischen sehr unpopulär und kostet Milliarden. Auch die Opferzahlen auf saudischer Seite sind gewaltig.

Aber der Krieg geht weiter. Wie lange noch?

Wir befinden uns gegenwärtig in einem gefährlichen Treibsand. Nicht nur im Jemen, sondern im gesamten Nahen Osten. Prognosen sind schwierig, wenn sich die Dinge weiter so bewegen wie gegenwärtig. Eine Palast-Revolution in Riad würde mich nicht erstaunen. Vielleicht sogar etwas Schlimmeres.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Jemeniten auf den Weg nach Europa machen?

Nein. Die große Mehrheit hat kein Interesse an Europa. Die kulturellen Unterschiede sind zu gewaltig. Vielleicht kümmert sich der Westen aus diesem Grund nicht um mein Heimatland.

 

Elham Manea

Die aus dem Jemen stammende Elham Manea arbeitet als Privatdozentin an der Universität von Zürich und weist in ihren Appellen immer wieder auf die Katastrophe in ihrem Heimatland hin. Die Politologin engagiert sich vor allem für einen humanistischen Islam. Sie lebt mit ihrer Familie in Bern.

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