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Chronik

1,5 Millionen Menschen in Österreich von Armut betroffen

Von nachrichten.at/apa   25. April 2019

Mindestsicherung
Symbolbild

WIEN. 1,512.000 Menschen oder 17,5 Prozent der Bevölkerung in Österreich waren laut Statistik Austria im Jahr 2018 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

Diese Zahl hat sich in den letzen zehn Jahren um 187.000 Personen verringert. Das größte Armutsrisiko haben Langzeitarbeitslose, Ausländer, kinderreiche Familien und Personen in Ein-Eltern-Haushalten. Auch 372.000 Kinder und Jugendliche leben in ausgrenzungsgefährdeten Haushalten.

Die Europa 2020-Strategie formuliert als Kernziel im Sozialbereich, die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen oder bedrohten Menschen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Millionen Personen EU-weit zu senken. Für Österreich bedeutet dies anteilig eine angestrebte Reduktion um 235.000 Personen. 

Hartinger-Klein sieht Österreich "auf gutem Weg"

Mit dem heutigen Beschluss der neuen Sozialhilfe "gehen wir in die richtige Richtung", meinte Hartinger-Klein. "Die Sozialhilfe wird künftig stärker mit Anreizen zur Erwerbsaufnahme verknüpft sein. Hier setzen wir mit einem höheren Wiedereinsteigerfreibetrag neue Impulse. Denn Arbeit ist der beste Weg aus der Armut." SP-Fraktionschefin Rendi-Wagner sieht die beschlossene Sozialhilfe hingegen als  "Sprungbrett in die Armut". Mehr zur hitzigen Debatte im Parlament lesen Sie hier.

Hartinger-Klein verwies auf weitere gesetzt Maßnahmen wie die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge, den Familienbonus oder die "Schulstartpakete".

Gleichzeitig kündigte sie weitere Maßnahmen an: Die Steuerreform werde eine Absenkung der Krankenversicherungsbeiträge für Menschen mit geringem Einkommen bringen. Im Gesundheitswesen werde ein flächendeckender Ausbau der "Frühen Hilfen" - ein Angebot für Schwangere und Jungfamilien in belastenden Lebenssituationen - angestrebt. Im Bildungsbereich werde das Kinderbetreuungsangebot und das Angebot von ganztägigen Schulformen ausgebaut.

Wer am stärksten betroffen ist:

Drei Viertel der Langzeitarbeitlosen (76 Prozent) waren 2018 davon betroffen. Knapp ein Drittel der Personen mit EU-28 oder EFTA-Staatsbürgerschaft war mit einer Armutslage konfrontiert (31 Prozent), bei Personen mit anderer ausländischer Staatsbürgerschaft war das Risiko mit 46 Prozent noch höher. Im Vergleich dazu haben Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft ein Armuts- oder Ausgrenzungsrisiko von 14 Prozent.

Ein wesentlicher Faktor ist auch die Bildung. Verfügt eine Person nur über einen Pflichtschulabschluss, beträgt das Risiko der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung 27 Prozent. Personen mit einem mittleren Schul- oder Lehrabschluss sind hingegen unter den Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten geringer vertreten als im Durchschnitt.

Auch eingeschränkte Erwerbs- bzw. Betreuungsmöglichkeiten schlagen sich nieder. In Ein-Eltern-Haushalten Lebende sind zu 44 Prozent armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, Familien mit mindestens drei Kindern zu 28 Prozent. Auch Alleinlebende, vor allem Frauen, sind öfter betroffen: 32 Prozent der alleinlebenden Frauen und 28 Prozent der Männer, die nicht hauptsächlich von einer Pension leben, sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Unter den Pensionsbeziehenden sind alleinlebende Frauen mit 29 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich betroffen. Alleinlebende Männer mit Pension liegen mit einem Armuts- oder Ausgrenzungsrisiko von 17 Prozent hingegen im Durchschnitt.

Ein Viertel Kinder und Jugendliche

Ein Viertel (25 Prozent bzw. 372.000 Personen) aller Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten waren im Jahr 2018 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Das Risiko sozialer Ausgrenzung lag für diese Altersgruppe mit 21 Prozent über dem der Gesamtbevölkerung. Für 14 Prozent der unter 20-Jährigen aus ausgrenzungsgefährdeten Haushalten ist Sparen bei der Ernährung Teil ihrer Lebensrealität. Fünf Prozent leben in aus Kostengründen unzureichend beheizten Wohnungen und fast jeder dritte junge Mensch (31 Prozent) in einer überbelegten Wohnung. Für Kinder mit drohender Armutsgefahr ist es häufiger nicht leistbar, Freunde zum Spielen oder Essen einzuladen (7 gegenüber 1 Prozent in Haushalten ohne Ausgrenzungsgefährdung). Auch Freizeitaktivitäten wie Sport- oder Musikkurse, die mit Kosten verbunden sind, oder kostenpflichtige Schulausflüge können seltener genutzt werden.

 

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