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Steyr

"Trotzdem ist es kein Covid-19-Musical"

Von Hannes Fehringer  22. Juni 2020 00:04 Uhr

"Trotzdem ist es kein Covid-19-Musical"
Bühnenbild von Georg Lindorfer mit zwei riesigen Schallplatten

STEYR. Coronavirus hat Intendanten das Handtuch werfen und ihre Festivals absagen lassen. Karl M. Ebner hält beim Musikfestival Steyr die Stellung, er packt den Stier bei den Hörnern.

In einer schummrigen Kneipe schwelgen ein Pianist und ein Theaterimpresario in Erinnerungen, als die Theatersäle noch nicht gesperrt wurden und das Publikum zuhause bleiben musste. Doch da steht ja noch die gute, alte Jukebox im Raum mit all ihren Platten voller Evergreens. Die erste Münze fällt in den Wurlitzer, und die Traurigkeit geht. Karl Michael Ebner hat es mit seinem neuen Stück "Musical Fever" geschafft, die Kurve zu kratzen und die Premiere des Musikfestivals Steyr, während das Coronavirus noch jedem im Nacken sitzt, am Donnerstag, 23. Juli, und acht weiteren Vorführungen zu retten.

OÖN: Das geplante Musical "Saturday Night Fever" heißt jetzt "Musical Fever", und Sie können wie bei einer Musicbox nach Belieben fertige Hits wie Abbas "Mamma Mia" oder Andrew Lloyd Webbers "Don’t cry for me Argentina" abspielen. Zugegeben ein raffinierter Handgriff.

Ebner: Man muss sich in der Not zu helfen wissen. Wenn Hindernisse und schwierige Umstände entstehen, kann man nur auf zwei Wegen darauf reagieren: Man kann über das Unheil jammern und aufgeben oder man sieht es als eine Herausforderung, auch mit neuen Gegebenheiten zurande zu kommen und das Beste daraus zu machen.

Schon von der Erzählung her, die mit der Frustration des Pianisten und Theatermachers beginnt, nehmen Sie und die Autoren Markus Richter und Jürgen Kapaun Bezug auf Corona.

Trotzdem will ich kein Covid-19-Musical oder ein Corona-Kabarett. Generell geht es um eine Auseinandersetzung, wie man mit Einschränkungen und Grenzen, die aus dem Nichts aufgetaucht sind, umgeht. Das ist eine Lebensfrage.

Gleichzeitig ist herauszulesen, dass "Musical Fever" nicht nur sehr gegenwartsbezogen ist, sondern voll und ganz in unserer jetzigen Wirklichkeit spielt.

Ich habe es als Herausforderung gesehen, die Vorgaben und Vorschriften, die es von der Regierung zur Eindämmung der Ansteckungen mit dem Virus notwendigerweise gibt, Theater zu machen. Es wird bei uns alles auf Punkt und Beistrich erfüllt, auch dass die Besucher – wie es der Erlass vorgibt – auf ihren zugewiesenen Stühlen sitzen bleiben und nicht aufstehen dürfen, um zu den Hits mitzutanzen. Damit auf der Bühne der Mindestabstand des Babyelefanten eingehalten wird, haben wir distanzhaltende Choreografien.

Mittelpunkt des Musicals, aber auch Kern des Bühnenbildes ist die Jukebox, die Bühnenbauer Georg Lindorfer als zwölf mal zehn Meter großen Kasten zimmern ließ. Daneben ragen zwei riesige Vinyl-Schallplatten auf.

Wir wollen im Schlossgraben diesen Glitzer und Glimmer der Disco-Ära mit Höhepunkt in den 80er-Jahren schaffen und haben uns da auch jede Menge mit Beamern und Lichtprojektoren ausgedacht. Ich denke daran, dass das Publikum wie bei einem Wurlitzer mit "Tastenwahl" das eine oder andere Stück auswählen kann und damit die Vorführung auch interaktiv macht.

Das hört sich an, als wäre bei Ihnen schon wieder die alte Theaterroutine eingekehrt.

Tatsächlich läuft es mittlerweile normal ab, wie bei jedem Musikfestival. Der Bühnenaufbau beginnt diese Woche, die Proben laufen schon. Neu ist nur dieses Abstandhalten auch auf der Bühne, das hätte aber auch einem spleenigen Regisseur für eine Inszenierung ohne Coronakrise einfallen können.

Kommerziell wird es wohl aber eine Herausforderung.

Wir müssen natürlich den heiligen Petrus ganz besonders um gutes Wetter bitten, weil nur Freiluftaufführungen zählen. Wir werden im Schlossgraben die herkömmliche Theaterbestuhlung auflassen und stattdessen Tische wie in einem Gastgarten der Gastronomie aufstellen. Damit bringen wir auf dem Gelände völlig vorschriftskonform 400 Leute pro Aufführung unter. Das ist natürlich eine kleinere Besucherzahl als im Vorjahr, aber wir würden damit den Breakeven erreichen.

Musikfestival Steyr, 23. Juli bis 8. August

  • Musical: Mit Tischen, die bereits vom Vorjahresstück „Cabaret“ großteils vorhanden, anstelle einer Theaterbestuhlung schafft Intendant Karl Michael Ebner Verhältnisse, dass ein eigens geschriebenes Stück „Musical Fever“ trotz Coronavirus stattfinden kann. Unter der musikalischen Leitung von Andreas Brencic werden Musical-Hits von Abba bis Andrew Llloyd Webber in die Handlung eingefügt. In den Hauptrollen stehen Daniela Dett, Nik Raspotnik und Sandra Bell auf der Bühne, deren Kulisse von einer riesige Jukebox in Georg Lindorfer Bühnebild geprägt wird. Tickets sind unter www.musikfestivalsteyr.at online buchbar, bzw. Kartenbüro im Tourismusverband Steyr + Nationalparkregion, Tel. 0 72 52 / 532 20 -0 tickets@musikfestivalsteyr.at.
  • Programm: Darüber hinaus gastieren Ildikó Raimondi und Herbert Lippert bei „Omia“ – Operette on Air, Konzerttermine 2. und 9. August. In Zusammenarbeit mit dem Citykino läuft wieder im Schlossgraben „Kino unter Sternenhimmel“ 27.7., 28.7., 3.8. und 4.8.

Artikel von

Hannes Fehringer

Lokalredakteur Steyr

Hannes Fehringer
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