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Oberösterreich

Steht uns heuer ein "Jahrhundertwinter" bevor?

Von Alfons Krieglsteiner   16. Oktober 2015 00:04 Uhr

Steht uns heuer ein "Jahrhundertwinter" bevor?
Disteln gelten Wetterpropheten als Indikatoren für einen strengen Winter.

LINZ. Bayerischer Wetterprophet macht mit seiner Prognose Schlagzeilen – OÖN befragten dazu heimische Experten.

Folgt auf den Jahrhundertsommer jetzt ein Jahrhundertwinter? Ja, behauptet der bayerische "Wetterprophet" Sepp Haslinger aus Benediktbeuern. Mit seiner gewagten Prognose schaffte er es vor kurzem sogar in den Bayerischen Rundfunk. Lang und schneereich werde der kommende Winter. Bis Ostern werde die weiße Pracht fast durchgehend liegen bleiben.

Das verrät dem ehemaligen Hüttenwirt eine Zeigerpflanze: die Kleinblütige Königskerze. An deren Blütenständen will er um Mariä Himmelfahrt (15. August) ablesen, wie viel Schnee der Winter bringt. Heuer haben die "Wetterkerzen" auffallend viele und hoch aufragende Blütenstände gebildet. Und so hoch, wie die Blütenstände sind, so hoch liegt nach Haslingers Erfahrungen der Schnee. Die OÖN haben mit heimischen Wetterpropheten gesprochen. Auch sie berichten von Beobachtungen, die auf einen strengen Winter hindeuten.

1 Distel und Weide: Was Sepp Haslinger die Königskerze verrät, das liest Horst Nöbl aus Saalfelden, einer der bekanntesten Wetterpropheten Salzburgs, an den Disteln ab: "Die sind heuer im Pinzgau so hoch gewachsen wie seit Jahrzehnten nicht mehr mehr!" Gleiches gelte auch für das enorme Wachstum der Weiden nach ihrem Rückschnitt im Frühjahr. Beides wertet Nödl als Vorzeichen eines schneereichen Winters.

2 Bienen: Seit 50 Jahren registriert Nöbl penibel die Mengen an Waldhonig, die die Imker in seiner Region vor allem im Juni in ihren Fichtenwäldern ernten. "Die sind relevant für den folgenden Winter", sagt er. Denn seine langjährigen Aufzeichnungen zeigen eines ganz deutlich: In "Waldhonigjahren" fällt doppelt so viel Schnee wie in Jahren, in denen die Ernte ausfällt. Und so ein "Waldhonigjahr" war 2015. Der Zusammenhang sei aber nur für die Regionen entlang der Nordalpen eindeutig, etwa für das Salzkammergut.

3 Obstbäume: "Es wird wohl eher ein Durchschnittswinter", sagt hingegen Franz Hauzinger aus Münzkirchen (Bez. Schärding), Mitarbeiter des Hydrografischen Dienstes. Er zitiert eine Bauernregel zum Oktober: "Hängt das Laub noch fest am Ast, wird der Winter ein schlimmer Gast." Doch seine Obstbäume haben schon ein Drittel ihres Laubes abgeworfen.

4 Maulwurf: Der Gmundner Naturbeobachter Heinrich Metz sieht Anzeichen für einen strengen Winter. Die Maulwurfshügel seien schon verschwunden, die Tiere haben sich bereits tief ins Erdreich zurückgezogen: "Offenbar spüren sie, dass es bald dauerhaft kalt wird."

5 Tannenhäher: Was Metz noch aufgefallen ist: "Normalerweise bleiben die Tannenhäher jetzt im Wald, aber heuer kommen sie in die Gärten und sammeln fleißig Haselnüsse." Sie legen schon sehr früh Vorräte an – in Erwartung eines harten Winters.

Kaltlufteinbruch: Heute fällt schon der erste Schnee

Vom Goldenen Oktober keine Spur: „Wir kommen in den nächsten Tagen leider nicht heraus aus dem Tiefdruckeinfluss“, lautet die Prognose von Christian Ortner, Meteorologe der ZAMG-Servicestelle Salzburg/OÖ. Ausläufer eines Tiefs über Frankreich drehen sich beharrlich über Mitteleuropa und verbinden sich mit einem Tiefdruckgebiet über Norditalien: Es bleibt kühl und wechselhaft. Heute fällt schon der erste Schnee.

Denn ein Schwall kühler, bodennaher Luft von Westen sickert bei uns ein. Er bringt kräftige Regenschauer mit bis zu zehn Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Die Temperaturen kommen über 9 Grad nicht hinaus. Schnee fällt bis auf 900 Meter, vor allem die Pyhrn-Priel-Region und das Mühlviertel werden etwas von der weißen Pracht abbekommen. Liegen bleiben wird sie aber nicht.

Freundlicher wird der Samstag. Nach leichtem Morgenfrost klettern die Werte auf 13 Grad. Die Wolken lockern auf, es bleibt trocken: Gute Bedingungen fürs Bergwandern und Joggen. Aber warm anziehen muss man sich schon.

Der Sonntag ist zunächst eine Kopie des Samstags. Auf ausgedehnte Wanderungen sollte man aber verzichten, denn am Nachmittag setzt wieder Regen ein. Der dominiert auch den Wochenanfang: Am Montag lässt sich die Sonne nirgends blicken, 12 Grad sind das höchste der Gefühle.

Hochnebel über dem Flachland

Nach einem unbeständigen Dienstag verabschiedet sich das Dauer-Tief endlich Richtung Osteuropa. Von Westen nähert sich ein Hoch, ab Mittwoch setzt sich trockenes Wetter mit Temperaturen um 12 Grad durch. Über dem Flachland kann sich hartnäckiger Hochnebel bilden. „Der Trend geht dann nach oben“, sagt Ortner. Das folgende Wochenende sollte bei Werten um 15 Grad zumindest einen Abglanz des Goldenen Oktobers bringen.

Zu einer „amtlichen“ Langzeitprognose für den kommenden Winter lässt sich Ortner nicht hinreißen. Auf Nachfrage wird er dann aber doch etwas auskunftsfreudiger: Am ehesten sei davon auszugehen, dass der Winter wieder zu warm werde. Wie gehabt.

 

 

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